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Europa

Hat die Schweizer Armee eine Zukunft?

Die Schweiz ist neutral, hat das letzte Mal Mitte des 19. Jahrhunderts in einem Krieg gekämpft – und verfügt trotzdem über eine Armee. Ob das Land überhaupt eine Armee braucht, fragen sich viele Schweizer.

Schweizer Soldaten mit Flagge und Gewehren (Foto: AP)

Überflüssig oder nicht? Die Schweizer Armee

Rund 180.000 Soldaten bei einer Bevölkerung von 7,5 Millionen: Das sei zu groß und zu teuer, sagen Kritiker. Jeder männliche Schweizer, der älter als 19 Jahre alt ist, muss für fünf Monate in der Armee dienen - und bis er 30 Jahre alt ist, muss er jedes Jahr für ein paar Wochen in die Kaserne zurückkehren.

Soziale Einrichtung oder Militär?

Eine Kaserne (Foto: picture-alliance/keystone)

Wehrdienst ist Pflicht

Dabei hat die Schweiz seit anderthalb Jahrhunderten nicht mehr gekämpft und nimmt an keinen Friedenseinsätzen teil. Auf die Funktion der Armee angesprochen, sagt Major Urs Halter: "Wir leben hier mit Leuten zusammen, die wir sonst nie treffen würden, und tun Dinge, die wir sonst nie tun würden - unter freiem Himmel schlafen zum Beispiel." Es sei auch eine gute Gelegenheit, andere Mentalitäten kennenzulernen. Militärische Aufgaben erwähnt Halter dagegen nicht.

Auch Vollzeit-Offiziere wie Major Halter finden keine Gründe dafür, warum die Schweiz eine Wehrpflicht braucht. Die Rekruten, die bei Minusgraden im Hof stehen, während ihre Ausrüstung überprüft wird, halten den Wehrdienst für überflüssig. "Ich bin nur hier, weil ich muss", sagt ein junger Mann. "Ich sehe nicht, dass ein Krieg auf uns zukommt. Ich glaube nicht, dass die Schweiz eine Armee braucht."

Was alle zusammenhält

Soldaten stehen Spalier (Foto: Rainer Jensen)

Ein gemeinsames Erlebnis: Wehrdienst

Das würden ihre Großväter nicht gerne hören, denn sie haben Jahre in Festungen verbracht - überzeugt davon, dass sie die Schweiz erst gegen Hitler und dann gegen die Sowjetunion verteidigen. Für den ehemaligen Offizier Jean-Jacques Britt gehört die Armee zum Schweizer Leben dazu. "In der Schweiz muss jeder Mann in die Armee und das ist wie ein sozialer Klebstoff", sagt er. "Alle Männer haben etwas gemeinsam, der Straßenkehrer und der Bankdirektor, alle haben die gleiche Schule durchlaufen." Viele Menschen würden die Wehrpflicht vermissen, wenn sie abgeschafft würde.

Das sieht die junge Generation anders. Studenten halten den Wehrdienst eher für ein Hindernis: Sie wollen möglichst schnell studieren und einen Job finden - und nicht fünf Monate in der Armee dienen. An der Universität in Zürich sammeln sie Unterschriften, um den Wehrdienst abzuschaffen. Adrian Feller studiert Geschichte und hat seinen Dienst bereits hinter sich. "Es war langweilig und sinnlos, weil wir nichts Nützliches getan haben. Wir haben nur herumgehangen und auf Ziele geschossen." Der Wehrdienst gehört für ihn der Vergangenheit an. "Wir haben andere soziale Probleme, die wir angehen müssen", sagt Feller.

Die Wehrpflicht galt vielen Schweizern lange Zeit als unantastbar. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt, dass nur noch 43 Prozent der Bevölkerung hinter ihr stehen. Die Regierung sucht nach einer Alternative - noch marschiert die Armee zwar, aber niemand weiß, in welche Richtung.

Autorin: Imogen Foulkes
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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