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Musik

Hauptdarsteller Musik: "Schumann at Pier2"

Vorführung einer Glanzproduktion in Berlin: "Schumann at Pier2" - eine Fernseh- und DVD-Produktion von DW, Unitel Classica, Radio Bremen und ARTE - zeigt die Schumann-Sinfonien aus einem neuen Blickwinkel.

Vor weißem Hintergrund spielt ein Geiger ein Motiv: das komplexe, vertrackte Hauptthema des 4. Satzes aus Robert Schumanns 2. Sinfonie. Der Orchesterklang kommt hinzu, und der Film blendet über ins Konzert in einer ziemlich elegant restaurierten Werftanlage, dem Pier2 in Bremen. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen spielt. Der nahtlose Übergang vom solistischen in den kollektiven Klang wird mit verschiedenen Instrumentalisten demonstriert, jeder erzählt etwas dazu. Der Pauker spielt seinen Einsatz einmal brav vor, wiederholt ihn dann mit diebischer Freude und dämonischer Kraft. Lacherfolg im Kinopublikum.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen im Konzert Nummer 3 (Foto: DW)

Filmaufnahme der Deutschen Kammerphilharmonie im Saal des "Pier2"



Bei der Vorführung des Films "Schumann at Pier2" in Berlins vollbesetztem Kino International am 26. Oktober gab es viel Gelächter beim kurzweiligen 98-minütigen Musikfilm. Hauptdarsteller ist der estnisch-amerikanische Dirigent Paavo Järvi, der kommunikationswirksam, sympathisch und charismatisch durch die vier Sinfonien Robert Schumanns führt. Eigentlich spielt Järvi jedoch die Nebenrolle, denn stets ist die Musik der Star im von DW-Regisseur Christian Berger gedrehten Streifen. Der Konzertfilm hat das Zeug, Schule zu machen - allein durch die Schnitttechnik, die von Melodien, Motiven und vor allem von Rhythmen getrieben wird und perfekt mit der Musik abgestimmt ist.

Eine Musikproduktion, die verbindet

Der Film kommt an. Zum Zielpublikum von "Schumann at Pier2" sagte Paavo Järvi der DW in einem Interview: "Das war die Schlüsselfrage bei der Planung des Films. Es macht Sinn, einen Film für Menschen zu machen, die Schumann bereits lieben - für Leute, die dem Thema gegenüber aufgeschlossen sind. Andererseits gibt es vielleicht Menschen, die etwas suchen. Der dritte Aspekt hat mit Bildung zu tun. Wir könnten diesen Film auch im Klassenzimmer abspielen lassen, nicht nur für Musikschüler, sondern um überhaupt zu zeigen, wie Musik funktioniert. Man verbindet diverse Elemente und geht der Frage nach: Was wollte der Komponist? Wie funktioniert das Ganze? Normalerweise kommt man jenem Prozess nicht sehr nahe."

Robert Schumann im Portrait (Foto: DW-TV)

Robert Schumann - "Meister der zweiten Reihe"?

Bilden, informieren, aber auch unterhalten kann diese Produktion, die den schwierigen Spagat zwischen jungem und älterem Publikum schafft, zwischen Eingeweihten und denjenigen, die gar nicht wissen, wer Robert Schumann war. Sie zeigt den Komponisten in der Vollblüte der musikalischen Romantik als widersprüchlichen Künstler und als Rätsel. Denn Schumann, der auch Pianist, Dichter und Musikjournalist war, gehört zwar zum Klassik-Mainstream, wurde jedoch meist verstanden als "Meister der zweiten Reihe", im Faktor Genialität etwas hinter Beethoven, Brahms, Bruckner, Mahler und Schubert steckend. Allenfalls seine Lieder, Klavier- und Kammermusik wurden weitgehend anerkannt, als Sinfoniker bemängelte man dagegen das "Grau-in-Grau" seiner Orchestrierung. Schließlich führte seine seelische Erkrankung - Schumann verstarb im Alter von 42 Jahren als Psychotiker in einer Irrenanstalt – oft zu der Beurteilung, dass diese sein Werk beeinträchtigt habe.

Neuer Blickwinkel

Am gängigen Verständnis und an der Tradition der Schumannaufführung rüttelt Paavo Järvi. Als Korrektiv zeichnet er musikalische Kontraste scharf, lässt seine Kammerphilharmonie Bremen Schumann mit ansteckender Unmittelbarkeit wiedergeben. Dabei muss er die Musiker nicht viel anspornen: "Dieses Orchester hat eine Energie, die ich manchmal fast als gefährlich bezeichnen würde", betont er. "Es hat eine unglaubliche kollektive Intelligenz. Diese Musiker können aber auch wie wilde Pferde sein, so dass es buchstäblich unmöglich ist sie aufzuhalten oder die Energie einzudämmen. Ich liebe diese Qualität, weil sie etwas hervorbringt, das uns Schumann näher bringt und ungefilterte Aufregung entfachen kann."

Video ansehen 03:58

Trailer: "Schumann at Pier2"

"Schumann at Pier2" entstand in HD-Qualität und wurde bereits mit dem "Czech Television Prize" beim "International Television Festival Golden Prague 2012" ausgezeichnet. Bei der Deutschen Welle haben anspruchsvolle Musikprojekte Tradition: Vorgänger von "Schumann at Pier2" ist "Das Beethoven-Projekt". Die Produktion mit gleichem Orchester, Dirigent und Regisseur wurde vielfach preisgekrönt.

Programmpolitik mit Klassik

Bei Geldknappheit und Sparzwängen bei öffentlichen - auch bei öffentlich-rechtlichen - Einrichtungen werde zuerst bei der Kultur gespart, heißt es oft. In diesem Sinne laufe die Programmpolitik bei der Deutschen Welle antizyklisch, sagte DW-Intendant Erik Bettermann: "Wir wissen, dass es finanzielle Zwänge gibt, aber Kultur ist ein wichtiges Mittel, um Verständigung zwischen den Völkern herbeizuführen. Das ist manchmal wichtiger als tagesaktuelle Ansätze. Deshalb werden wir überall konzentrieren, rationalisieren, aber ganz bestimmt nicht im Kulturauftritt der Deutschen Welle." Insbesondere unterstütze die Musik diesen Ansatz, denn man stelle fest, dass Musik eine nonverbale Kommunikation herstelle, so Bettermann. "Ich bin überzeugt, dass Musik das Verbindende zwischen den Völkern stärkt."

"Schumann at Pier2" wird in zwei Teilen am 4. und 11. November von DW-TV ausgestrahlt und ist am 4. November unter www.dw.de/im-focus als Videostream zu sehen. ARTE strahlt eine 52-minütige Version des Films am 4. November aus, und Unitel Classica zeigt die Konzertmitschnitte in einem Themenabend am 5. November in Deutschland und in weiteren 20 Ländern.

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