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Kultur

Hasen und Eier

Zu Ostern verschenkt man bunte Eier, und die bringt der Osterhase. Das weiß - zumindest in Deutschland - jedes Kind. Seltsam sind häufig nur die Erklärungen der Erwachsenen, wie es zu diesen Bräuchen kam.

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Hasen legen die dickeren Eier

Warum Eier? Sind sie ein uraltes Symbol der Fruchtbarkeit oder schlicht ein bäuerliches Zahlungsmittel aus gar nicht so fernen Zeiten, in denen auf dem Land in Europa kein Geld, sondern Naturalien ausgetauscht wurden? Im Mittelalter ging man zwar viel in die Kirche, aber die sogenannten Sakramente, wie Kommunion oder Beichte, nahm man selten entgegen. Zu Ostern aber musste man. Und für jede Beichte, ähnlich wie bei modernen Dienstleistungen, hatte man dem Pfarrer ein Ei als Dankeschön zu geben.

Noch stärker zum Eier-Verschenken wurde man jedoch durch die sonntäglichen Predigten animiert: Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Ei nicht nur ein Symbol für Fruchtbarkeit, sondern auch für die Auferstehung Christi. Wie das Küken sich aus der steinharten "Geburtskiste" Ei befreit, so ist auch Jesus am zweiten Tag nach seiner Kreuzigung auferstanden. Vor allem im rhetorisch ausschweifenden Barock waren derlei Analogien Allgemeingut. Unzählige erhaltene Predigten dokumentieren das. Das Ei durfte auch nur eine Farbe haben, nämlich rot wie das Blut Jesu. So ist es heute noch in der russisch-orthodoxen Kirche, dort werden ausschließlich rote Eier verschenkt.

Grüne, Gelbe, Rote, Blaue....

Urgründe und Abgründe

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert versuchte man besonders in Deutschland vieles auf vorchristliche Bräuche zurückzuführen. Gerade die geistigen Wegbereiter des Nationalsozialismus wollten überall die alten Germanen wiederentdecken, um eine von "römisch-ausländischen" Elementen befreite ur-deutsche Kultur wiederzuerwecken. Das Problem dabei ist nur: Von dem vielen angeblichen Wissen um die alten Germanen und deren Kultur konnte kaum etwas der modernen Forschung standhalten. "Aber was die Leute glauben wollen, glauben sie auch," meint dazu lachend die Kuratorin des Berliner Museums für europäische Kulturen, Irene Ziehe, im Gespräch mit DW-WORLD.

Noch heute geistert alljährlich die angebliche germanische Fruchtbarkeitsgöttin "Ostara" durch die Medien. Die hat es nie gegeben. Die historische Sprachwissenschaft hat schon vor Jahrzehnten nachgewiesen, wie in der Zeit der Germanenmission, dass althochdeutsche Wort "ostarum", und das altenglische Wort "eastron" für die Morgenröte zum Begriff für die Osterliturgie wurde. Denn an Ostern wird nicht nur Christus als neues Licht gefeiert, die Feiern fanden auch stets frühmorgens bei Sonnenaufgang statt.

Kinderbelustigungen

Ostereier an der Frankfurter Börse

Im 16. Jahrhundert findet man den ersten Bericht (im Saar-Gebiet) über den Kinderglauben, dass Hasen die Eier bringen würden. Warum sich gerade diese Version im Zeitalter der vereinheitlichenden Massenkommunikation durchgesetzt hat, kann niemand seriös erklären. Der französische Kulturhistoriker Philippe Ariès, spricht in seiner "Geschichte der Kindheit" vom 19. Jahrhunderst als dem Zeitalter des Kindes. In vielen Bereichen haben sich seit dem lokal und spontan entstandene Kinder-Bräuche und Geschichten als vorherrschende "Tradition" durchgesetzt. Entsehungslegenden wurden dann später nachgeliefert. Davor gab es ganz verschiedene Arten den Kindern einen Spaß zu bereiten: Im hessischen Fulda ließ man bis 1780 rote Eier am Sonntag vor Ostern vom Hinterteil eines Esels herunterfallen. Bis es die Obrigkeit wegen angeblicher Geschmacklosigkeit verbot.

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