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Hart wie Stein

Man kann sie als Schmuck tragen oder Häuser daraus bauen. Sie stehen für Festigkeit und Beständigkeit, aber auch für Kälte und Tod. Ob vom kleinsten Sandkorn bis zum größten Gebirge: Steine sind allgegenwärtig.

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Hart wie Stein

Steine sind beständig, sogar das Wort selbst. Denn auch im Mittelhochdeutschen und sogar im Althochdeutschen gab es das Wort „Stein“ bereits. Nicht einmal die Schreibweise hat sich geändert. Ursprünglich bedeutete es „der Harte“. Heute bedeutet es eine ganze Menge mehr. Stein ist die mineralische Erdoberfläche, Stein ist alles Harte, was auf der Erde herumrollt – vom Sandkorn bis zum Felsen. Ein harter Obstkern heißt „Stein“ ebenso wie ein Spielstein, ein Bierkrug oder das sogenannte Konkrement, ein krankhaftes festes Gebilde wie zum Beispiel der Gallenstein. Und dann gibt es natürlich noch den Stein zum Bauen, sei er nun künstlich gebrannt oder aus dem Steinbruch geholt.

Auf die Größe kommt es an 

Ein Felsblock und Geröll (Colourbox )

Vom Block zum Geröll zum …

Den Deutschen wird nachgesagt, sie seien gründlich und nähmen alles sehr genau. Denn die Frage, ob man etwas noch „Sand“ oder schon „Kies“ nennt, ist in Deutschland genormt und geregelt. In der DIN 18196 – DIN steht hier für Deutsche Industrienorm – ist festgelegt, dass ein Sandkorn nur „Sandkorn“ heißen darf, wenn es nicht größer als zwei Millimeter ist. Dann heißt es nämlich „Kies“.

Wenn der Kieselstein größer ist als 63 Millimeter, dann wird er automatisch zum Stein.  Und wenn der zwanzig Zentimeter überschreitet, dann ist es ein Block, mit der Ausnahme, dass runde Steine „Geröll“ heißen. Wer sich also demnächst im Urlaub nicht sicher ist, ob das nun Sand oder Kies ist, was da am Strand liegt, der messe einfach nach! Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass, wenn der Sand all zu fein wird, er nicht mehr „Sand“ heißt. Unter einer Korngröße von 0,63 Millimetern nennt man ihn „Silt“ oder „Schluff“.                       

Festigkeit und Härte

Wer steinreich ist, kann sich vieles leisten – und hat bei manchem ein Stein im Brett In Redensarten, die sich mit Steinen beschäftigen, geht es um Härte, um Wohlstand und um Stabilität – aber auch um Zerstörung. Wer „steinreich“ ist, der ist so wohlhabend, dass er es sich leisten kann, sein Haus aus Stein zu bauen, was natürlich fester und beständiger ist als eine Holz- oder Lehmhütte.

Dagobert Duck inmitten von Goldmünzen. Er hält Scheine mit beiden Händen fest.(picture-alliance/United Archives/IFTN)

Wer steinreich ist, kann sich vieles leisten – und hat bei manchem einen Stein im Brett

Ganz anders sieht das aus beim sprichwörtlichen „steinigen Weg“. Der besteht nicht aus Steinen, sondern dieselben hindern den Gehenden am Vorankommen. Auf einem steinigen Weg sind also Hindernisse zu erwarten.

Wer „jemandem Steine in den Weg legt“, der versucht, das Fortkommen eines anderen zu behindern. Wer bei einer beziehungsweise einem anderen „einen Stein im Brett hat“, der wird gemocht oder bevorzugt. Interessanterweise bedeutete diese heute sehr geläufige Redewendung ursprünglich genau das Gegenteil. Sie stammt aus einem mittelalterlichen Brettspiel namens „Puff“ oder „Tricktrack“. Wer dort bei seinem Gegner einen Stein im Brett hatte, sorgte dafür, dass dieser seinen Spielzug nicht ausführen konnte.

Tote Materie 

Filmausschnitt aus dem film Schneewittchen und die sieben Zwerge: Die böse Stiefmutter hebt einen Kelch mit einem Gifttrank hoch (picture-alliance/United Archives)

Nicht nur in Märchen gibt es Personen, die ein Herz aus Stein haben

Steine stehen aber als Symbol auch für emotionale Kälte und Tod. Wer „mit versteinerter Miene“ umherschaut, der zeigt keinerlei Gefühle. Auch ein „steinernes Herz“ oder „ein Herz aus Stein“ deutet an, dass da jemand ist, der nicht viel Empathie für eine andere Person hat. Das Wort „lapidar“ für „gefühllos“ stammt übrigens vom lateinischen Wort „lapis“ ab, und das heißt – wen wundert’s – „Stein“.

Wer „den Steinen predigt“, der versucht, in gefühllosen Menschen eine Regung hervorzurufen. Vielleicht „weint“ sie oder er dann noch „zum Steinerweichen“. Doch es hilft alles nichts, die „versteinerten“ Zuhörerinnen oder Zuhörer bleiben „kalt wie ein Stein“. So kalt wie ein Grabstein.

Steinerne Redewendungen wie Sand am Meer

Doch es gibt durchaus harmlose, sogar freundliche Redewendungen im Reich der Steine. Ich kann manchmal „wie ein Stein schlafen“ und mich hinterher wunderbar ausgeruht fühlen. Oder ich denke an den „Schotter“ beziehungsweise den „Kies“, den ich bestimmt bald im Lotto gewinne. Wer in einem Projekt einen „Meilenstein“ erreicht hat, der kann sich freuen, etwas geschafft zu haben.

Ein Geschäftsmann im Anzug und mit Krawatte schläft tief und fest auf einem Sofa und hat eine Zeitung über seinem Gesicht ausgebreitet (picture-alliance/dpa/beyond)

Wie ein Stein schlafen kann man in jeder Lage

Manchmal reicht es aber nicht und alle Bemühungen sind „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Da quälen sich alle, schleppen wie der alte Sisyphos den Stein immer wieder den Berg hinauf und plötzlich hat einer eine Idee, die „den Stein ins Rollen bringt“. 

Und auf einmal wird alles anders, „bleibt kein Stein auf dem anderen“. Gut, dass alle so beharrlich waren. Denn bekanntlich „höhlt steter Tropfen den Stein“, wie hart auch immer der gewesen ist.

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