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Asien

Haqqani – Pakistans Lieblings-Islamisten

Die USA werfen Pakistan enge Kontakte zur militanten Haqqani-Gruppe vor. Sie soll für Angriffe auf US-Einrichtungen in Kabul verantwortlich sein. Pakistans Interesse an Haqqani ist groß, sagt Conrad Schetter.

Porträt von Conrad Schetter, Afghanistan-Experte im Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) an der Universität Bonn. (Foto: privat)

Conrad Schetter ist Afghanistan-Experte am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) an der Universität Bonn

DW-WORLD.DE: D as so genannte Haqqani-Netzwerk ist eine militante, terroristisch-islamistische Organisation, die in Afghanistan und Pakistan operiert. Die USA erwähnen es immer öfter im Zusammenhang mit Anschlägen auf amerikanische Einrichtungen in Afghanistan. Haben die Taliban und die Terrorgruppe Al-Kaida in Afghanistan nun einen weiteren Verbündeten?

Conrad Schetter: Das so genannte Haqqani-Netzwerk arbeitet immer wieder mit Al-Kaida und auch mit den Taliban zusammen. Die Beziehungen zwischen den Bewegungen sind fließend. Hinzu kommt, dass es sich bei der Haqqani-Gruppe um eine sehr erfahrene Einheit handelt. Ihr Begründer, Dschalaluddin Haqqani, kämpfte schon gegen die sowjetische Armee in Afghanistan.

Bereits 1980 soll Haqqani diesen Kampf begonnen haben.

Das ist richtig. Damals haben die USA den Kampf der Haqqani-Gruppe gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan unterstützt. Und schon damals war Dschalaluddin Haqqani für Anschläge in Kabul und anderen Zentren des Landes zuständig. Seinen Sitz hatte er in Nord-Waziristan, also im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan. Auch heute befindet sich die Zentrale des Haqqani-Netzwerks in diesem Gebiet. Die Amerikaner wissen, dass die Haqqani-Gruppe durch ihre lange Kampferfahrung mehr als die Taliban und andere Terrororganisationen in der Lage ist, Attentate und Anschläge zu verüben. Sie wissen aber auch um die guten Kontakte des Haqqani-Netzwerkes zum pakistanischen Geheimdienst ISI.

Woher kommen die Kontakte der Haqqani-Gruppe zum pakistanischen Geheimdienst ISI?

Der ISI hat bereits in den 1980er Jahren die Haqqani-Gruppe im Krieg gegen die Rote Armee in Afghanistan unterstützt. Das Haqqani-Netzwerk hat sich seit dieser Zeit als sehr treuer und verlässlicher Partner des ISI in Afghanistan erwiesen. Die pakistanische Regierung unterstützt auch heute für die Durchsetzung ihrer Ziele in Afghanistan die Haqqani-Gruppe.

Welche Ziele verfolgt Pakistans Regierung in Afghanistan?


Pakistan hat mit seinen beiden Nachbarn Afghanistan und Indien Grenzstreitigkeiten. Pakistan möchte auf jeden Fall verhindern, dass in Kabul eine Indien-freundliche Regierung an die Macht kommt. Afghanistan und Indien haben sich traditionell sehr gut verstanden - eine Beziehung, die Pakistan zum Verhängnis werden könnte.

Also hat Pakistan das Ziel, in Afghanistan eine Regierung an die Macht zu bringen, die Islamabad hörig ist. Dabei setzt Pakistan auf mehrere Gruppen in Afghanistan, zum Beispiel auf die Taliban. Die effektivste und treueste ist aber die islamistische Haqqani-Gruppe. Mit einer Islamabad-freundlichen Regierung in Kabul könnte Islamabad auch seinen wirtschaftlichen Zielen in der Region näher kommen. Afghanistan ist für Pakistan das Tor zu Zentralasien. Dies ist eine Region, die sich noch im wirtschaftlichen Neuaufbau befindet und reich an Rohstoffen ist.

Porträt von Dschalaludin Haqqani, Archivfoto von 1998. (Foto: ap)

Dschalaludin Haqqani führt das militante Netzwerk an.


Wenn die Verbindung zwischen Islamabad und der Haqqani-Gruppe so klar ist, welche Chance haben dann die USA, ihren Partner Pakistan dazu zu bringen, solche Terrorgruppen in seinem Land zu bekämpfen?

Die US-Regierung hat mittlerweile ganz klar erkannt, dass Pakistan ein Doppelspiel betreibt. Die pakistanische Regierung geht zwar offiziell gegen die Extremisten in seinem Land vor, lässt aber jene islamistischen Gruppen, die im Sinne Islamabads arbeiten, in Ruhe. Pakistan möchte sich dem Druck aus den USA nicht beugen - zumindest bis jetzt nicht. Pakistan möchte seine eigenen Interessen in der Region nicht kampflos aufgeben. Was nun die US-Regierung konkret gegen Islamabad tun kann, werden vielleicht die nächsten Tage oder Wochen zeigen. Doch eins ist klar: Pakistans Doppelspiel ist aufgeflogen. Die Beziehungen zwischen Islambad und Washington befinden sich auf dem tiefsten Punkt ihrer Geschichte.


Dr. Conrad Schetter ist Afghanistan-Experte am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) an der Universität Bonn.

Das Interview führte Ratbil Shamel

Redaktion: Ana Lehmann