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Fokus Südosteuropa

Hassreden in südosteuropäischen Medien

Hasstiraden, Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile gegen ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheiten prägen oft die Medienlandschaft Südosteuropas. Experten erörtern die Ursachen und Lösungen für diese Probleme.

Mann in Anzug steht hinter Megaphon (Foto: Yuri Arcurs)

Medien als Sprachrohr für Nationalisten missbraucht

Viele Medien greifen die gesellschaftliche Vielfalt an, statt sie zu fördern: Das ist eine beunruhigende Erkenntnis, die viele Experten aus Südosteuropa teilen. Einige Medien entwickeln sich zunehmend zum Sprachrohr von nationalistischen Parteien. "Hate Speech ist sehr gefährlich. Solche fremdenfeindlichen Äußerungen, die in den Medien auftauchen, beeinflussen direkt die Gesellschaft", warnt Ljiljana Zurovac, Leiterin des Presserats in Sarajewo. Die Menschen würden so dazu verleitet, negativ über andere Personen oder Gruppen zu denken. "Dagegen müssen wir hart vorgehen", fordert sie.

Roma im Visier

Roma Kinder auf der Straße (Foto: dpa)

Häufiges Ziel der verbalen Attacken sind Roma

Fremdenfeindliche Äußerungen in den Medien sind nicht nur ein Phänomen in ethnisch gespaltenen Gesellschaften wie in Bosnien-Herzegowina. Auch in ethnisch homogenen Ländern wie Bulgarien tauchten sie auf, sagt Ognjan Zlatev, Direktor des Zentrums für Medienentwicklung in Sofia: "Es ist erstaunlich, dass eine fremdenfeindliche Sprache in den bulgarischen Medien gerade dann aufgetaucht ist, als dieses Phänomen in den anderen Ländern Südosteuropas langsam zurückging." Die nationalistischen Parteien, die 2004/2005 auftauchten, hätten oft auch ihre eigenen Zeitungen, über die sie ihre fremdenfeindlichen Auffassungen verbreiten.

Die Ziele solcher veröffentlichter Hassreden seien in Bulgarien überwiegend Mitglieder der größten Minderheit im Land, hat Zlatev beobachtet: "Wenn Sie bulgarische Zeitungen lesen, werden Sie feststellen, dass die Roma-Minderheit für 90 Prozent aller Verbrechen im Land verantwortlich gemacht wird. So entsteht der Eindruck, dass sie an allen Problemen Schuld sind." Auch gegen die unmittelbaren Nachbarn, Mazedonien und die Türkei, richteten sich die Hassreden. Außerdem würden Artikel gegen lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Minderheiten veröffentlicht.

Gegenmaßnahmen

Männer im Anzug beim Armdrücken (Foto: Fotolia/pressmaster)

Medien als Forum für Abrechnung mit politischen Gegnern

Hassreden richten sich aber nicht nur gegen Minderheiten, sondern auch gegen politische Konkurrenten. Die Eigentümer von Medien sind häufig selbst Akteure in der Politik und nutzen ihren Einfluss, um ihre Gegner zu diffamieren. Hristo Ivanovski ist Redakteur der mazedonischen Zeitung Dnevnik und analysiert: "Das ist ein Phänomen der Spaltung der Medien: Es wird unterschieden zwischen patriotischen und verräterischen Medien." Dabei gehe es um nationale Themen, die die mazedonische Gesellschaft spalten, wie etwa die Frage nach der Änderung des offiziellen Landesnamens.

Die beste Lösung zur Bekämpfung dieser Fremdenfeindlichkeit sehen viele in der aktiven Einbindung der Gesellschaft in die allgemeine Debatte. Der Bulgare Zlatev bietet drei weitere Lösungsansätze: "Eine Strategie ist die Verbesserung der journalistischen Qualifikationen. Eine weitere Lösung ist die Einführung von Standards oder so genannten Benchmarks, wie etwa einem Verhaltenskodex für Journalisten. Jeder Journalist sollte sich an diesen Kodex halten. Und nicht zuletzt: die Schaffung einer wirksamen Selbstregulierung der Medien."

Autorin: Rayna Breuer

Redaktion: Mirjana Dikic / Julia Kuckelkorn

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