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Europa

Happy End für den Prinz Charles der Downing Street

Länger als Gordon Brown hat in Großbritannien kein Politiker auf Spitzenämter warten müssen. 13 Jahre war Tony Blair Vorsitzender der Labour-Partei, lange war Brown schon die Nachfolge versprochen. Nun ist es soweit.

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Bald darf er rein: Brown vor der Downing Street 10

Der britische Premierminister Tony Blair hat am Sonntag (24.6.) offiziell die Führung der Labour Party an Finanzminister Gordon Brown übergeben. Der scheidende Premier und Ex-Parteichef Blair schüttelte Brown die Hand und sagte, der Partei sei ein "stabiler und geordneter Übergang" geglückt. Der Parteikongress in Manchester war freilich nur die Ouvertüre für den ganz großen Akt: Am Mittwoch wird der neue Labour- Vorsitzende Blair auch als Premierminister ablösen.

Schotte mit Kompass

Großbritannien Gordon Brown

Mit der Ära Blair geht für Brown, der seit 1997 Schatzkanzler war, eine Zeit zu Ende, in der ihn Spötter oft "Prinz Charles der Downing Street" nannten. Dabei gilt er schon lange als Hoffnungsträger. James Gordon Brown, geboren in Glasgow als Sohn eines Pfarrers, ist ein brillanter Workaholic und ein Mann mit Prinzipien. Die Richtung seines politischen Handelns, so erklärte der 56-Jährige als er sich um das Amt des Labour-Vorsitzenden und damit zugleich des Premierministers bewarb, lese er von seinem inneren "moralischen Kompass" ab. Als Grundwerte nannte er "Verantwortungsbewusstsein für sich selbst und Pflichtbewusstsein anderen gegenüber".

Bereits mit 16 Jahren hatte Brown an der Universität von Edinburgh, wo er Geschichte und Politikwissenschaften studierte, zu den Wortführern der Studentenschaft gehört. Dass er wirtschaftlichen Sachverstand mit sozialem Gewissen verband, verschaffte ihm die Anerkennung der Labour-Partei. Nur eines hatte Gordon Brown nie so recht: Charisma. Deshalb bekam seinerzeit Tony Blair als besserer "Stimmenfänger" den Vorzug. Brown überließ ihm die Führung gegen das Versprechen, eines Tages ans Ruder zu dürfen.

"Unerschütterliche Loyalität"

Blair und Brown haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es in der Vergangenheit immer wieder Differenzen zwischen den beiden gab. Allerdings hatte Blair Brown vergangene Woche bei seiner letzten Kabinettssitzung "unerschütterliche Loyalität" zugesichert. Unmittelbar vor der Amtsübergabe des scheidenden britischen Premierministers an seinen Nachfolger hat aber nochmals ein Zeitungsbericht für Unruhe gesorgt: Der "Independent" berichtete am Sonntag unter Berufung auf ein vertrauliches Dokument, Blair habe Brown nach der Parlamentswahl von 2005 entlassen wollen. Blairs Büro erklärte: "Wir kommentieren durchgesickerte Dokumente nicht."

Gordon Brown ist Vorsitzender der Labour-Partei, hier mit Frau Sarah

Gordon Brown und Frau Sarah

Am Mittwoch soll Brown dann auch das Amt des Regierungschefs von Blair übernehmen. In Großbritannien ist der Chef der Regierungspartei traditionell auch Premierminister. Neuwahlen sind nicht notwendig, wenn der Parteichef nach der Hälfte der Legislaturperiode wechselt. Nach der Amtsübernahme bleiben dem 56-jährigen Schotten nur noch wenige Jahre Zeit, bevor er sich 2009 oder 2010 den Wählern stellen muss. Der Anfang war schon mal gut: Kurz vor seiner Wahl zum neuen Labour-Vorsitzenden hat die Partei in Umfragen zum ersten Mal seit acht Monaten die Konservativen überholt. Die Zustimmung zu Labour liege bei 39 Prozent und zu der wichtigsten Oppositionspartei bei 36 Prozent, berichtete der "Observer" am Sonntag. (sams)

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