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Ruhrpottsprache

Hasse, bisse, kannse: Dem Ruhrpott seine Sprache

"Hömma, hier hamwa kein Dialekt!" – die meisten Menschen aus dem Ruhrgebiet glauben das tatsächlich. Sie meinen sogar Hochdeutsch zu sprechen. Ein bisschen Dialekt ist aber schon mit drin, sagen Sprachwissenschaftler.

Streng "dialektologisch" gesehen sprechen die Menschen im Ruhrgebiet keinen Dialekt. Denn die ursprünglichen plattdeutschen Dialekte sind hier längst ausgestorben. Trotzdem leben Teile davon noch in der heutigen Umgangssprache weiter. Und die weicht mitunter so stark vom Hochdeutschen ab, dass auch Sprachwissenschaftler zugeben müssen, dass es sich hier doch um einen Dialekt handelt.

Ein Radfahrer fährt an einem Kohlekraftwerk bei Gelsenkirchen vorbei

Unklare Herkunft
Über die Entstehung der Sprache im Ruhrgebiet gibt es viele Theorien. So soll hauptsächlich das Polnische die Sprache geprägt haben – mitgebracht von den Einwanderern, die Ende des 19. Jahrhunderts in die Region kamen. Angeblich seien auch viele Elemente durch den Bergbau entstanden, beispielsweise die Wortverkürzungen wie hasse und bisse statt "hast du" und "bist du". Schließlich musste es unter Tage schnell gehen.

Alles Quatsch! Fast alle Abweichungen der Ruhrgebietssprache vom Hochdeutschen sind Relikte aus den alten plattdeutschen Dialekten; so auch die Kasusvertauschung "gib mich mal die Butter". Schon im alten Platt gab es die Unterscheidung zwischen mir und mich nicht.

Wortschatz aus aller Welt
Viele Vokabeln lassen sich ebenfalls auf das Plattdeutsche zurückführen, zum Beispiel Döneken (Witz) oder pöhlen (Fußball spielen). Es gibt einige Ausdrücke, die vom industriellen Erbe der Region zeugen, wie zum Beispiel "Schicht im Schacht" (Schluss!) oder Kumpel (ursprünglich Bergmann, heute: guter Freund).

Förderturm der Zeche Niederberg in Moers bei Sonnenuntergang

Weit weniger Wörter als vermutet sind polnischen Ursprungs: Mottek (Hammer) oder Mattka (Mutter) zählen dazu. Einige Begriffe entstammen ursprünglich dem Jiddischen und sind dann über das Polnische ins Ruhrgebietsdeutsch gekommen: zum Beispiel malochen (arbeiten) oder Schickse (harmloses Schimpfwort für Mädchen).

"Wat sachse?"
Sprechen Sie Englisch? Gut! Denn der "Ruhri" benutzt häufig die auch im Englischen übliche Verlaufsform, wenn er etwas "am machen" ist: Er ist am arbeiten, sie ist am telefonieren, das Kind ist am spielen. Ein weiteres Merkmal des Dialekts ist die Umschreibung des Genitivs nach dem Motto: Warum einfach, wenn man es sich auch schwer machen kann? "Erichs Enkel" klingt für einen Ruhrpottdeutschen irgendwie "etepetete". Besser ist hier: "dem Erich sein Enkel".

Manchmal geht es aber auch kürzer, zum Beispiel: Hömma statt hör mal, gehnwa statt gehen wir oder hasse statt hast du. Diese so genannten zusammengezogenen Wörter stammen aus dem Plattdeutschen, ebenso wie der Gebrauch von wat und dat statt was und das.

Förderturm der Zeche Zollverein in Essen

Eine weitere Faustregel: Die Mehrzahl wird im Ruhrgebiet immer mit -s gebildet. Es heißt also "ich hab die Koffers gepackt", "ich hab die Mädchens Bescheid gesacht" und "hol mal die Tellers ausm Schrank!" Und der Ruhrgebietler hat nachweislich einen Hang zur Verniedlichung, so wird das Pferd gerne mal zum Pferdken und das Haus zum Häusken.

Original im Pott
Gesprochen wird der Ruhrpottslang überall dort, wo es 'Originale' gibt: auf dem Markt, an der Bude, im Taubenschlag – zwischen Akten und Glasfassaden nur ganz selten. Der Ruhrpottmensch kann, wenn er will, ein fast lupenreines Hochdeutsch sprechen. Aber spätestens wenn er vor dem Spoat inne Kiache (vor dem Sport in die Kirche) geht, kann er seine Herkunft nicht verleugnen.

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