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Fokus Südosteuropa

Hasssprache von der Fantribüne in die Medien

„Ein Italiener, ein Schwede und zwei Nigger“, so berichtete eine bulgarische Sportzeitung über den Neuzugang bei einem Fußball-Erstligisten. Seitdem ist die Diskussion über den Rassismus in Bulgarien erneut entbrannt.

FUSSBALL INTERNATIONAL WM-QUALIFIKATION 2010 Bulagrien - Italien 11.10.2008 Bulgarische Hooligans zeigen das Keltenkreuz FOTO: Pressefoto ULMER/Alberto Lingria xxxPUBLICATIONxNOTxINxITAxxx

Bulgarische Hooligans mit rechtsextremistischen Symbolen

Rassistische Zurufe bulgarischer Fußballfans in den Stadien sind leider keine Seltenheit. Dafür musste der bulgarische Fußballverband im vergangenen Dezember bereits 40.000 Euro Strafe bezahlen. Die Europäische Fußballassoziation UEFA hat damit einen Vorfall während des EM-Qualifikationsspiels England-Bulgarien in Sofia geahndet. Im Stadion waren ganz deutlich Schmähgesänge der Fans gegen zwei dunkelhäutige Gastspieler zu vernehmen.

Rassismus und kein Slang

Die Hasssprache der Fantribüne findet Einzug auch in die Medien: In der vergangenen Woche veröffentlichte "7 Tage Sport", eine der größten bulgarischen Sportzeitungen, einen Artikel über die neu angeworbenen Spieler bei einem Fußball-Erstligisten. Der Titel lautete: "Neuzugang für "ZSKA Sofia": Ein Italiener, ein Schwede und zwei Nigger".

Manchester United's Spieler Ashley Young (Quelle: Jon Super/AP/dapd)

Die rassistischen Rufe richteten sich auch gegen Ashley Young

"Der Titel ist absurd und rassistisch", kritisierte prompt das Bulgarische Helsinki-Komitee für Menschenrechte in einem offenen Brief an die Zeitung. Bei der Menschenrechtsorganisation seien Hunderte Beschwerden eingegangen. Das Helsinki-Komitee forderte die Zeitung auf, den Titel im Internet zu verändern und eine schriftliche Entschuldigung in der nächsten gedruckten Ausgabe zu veröffentlichen.

Doch der Chefredakteur von "7 Tage Sport", Juliy Moskov, lässt jegliche Kritik an sich abperlen. Der Titel sei gar nicht rassistisch, behauptete er gegenüber den Medien. "Das Wort ("Nigger") sei unpassend, weil es sich dabei um Straßensprache handelt", sagte Moskov und bedauerte, Leser dadurch beleidigt zu haben. Dennoch sehe er darin nichts Rassistisches oder Intolerantes.

Ein Fall für das Gericht

"Es ist eine rassistisch motivierte Beleidigung. Der Titel vermittelt Verachtung, Hass und Intoleranz", betont Krassimir Kanev, Vorsitzender des Bulgarischen Helsinki-Komitees für Menschenrechte (BHK) im Gespräch mit der DEUTSCHEN WELLE. "Soll das die Art sein, wie man Menschen willkommen heißt, noch bevor sie einen Fuß auf bulgarischen Boden gesetzt haben?", fragt Kanev. Die beiden afrikanischen Spieler aus Kamerun und Mali "Nigger" zu nennen sei unvorstellbar für eine demokratische Gesellschaft. Außerdem stelle sie eine Verletzung des Gesetzes zum Schutz vor Diskriminierung dar. Falls sich die Zeitung nicht dafür entschuldigt, müssten sich die Journalisten und Redakteure vor der Kommission für Schutz vor Diskriminierung verantworten, moniert Kanev.

Der Titel widerspreche nicht nur der journalistischen Ethik, sondern stifte zu Rassenhass und Diskriminierung an, sind sich auch Vertreter der "Vereinigung europäischer Journalisten – Bulgarien" einig. Sie fordern die Staatsanwaltschaft auf, dem Fall nachzugehen. Denn laut dem Gesetz zum Schutz vor Diskriminierung drohen Geldstrafen bis zu 1000 Euro oder aber ein härteres Strafmaß.

Screenshot der Seite von 7 Tage Sport (Quelle: http://www.7sport.net/archive7ds/2012/01/18/)

Der Skandaltitel ist immer noch in der Onlineausgabe zu finden

"Ich weiß nicht, wie die Staatsanwaltschaft reagieren wird, bin jedoch etwas skeptisch, denn sie ist in der Verfolgung und Bestrafung solcher Verbrechen etwas unerfahren", so Kanev. Außerdem sei die Erfahrung des Helsinki-Komitees in der Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bisher schlecht. "Deshalb glaube ich auch nicht, dass dieses Mal etwas getan wird." Falls die bulgarischen Gerichte den Fall nicht adäquat ahnden, schließt Kanev nicht aus, eine Klage diesbezüglich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einzureichen.

Fragwürdige Hauspolitik

Kritik wegen des Artikels musste auch einer der Autoren, Simeon Kichukov, einstecken. Auf Twitter bekam er den Ärger der User zu spüren. Kichukov erkärte, er würde Rassismus sicher nicht tolerieren, denn einer seiner besten Freunde stamme aus Tansania. Als Autor trage er natürlich eine gewisse Mitverantwortung dafür, aber die Wortwahl im Titel sei eine Entscheidung der Redaktion gewesen. "Die Zeitung hat einfach ihre Hauspolitik und die Journalisten, die dort arbeiten, müssen sie befolgen", schrieb er noch auf Twitter.

Und tatsächlich: Das Wort "Nigger" oder "Neger" wurde oft in der Zeitung "7 Tage Sport" benutzt, wenn man über schwarze Sportler berichtet hatte. Zum ersten Mal "erlaubten" sich die Redakteure diese Wörter aber auf der Titelseite zu veröffentlichen.

Inzwischen wurde der Titel des Internetartikels geändert und lautet "Udinese schickt einen Italiener, einen Kameruner, einen Schweden und einen Malier nach Sofia". Doch im Internetarchiv der Zeitung ist der Skandaltitel immer noch zu lesen.

Autor: Blagorodna Grigorova / Viktoria Ivanova
Redaktion: Alexander Andreev

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