1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Hat Porsche Aktienkurse manipuliert?

Die Übernahmeschlacht Porsche gegen Volkswagen hat gleich zwei juristische Nachspiele. US-Hedgefonds verklagen Porsche in New York wegen angeblicher Kursmanipulation - und in Stuttgart ermittelt der Staatsanwalt.

Das Porsche 911 Turbo Cabriolet von 2007 (Foto: apn)

Das waren noch ruhige Zeiten: Das Porsche 911 Turbo Cabriolet von 2007

Porsche Hauptversammlung in Stuttgart im Januar 2008 (Foto: apn)

2008 war die Welt noch in Ordung: Wendelin Wiedeking, Vorstandschef der Porsche SE (Mitte)

Investoren und Hedgefonds hassen das Wochenende. Denn da kann man nicht handeln, wenn ein Konzern eine börsenrelevante Pflichtmitteilung veröffentlicht. Ein besonders bitterer Tag für die Manager von 35 amerikanischen Hedgefonds war der 26. Oktober 2008 - ein Sonntag. An diesem Tag gab der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche bekannt, dass er 42,6 Prozent der VW-Stammaktien besitzt sowie zusätzliche 31,5 Prozent Optionen auf VW-Stammaktien, "was in der Summe einen Betrag von 74,1 Prozent ergibt". Zudem erklärte Porsche, man wolle 75 Prozent der VW-Aktien erwerben.

Am nächsten Tag brach die Hölle los. Der Grund: Die Hedgefonds hatten damals im großen Stil auf fallende Kurse bei der Volkswagen-Aktie gewettet. In der Krise waren die Umsätze und die Börsenkurse der amerikanischen Autobauer dramatisch eingebrochen - über kurz oder lang würde diese Krise auch die deutschen Autobauer treffen, so ihr Kalkül. Deshalb liehen sie sich VW-Aktien, die sie gar nicht besaßen, um sie am Markt zu verkaufen - typische Leerverkäufe also, in der Hoffnung, diese Aktien später deutlich billiger zu kaufen und sie ihren Eigentümern zurückzugeben.

15 Milliarden verloren

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (Foto: apn)

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: Kurse manipuliert?

An jenem Sonntag wurde den Fondsmanagern jedoch klar, dass sie mehr als doppelt so viele Aktien leer verkauft hatten als am freien Markt überhaupt aufzutreiben waren. Die Folge: Die VW-Aktie, die am Freitag vor der Porsche-Pressemitteilung noch 209 Euro gekostet hatte, schoss in die Höhe - auf über 1000 Euro. Damit schob sich VW kurzfristig an allen Ölkonzernen vorbei und wurde zum teuersten Konzern der Welt. Und die Hedgefonds, so schätzt die Financial Times, verloren innerhalb von zwei Handelstagen rund 15 Milliarden Euro.

Mindestens zwei Milliarden Dollar wollen sie jetzt von Porsche wiederhaben. Sie haben riesige Anwaltskanzleien in Bewegung gesetzt und Porsche vor einem New Yorker Gericht wegen angeblicher Kursmanipulation auf Schadensersatz verklagt. Begründung: Porsche habe wider besseres Wissen die Anleger im Glauben gelassen, dass die Zuffenhausener nur eine Beteiligung von 51 Prozent bei Volkswagen anstreben. Am Mittwoch (01.09.2010) wird es spannend: Da reichen die Verteidiger von Porsche die Erwiderung der Anklageschrift ein. Sie werden vermutlich argumentieren, dass bösennotierte Unternehmen Übernahmepläne erst publik machen müssen, wenn der Vorstand einen entsprechenden Beschluss gefasst hat - und das sei nicht der Fall gewesen.

Auch Stuttgart ermittelt

Aktenordner (Foto: dpa)

Die Nachwehen der Übenahmeschlacht werden noch viele Aktenodner füllen

Möglicherweise kommt den Klägern in New York ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Marktmanipulation gegen den damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen früheren Finanzvorstand Holger Härter zu Hilfe. Die Staatsanwaltschaft hatte im August 2009 Ermittlungen wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und unbefugte Weitergabe von Insiderinformationen beim Übernahmekampf zwischen VW und Porsche eingeleitet. Geklärt werden soll die Frage, ob Porsche im Zuge des Einstiegs bei Volkswagen Anleger und Akteure an der Börse möglicherweise falsch informierte und die Kursentwicklung unzulässig beeinflusste. Wollen sich die Kläger in New York auf dieses Vermittlungsverfahren berufen, müssen sie sich allerdings in Geduld üben: Erste Zwischenergebnisse sollen nach Angaben der Ermittler Ende 2010 oder Anfang 2011 präsentiert werden.

Übrigens: Der große Deal fand am Ende doch noch statt. Nur: Nicht Porsche übernahm Volkswagen. Der Sportwagenbauer ist mittlerweile ein Tochterunternehmen des VW-Konzerns.

Autor: Rolf Wenkel

Redaktion: Henrik Böhme