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Politik

Harte Aufgabe für Blauhelme im Kongo

Der größte Blauhelmeinsatz in der UNO-Geschichte findet im Kongo statt. Doch die Gewalt gegen Frauen und Kinder, die mitunter gruppenweise verbrannt werden, geht weiter. Eine neue UN-Strategie soll Abhilfe bringen.

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Ein Kindersoldat im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo

Kongo Tote nach Unruhen

Unruhen in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa

In der "Demokratischen Republik Kongo" herrscht nackte Gewalt: Milizen terrorisieren die Zivilbevölkerung, Menschen werden bei lebendigem Leibe verbrannt, Frauen und Kinder vergewaltigt: Laut "Ärzte ohne Grenzen" sind im Osten des Landes seit 2003 monatlich im Schnitt etwa 145 Menschen Opfer sexueller Gewalt geworden. Die UN haben derzeit zwar knapp 16.000 Blauhelm-Soldaten vor Ort, um ein Friedensabkommen zu sichern, das 2003 nach einem fünfjährigen Krieg geschlossen wurde. Aber bislang waren die UN-Truppen mit der Situation völlig überfordert - auch wegen der Unübersichtlichkeit der Konflikte im rohstoffreichen Osten des Landes. In der Provinz Kivu, im Osten des Landes, wollen die Blauhelme nun jedoch härter gegen die Milizen vorgehen

Operation "Falcon Sweep"

UN Soldat in Kongo

UN-Soldat aus Uruguay im Krisengebiet im Ost-Kongo

"Die Angriffe der Rebellen erschüttern nicht unsere Entschlossenheit, Sicherheit für die Bevölkerung herzustellen und die Milizen aus dem Gebiet zu jagen", sagt Thierry Provendiers, der Militärsprecher der UN-Mission im Kongo, MONUC. Seine Entschlossenheit und Zuversicht sind beachtlich - angesichts der dramatischen Lage im Osten des Kongo: Rebellen-Milizen plündern und brandschatzen ungeachtet der Präsenz der MONUC. Das jüngste Massaker: In der Provinz Süd-Kivu überfielen ruandische Rebellen ein Dorf, sperrten 39 Menschen in ihre Hütten und setzen diese in Brand. Die meisten Opfer waren Frauen und ihre Kinder. "Die MONUC kann nicht überall sein und sofort reagieren, weil das Gebiet einfach so riesig ist", erklärt Provendier, "aber wir beweisen jetzt mit unserer Operation "Falcon Sweep" und dem Einsatz vieler Truppen auf dem Gebiet, dass wir unser Aktionsgebiet ausbreiten, um immer mehr Kongolesen zu schützen."

Ziel: Entwaffnung der Rebellen

Unruhen im Kongo, Soldaten am Checkpoint Bukavu

Bisher häufig in der Defensive: Blauhelme sollen "aggressiver" vorgehen

Die Operation "Falcon Sweep" markiere den Eintritt in eine neue, aggressivere Phase des Vorgehens gegen die Rebellen. Rund 400 Blauhelmsoldaten, unterstützt von Kampfhubschraubern und Elitesoldaten aus Pakistan, Guatemala und Bangladesch, sind in Süd-Kivu eingerückt. Ihr dringlichstes Ziel: die Entwaffnung der Milizen im Osten des Landes, damit die Zivilbevölkerung geschützt wird und die Region zur Ruhe kommt. 50 Dollar, Aussicht auf Rehabilitation und einen Job bietet die MONUC jedem, der bereit ist, sich zu entwaffnen. Die Anführer erhalten einen Posten als Oberst oder Hauptmann in der FARDC, Kongos regulärer Regierungsarmee.

Terror gegen die Zivilbevölkerung

Obwohl die Vereinten Nationen mit 16.000 ausländischen Blauhelmsoldaten den größten und teuersten Einsatz ihrer Geschichte unterhalten, sei die Kontrolle des Gebietes enorm schwierig, so Thierry Provendier. In ihren Operationen sind die UN-Blauhelme daher auf die Unterstützung der Zivilbevölkerung angewiesen. Doch die ist zunehmend verängstigt, denn gerade sie ist es, die zur Zielscheibe der Geiselnehmer und Brandschatzer geworden ist.

Anneke van Woudenberg von Human Rights Watch ist gerade zurückgekehrt aus der Demokratischen Republik Kongo. Sie berichtet von einer enormen Verängstigung der Bevölkerung. "Die Rebellen bestrafen vornehmlich Zivilisten, von denen sie annehmen, sie hätten ihren Feinden geholfen. Das ist ein Grund für die zunehmenden Angriffe auf Zivilisten. Der andere Grund ist, die Bevölkerung zu terrorisieren."

Die ersten freien Wahlen

Kindersoldat aus Uganda unterstützt Rebellen im Kongo

Sollen entwaffnet werden: Rebellentruppen in Bunia

Das einzige Mittel, solche Rache-Aktionen auszuschließen, sei eine komplette Entwaffnung der Rebellen, sagt Provendier und setzt dabei auf den politischen Willen der Konfliktparteien. Seine Hoffnung: die ersten demokratischen Wahlen in der Geschichte des Landes. Ursprünglich für Juni angesetzt, wurden diese nunmehr auf nächstes Jahr verschoben.

"Etwa 16.000 Milizionäre sind bereits in der Region Ituri entwaffnet worden", so Provendier, "etwa 2,5 Millionen Wähler haben sich registrieren lassen, um an den freien und demokratischen Wahlen teilzunehmen. Dass wir es in diesem Land schaffen, Waffen gegen Wahlzettel zu tauschen, das ist ein gutes Omen."

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