1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Harte Tage für Airbus

Erst die Absage der A350-Auslieferung, dann Spekulationen um den A380: Für Airbus kommt es gerade knüppeldick. Die Firmenspitze versucht zu beschwichtigen, doch das zeigt kaum Wirkung.

Der Mittwoch dieser Woche war kein guter Tag für einen der beiden führenden Flugzeughersteller der Welt. Völlig überraschend, offenbar auch für das Unternehmen selbst, machte zuerst Qatar Airways einen Rückzieher: Der wichtige Erstkunde für das neue Airbus-Langstreckenflugzeug A350 kündigte zunächst mit einer kryptischen Mitteilung auf seiner Facebook-Seite an, den weltweit ersten A350 nicht, wie erst vor einer Woche verkündet, am Samstag feierlich in Toulouse zu übernehmen. "Die Übernahme ist bis auf Weiteres verschoben", hieß es da, ohne Angabe von Gründen. Die Schockwellen wirken nach, die Airbus-Aktien rutschten nach ihrem Kurseinbruch von zehn Prozent am Vortag um weitere fünf Prozent ab.

Dabei ist Airbus zu Recht stolz darauf, dass das erstmals zum Großteil aus leichten und hochfesten Verbundwerkstoffen bestehende zweistrahlige Flugzeug im Gegensatz zu den meisten anderen Flugzeugprogrammen der letzten Jahre zeitgerecht und ohne Pannen und Verzögerungen bei Zulassung und Erprobung fertig geworden ist.

Hausgemachte Irritationen

"Das Flugzeug steht auf dem Vorfeld, fertig zur Auslieferung, und wir sind zuversichtlich dass die Übernahme durch unseren Kunden Qatar Airways sehr bald stattfinden wird", gab sich Airbus-Chef Tom Enders dann am Mittwochabend auf einem Investorenforum in London optimistisch. Intern ist bei Airbus dagegen deutliches Murren über die Eskapaden des gefürchteten und manchmal selbstherrlich wirkenden Chefs von Qatar Airways, Akbar Al Baker, zu vernehmen. Er hatte im September nur nach monatelanger Hängepartie und kostspieligen Nacharbeiten seine ersten A380 vom Hersteller übernommen. Dabei waren, auch wenn das öffentlich unter den Teppich gekehrt wurde, durchaus auch Produktions- und Qualitätsprobleme in der Airbus-Fertigung offenbar geworden.

Airbus A 350

Hoffnungsträger A 350 bei seinem Erstflug im Juni 2013

Doch nach diesem Tiefschlag von außen löste die Airbus-Unternehmensspitze selbst bei schon erwähntem Investorenforum eine Diskussion über die Zukunft des größten Passagier-Flugzeugs der Welt aus. Da der A380 schon durch ihre Größe stets mehr als andere Flugzeuge im Fokus der Öffentlichkeit steht, beherrschen am Donnerstag Schlagzeilen über das angebliche "Aus für die A380" einige Medien. Dabei hatte Finanzchef Harald Wilhelm nur das Offensichtliche ausgesprochen: In ihrer derzeitigen Form ist der A380 schwer verkäuflich. Und ab 2018 würde sich die Produktion nach seinen Angaben für Airbus nicht mehr rechnen. Für 2015 versprach er den break-even, aber eben nur für die Produktionskosten. Die Entwicklungskosten von rund 20 Milliarden Euro müssen Airbus sowie die beteiligten europäischen Staaten, darunter Deutschland, vermutlich ohnehin abschreiben.

Risiko Großkunde

Um den A380 attraktiver zu machen, etwa mit neuen, sparsameren Triebwerken wie jüngst die anderen Airbus-Typen A320 und A330, müsste der Hersteller viel Geld in die Hand nehmen. Und ob sich das lohnt, weil lediglich Großkunde Emirates dann 60 bis 70 weitere Orders in Aussicht gestellt hat und weitere Bestellungen unsicher sind, ist höchst fraglich. Eigentlich sieht das Design des A380 auch eine verlängerte Version vor, auf die Emirates ebenfalls sehr erpicht ist. Doch dazu gab sich Airbus bisher ebanfalls äußerst schmallippig. Entwarnung kam zumindest von Emirates-Chef Tim Clark. Er sagte gegenüber Reuters, die Airline sei bereit, viel Geld in eine modernisierte Version des A380 zu investieren.

Ohnehin ist es für jeden Hersteller riskant, sich für den Absatz eines Produkts im Wesentlichen auf einen einzigen Kunden verlassen zu müssen. Bereits heute entfallen auf Emirates 140 der bisher nur 318 Festbestellungen für den A380 insgesamt, das sind fast 45 Prozent des gesamten Volumens. Genau 53 A380 betreibt die Fluggesellschaft aus Dubai derzeit schon. Wenn sich Airbus auf eine sogenannte "A380neo"-Variante einlässt mit neuen Triebwerken, deren Entwicklung Rolls-Royce angeboten hat, würde die Abhängigkeit vermutlich nochmals steigen.

Günstige Prognose

Obwohl Airbus auf die neuesten Prognosen der Weltlinienluftfahrtorganisation IATA baut, die für 2015 ein Wachstum des weltweiten Passagieraufkommens von sieben Prozent sehen, sind daraus keineswegs direkt Bestelleingänge für den A380 abzuleiten. Der Markt hat den Wettstreit zwischen Airbus und Boeing derzeit dahingehend entschieden, dass kleinere, sparsame Langstreckenflugzeuge wie die erfolgreiche Boeing 787 und nun auch ihr Konkurrent, der A350, eher gefragt sind. Mit ihnen lassen sich auch Fernstrecken zwischen mittelgroßen Flughäfen profitabel betreiben. Dagegen fällt es den meisten Airlines sehr schwer, die rund 500 Sitze eines A380 zu füllen und dabei noch Gewinne zu erzielen. Emirates mit ihrem extrem starken Drehkreuz in Dubai ist dabei eine nennenswerte Ausnahme. Vielleicht die einzige, zum Leidwesen des A380-Herstellers.