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Wirtschaft

"Hauch des Unsoliden“

Für Joachim Scheide, Professor für Internationale Wirtschaftspolitik in Kiel, ist der derzeitige Eurokurs vor allem "Made in USA". DW-WORLD sprach mit ihm über die Auswirkungen auf Export und Import.

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"Bisher wurde Amerika für solide gehalten. Das hat sich geändert"

"Das jetzt gejammert wird, finde ich übertrieben", sagt Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Der Professor für Internationale Wirtschaftspolitik sieht den momentanen Euro-Höhenflug als die Korrektur einer vorrangegangenen Fehlentwicklung. Man erinnere sich: Im Oktober 2000 war der Kurs der Gemeinschaftswährung auf seinen bisherigen Tiefstpunkt gesunken und notierte bei 0,822 US-Dollar. Seither geht es bergauf, derzeitiger Stand (2.5.2003): 1,124 US-Dollar.

Starker Euro, lies schwacher Dollar

Korrigiert wird dabei, so Joachim Scheide im Gespräch mit DW-WORLD, nicht nur die vorherige Unterbewertung des Euros. Sondern eben auch die veränderte Sicht auf die Wirtschaftskraft der USA: "Der derzeitige Kurs spiegelt eine Schwäche des Dollars wieder, nicht eine Stärke des Euros." Die Gründe dafür sieht der Wissenschaftler vor allem in der US-amerikanischen Politik. In den vergangenen vier Jahren galten die USA bei den Beobachtern als sehr solide.

Öffentliche Haushalte im Minus

Nun zeige sich "dass die öffentlichen Haushalte in den USA im Minus landen. Und wie das finanziert wird, bleibt unklar." Dazu das Versprechen der Bush-Regierung, Steuern zu senken und deren expansive Geldpolitik, all das ergebe einen "Hauch des Unsoliden". Wahrscheinlich werde sich der Kurs aber nun einpendeln, wagt Scheide eine vorsichtige Prognose, denn "auch ein weiteres Ausschlagen ist möglich". Ginge der Kurs weiter nach oben, müssten die Exporterwartungen weiter nach unten dirigiert werden.

Produktivitätsthese fällt aus

Mit einer sinkenden Produktivität der US-Wirtschaft lasse sich der Fall des Dollars nicht erklären. Deren Zuwachs lässt zwar nach und fällt hinter die Erwartung der Fachleute zurück. Als Erklärung für den Wechselkurs könne das nicht herhalten: "Die Produktivitätsthese wurde genannt, als der Dollar stark war. Dieser Vorsprung der US-Wirtschaft ist weiterhin vorhanden."

Für Branchen wie die Automobilindustrie prognostiziert der Kieler Wissenschaftler harte Zeiten: "Der Automarkt ist derzeit anhaltend schwach in den USA. Zu Zeiten eines schwachen Euros konnte man profitieren und die Währungsdifferenz als Preisnachlässe einsetzen. Diese Zeiten sind jetzt erst mal vorbei", so Joachim Scheide.

Mittelfristig positiv

Denn was den Export behindert, beflügelt den Import. Mit einem starken Euro lässt sich gut einkaufen, außerhalb der Eurozone: "Die Kosten für die Verbraucher werden dadurch sinken. Wenn beispielsweise Benzin und Heizöl billiger werden, ist das doch positiv für unsere Volkswirtschaft." Wenn auch die schlechten vor den guten Zeiten kommen werden: "Kurzfristig werden sich die negativen Effekte auswirken, weil die Exportindustrie die Wechselkurswirkung unmittelbarer mitbekommt. Mittelfristig hat ein starker Euro aber eben durchaus auch positive Effekte."

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