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Wirtschaft

Harte Zeiten für westliche Konzerne in China

Die chinesische Regierung setzt ausländische Firmen unter Druck: Die Büros von Microsoft wurden durchsucht, der Manager von GlaxoSmithKline wurde angeklagt, und deutsche Autobauer sollen Preise manipuliert haben.

Für den China-Experten an der Frankfurt School of Finance & Management Horst Löchel ist das alles keine Anhäufung der Zufälle: "Dinge solcher Dimensionen sind in China selten zufällig. Ich sehe das eher im Zusammenhang mit dieser Kampagne gegen die Korruption."

Prof. Horst Löchel von Frankfurt School of Finance & Management (Foto: Frankfurt School of Finance & Management)

Die Kampagne gegen Korruption breitet sich auf die Wirtschaft aus, glaubt Horst Löchel

Der Kampagne sind bereits mehrere prominente Politiker zum Opfer gefallen. Das, was die multinationalen Unternehmen gerade erleben, sei sozusagen dieselbe Kampagne im Wirtschaftsbereich, glaubt Löchel. Nach dem Motto: Auch in der Wirtschaft soll mit sauberen Methoden gearbeitet werden. "Wobei natürlich für einen Außenstehenden schwierig ist, was sauber und unsauber ist, und welche Anschuldigung nun stimmt und bis zu welchem Grad", sagt Löchel im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Im Falle des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline scheint es handfeste Beweise für ein Bestechungssystem in China zu geben. Bei Microsoft weiß man noch nicht, in welche Richtung die Anschuldigungen gehen könnten. Den deutschen Autoherstellern wird vorgeworfen, ihre Marktposition ausgenutzt und Ersatzteile zu teuer verkauft zu haben.

Missbrauch der Monopolstellung?

"Die chinesische Regierung scheint es als ausgesprochen unfair anzusehen, wenn die Preise in China zusätzlich erhöht werden gegenüber den anderen Staaten und Monopolgewinne eingestrichen werden", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber der DW. Er bestätigt, dass die Produkt-Preise der Autobauer in China tatsächlich höher sind als in anderen Märkten. Um den chinesischen Kartellwächtern den Wind aus den Segeln zu nehmen, haben vor allem die Oberklassen-Hersteller die Preise bereits gesenkt. So gab Audi Ende Juli bekannt, Preise für Ersatzteile in China bis zu 38 Prozent nach unten anzupassen. Also ist doch etwas an den Vorwürfen dran? Horst Löchel lässt das nicht gelten: "Was heiß schon zu teuer verkauft? Was ist der Maßstab? Der Preis kann nur über Angebot und Nachfrage am Markt zustande kommen. Wenn die Automobilkonzerne diese Preise am Markt durchsetzen können, ohne dass unsaubere Dinge im Spiel waren, dann hat das schon seine Richtigkeit."

Ob unsaubere Praxis im Spiel war, darüber entscheiden die Wettbewerbshüter in China. Laut chinesischem Gesetz können Monopolstrafen bis zu zehn Prozent des Umsatzes betragen. Eine umfassende Zusammenarbeit mit der chinesischen Behörde könnte strafmindernd wirken. Das erklärt, warum die betroffenen Unternehmen sofort ihre volle Kooperation bei den Untersuchungen versichern.

Machtposition des chinesischen Marktes

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer (Foto: Imago biky)

VW kann ohne China nicht leben, meint Ferdinand Dudenhöffer

Dass die mächtigen Konzerne in China schnell kleinlaut werden, hat auch mit der Wichtigkeit des chinesischen Marktes zu tun. "China ist für Autobauer wie VW mittlerweile zur existentiellen Frage geworden. VW kann ohne China nicht mehr existieren", sagt Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Das wissen auch die Chinesen. Nun sei die chinesische Regierung dabei, die Weichen für die Zukunft zu stellen, wie sie es für richtig erachte.

Die Zeiten, in denen sich multinationale Konzerne in China eine goldene Nase verdient haben, scheinen nun vorbei zu sein. China-Experte Löchel glaubt aber nicht, dass die Unternehmen in eine China-Falle getappt seien und sich zu sehr abhängig vom chinesischen Markt gemacht hätten: "Es ist natürlich klar, dass China weiterhin ein stark wachsender Markt sein wird. Ich denke, dass die deutschen Unternehmen nach wie vor in China aktiv sein sollten und ihre Aktivitäten eher ausbauen sollten."

Vor der Kampagne gegen die Korruption müssen sich die deutschen Unternehmen nicht fürchten, meint Löchel: "Ich gehe nicht davon aus, dass deutsche Unternehmen da verwickelt sind. Das gehört nicht zu unserem Standard."

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