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Kultur

Harte Nuss in Grün

Heute läuft Rudi Völlers Mannschaft zum ersten Mal auf - gegen Saudi-Arabien. Vor dem Spiel gegen Deutschland zeigen sich die Saudis betont selbstbewusst. Die Außenseiter wollen bis ins Achtelfinale vorrücken.

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Warmmachen für die Überraschung

Manche Kommentatoren wollen ihn lächeln gesehen haben. Jedenfalls zuckte es kurz in Rudi Völlers Gesicht, als Saudi-Arabien seiner Mannschaft als erster Gegner zugelost wurde. Die "großen Unbekannten" der Gruppe seien die Saudis, sagte der Teamchef im Anschluss. Die angereisten Fachleute wussten zwar auch nicht mehr über saudischen Fußball, zeigten sich aber weniger zurückhaltend. Wenn man die Saudis bei einer WM nicht schlägt, wen dann, lautete der Tenor.

Bei den Buchmachern sind die Saudis mit einer Quote von 2500:10 die großen Außenseiter der WM. Dabei gehört Saudi-Arabien zu den erfolgreichsten Fußballnationen Asiens: Fünfmal in Folge erreichten die Saudis das Finale des Asien-Cups, nun zum dritten Male in Folge die WM-Endrunde und zuletzt feierte man den Gewinn des begehrten Golf-Cups.

Volksheld Al-Jaber

Und sogar einen richtigen Star hat das Team in seinen Reihen: Kapitän, Spielmacher und Torjäger Sami Al-Jaber (30) durfte als erster Saudi bei einem europäischen Club anheuern. Sein Engagement beim englischen Zweitligisten Wolverhampton Wanderers endete jedoch schon nach nur drei Monaten im beiderseitigen Einverständnis. Al-Jaber sei mit der körperbetonten Spielweise auf der Insel nicht zurechtgekommen, wie zu hören war.

Niederlagen nur an ganz schlechten Tagen

Seinem Status als Volksheld tat dies ebenso wenig Abbruch wie dem demonstrativem Selbstvertrauen der Saudis. Genährt wurde dieses zuletzt durch achtbare Testspielergebnisse: Island und Rumänien wurden besiegt, gegen Brasilien gab es eine ehrenvolle 0:1-Niederlage. Für die WM heißt das Ziel nun Achtelfinale. "Wenn eine der anderen Mannschaften uns besiegen will, muss sie ihren besten Fußball spielen und wir einen ganz schlechten Tag haben“, zeigte sich Delegationsmitglied Prinz Turki bin Khalid sehr selbstbewusst. Der Prinz kennt auch den Garant für den Erfolg – für ihn ist es nicht Al-Jabar, sondern Trainer Nasser Al-Johar. "Er ist unser gefährlichster Mann."

Saudiarabische Vorbereitungen auf die WM

"Sagen Sie, wie haben Sie sich auf die WM vorbereitet?"

Eine Wertschätzung, die saudische National-Trainer nicht unbedingt gewohnt sind. Acht Trainer scheiterten in den letzten sechs Jahren an den überbordenden Erwartungshaltungen. Der brasilianische Star-Trainer Alberto Perreira wurde bei der WM 98 nach zwei Niederlagen gegen Dänemark und den späteren Weltmeister Frankreich sogar noch während der Vorrunde entlassen. Al-Johar selbst musste ebenfalls schon zweimal gehen und galt lange nur als Notnagel, der immer einspringen musste, wenn gerade kein geeigneter ausländischer Trainer für den saudischen Schleudersitz verpflichtet werden konnte. Außerhalb der Landesgrenzen wird die Arbeit des 46-jährigen jedoch durchaus geschätzt. Die Wahl zu Asiens Trainer 2001 konnte er vor Chinas Trainer-Legende Bora Milutinovic für sich entscheiden.

"Deutschland nicht mehr in derselben Liga"

Von allzu großem Respekt gegenüber dem dreimaligen Weltmeister Deutschland ist bei Al-Johar nicht allzu viel zu bemerken: "Wir respektieren die Deutschen, allerdings spielen sie nicht mehr in derselben Liga wie früher. Wir müssen mit dieser Gruppe klarkommen und unsere Außenseiterchance nutzen", lässt er sich zitieren. Körperliche Defizite sollen durch feine Technik ausgeglichen werden, dazu schwören die Saudis auf eine altbewährte Taktik: Mit technisch hochwertigem Ballgeschiebe den Gegner systematisch einlullen, um über Al-Jaber dann den einen entscheidenden Angriff zu setzen - wie bei der WM 94. Die allzu siegessicheren Belgier staunten, verloren 0:1 und Saudi-Arabien stand im Achtelfinale – der bisher größte Erfolg in der saudischen Fußballgeschichte.

Damit die deutsche Mannschaft kein grünes Wunder erlebt, wurde die völlersche Unbekannte Saudi-Arabien natürlich mehrfach beobachtet. Nach dem souverän gewonnenen Golf-Cup bezeichnete Bundestrainer Michael Skibbe Saudi-Arabien als "harte Nuss" – und es ist nicht überliefert, ob in seinem Gesicht dabei etwas gezuckt hätte.

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