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Aktuell Welt

Hat VW Beweismittel vernichtet?

Alarmstufe rot: VW soll nicht nur manipuliert, sondern auch die Aufklärung der Abgas-Affäre gezielt hintertrieben haben. Ein Ex-Mitarbeiter in den USA erhebt schwere Vorwürfe. Für den Vorstand wird die Luft dünner.

Er war IT-Mitarbeiter bei Volkswagen USA, im Rechenzentrum in Michigan. Dann wurde er gefeuert, weil der Konzern in ihm eine Bedrohung sah - so glaubt jedenfalls der frühere Beschäftigte, der jetzt gegen die "Volkswagen Group of America" eine elfseitige Klage eingereicht hat. Darin erhebt der Mann schwere Vorwürfe, die das Unternehmen in der Abgas-Affäre erheblich unter Druck setzen könnten.

Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) behauptet der Ex-Mitarbeiter, er habe zu verhindern versucht, dass entgegen einer behördlichen Anordnung Daten bei VW gelöscht wurden. Die US-Umweltbehörde EPA hatte die Diesel-Manipulationen des Autobauers im September enthüllt. Daraufhin wies das Justizministerium die amerikanische Konzerntochter an, alle routinemäßigen Datenlöschungen umgehend zu stoppen. Doch auch danach, so die Anschuldigung, seien weiter Informationen im Rechenzentrum - und damit womöglich Beweise - vernichtet worden.

Potentieller Whistleblower

Nachdem der frühere IT-Beschäftigte intern mehrfach gerügt hatte, VW behindere die Justiz, sei das Unternehmen offenbar davon ausgegangen, er könnte die US-Behörden informieren. Deshalb habe man ihn entlassen, glaubt der Mann, der nun von VW Schadensersatz verlangt.

Aufspielung neuer Software in einer VW-Werkstatt (Archivbild: dpa)

Daten-Korrektur: Aufspielung neuer Software in einer VW-Werkstatt (Archivbild)

Auf Anfrage deutscher Medien bat ein Konzernsprecher in Wolfsburg um Verständnis dafür, "dass wir uns zu arbeitsrechtlichen Differenzen grundsätzlich nicht äußern". Auf die Frage, ob die geschilderten Datenlöschungen tatsächlich stattfanden, gab es keine Antwort.

"Keine wesentlichen Risiken"

Auch für das deutsche Konzern-Management wird die Luft immer dünner. Die Zeitung "Bild am Sonntag" berichtet, der jetzige VW-Chef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hätten die Abgasaffäre bis zuletzt verheimlicht. Dabei beruft sich das Blatt auf ein Sitzungsprotokoll vom 18. September, also dem Tag, an dem abends die US-Behörden mit dem Skandal an die Öffentlichkeit gingen.

Müller, damals Vorstandsvorsitzender der Sportwagentochter Porsche, und Pötsch, seinerzeit VW-Finanzvorstand, seien mit Ex-VW-Boss Martin Winterkorn bei der Vorstandssitzung der Porsche-Holding zusammengekommen - dem mit Abstand größten VW-Aktionär. Bei dem Treffen habe dessen Finanzchef Johannes Lattwein die drei Manager gefragt, "ob ihnen für die Porsche SE wesentliche Risiken des Volkswagen-Konzerns bekannt sind" - was die Herren verneinten. Winterkorn - so die "Bild am Sonntag" - hatte seine eigenen Vorstandskollegen aber spätestens am 8. September darüber informiert, dass VW den Einsatz einer illegalen Software gestanden habe.

Matthias Müller (rechts), Vorstandsvorsitzender von VW, und der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch (Archivbild: dpa)

VW-Chef Matthias Müller (rechts) und der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch (Archivbild)

Hierzu teilte ein Volkswagen-Sprecher dem Blatt mit, die VW-Vorstände hätten beim Porsche-Treffen noch keine Kenntnis von der EPA-Erklärung gehabt. "Sie standen zu diesem Zeitpunkt unter dem Eindruck, dass die Problematik in den USA im Rahmen üblicher Gespräche und einer Zahlung, die im niedrigen dreistelligen Millionenbereich (US-Dollar) liegen würde, gelöst werden kann." Eine solche Zahlung sei durch die erheblichen Gewährleistungsrückstellungen bei VW ohne Ergebnisbelastungen gedeckt gewesen.

NDR, WDR und SZ hatten bereits vor einer Woche berichtet, es habe ein angebliches "Geheimhaltungsinteresse" des Konzerns gegeben, wie VW selbst in einer Stellungnahme für das Landgericht Braunschweig schreibe. Dort sind Schadensersatzklagen von Aktionären anhängig. Ziel der "vorübergehenden Geheimhaltung" sei aber nicht die "Verschleierung" gewesen - VW habe nur Zeit für die Verhandlungen mit den US-Behörden gewinnen wollen.

VW-Markenvorstand schon im Sommer eingeweiht?

Unterdessen rücken auch andere VW-Manager ins Scheinwerferlicht: Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" meldet, VW-Markenchef Herbert Diess und Konzernvorstand Francisco Javier Garcia Sanz hätten schon im Sommer 2015 vom Einsatz der illegalen Software erfahren, mit der die Fahrzeuge wesentlich klimafreundlicher erschienen, als sie eigentlich sind. Auf einer Sitzung des VW-Markenvorstands im August soll der damalige Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer den Einbau der Software in US-Modelle erwähnt haben, schreibt das Magazin unter Berufung auf die Anwaltskanzlei Jones Day. VW teilte dazu mit, die Details der Diesel-Thematik würden weiter aufgeklärt. Über den aktuellen Stand werde der Konzern in der zweiten April-Hälfte berichten.

jj/sti (dpa, afp, rtr)

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