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Asien

Happy City Sejong

Die Stadt sollte Südkoreas neues politisches Zentrum werden: Die Retortenstadt Sejong sollte die Hauptstadt Seoul entlasten. Dann wechselte die Regierung - und was jetzt mit der Baustelle passieren soll, ist unklar.

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Hier soll eine neue Hauptstadt entstehen

Eine gigantische Baustelle rund 150 km südlich von Seoul – hier soll in wenigen Jahren die modernste, umweltfreundlichste Stadt Koreas entstehen. Noch jedoch findet man Sejong auf keiner Landkarte. Das "no man's land" gleicht einer Mondlandschaft.

Aufgeteilte Hauptstadt?

Sejong Sanghwari

Warten auf die neue Metropole - ein Dorf bei Sejong

Weil fast die Hälfte der Bevölkerung im Großraum Seoul lebt, beschloss die Vorgänger-Regierung die Dezentralisierung des Landes - und wollte rund 200 km südlich von Seoul ein neues administratives Zentrum erbauen. Doch die Zukunft des Megaprojektes ist ungewiss, denn Sejong-City ist längst zum Politikum geworden. 2004 untersagte das Verfassungsgericht die Gründung einer zweiten Hauptstadt. Ein Jahr später rettete das Parlament die Idee durch ein Sondergesetz, um zumindest einen Teil der Ministerien zu verlagern. Aber seit der Machtübernahme des neuen Präsidenten Lee Myung Bak ist das Projekt wieder in Gefahr. "Wir finden den Vorschlag ineffizient", sagt Regierungssprecherin Yoon Sun, "Deutschland hat mit so etwas eigene Erfahrungen gesammelt - mit Bonn und dem geteilten Berlin. Außerdem gibt es bisher keine Pläne, um Gewerbegebiete anzusiedeln. Es ist auch nicht vorgesehen, neue Arbeitsplätze innerhalb der Stadt zu schaffen. Sejong wird zu einer reinen Schlafstadt, und das kann nicht das Ziel sein." Aus Deutschland gab es bereits prominente Unterstützung gegen einen Umzug nach Sejong. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder warnte bei einem Besuch vor den Schwierigkeiten, die eine Verteilung der Verwaltungseinheiten auf zwei Städte mit sich bringen könnte.

Grün und glücklich?

Sejong Modell

Zumindest als Modell gibt es die neue Haupotstadt Sejong bereits

Das Modell für die neue Stadt stammt von dem spanischen Architekten Andrés Perea Ortega, der unter 150 Teilnehmern den Ersten Preis für seine futuristische, grüne Hochhausoase gewann. Weil in Sejong der weltweit geringste CO2 – Ausstoß erreicht werden soll, erfand man kurzerhand die Beinamen "Green City" und "Happy City". Momentan stehen die Baukräne in Sejong still, und auch die Evakuierung der noch ansässigen Bewohner geht nicht voran. Im kleinen Gemeinderaum von Sanghwari treffen sich ein Dutzend Dorffrauen zum Kartenspielen. "Die Verwaltung hat uns versprochen, eine neue Stadt zu bauen", sagen sie. "Sogar unsere Häuser haben wir schon verkauft, und plötzlich wurde der Plan geändert."

Sejong Landschaft

Wo die neue Hauptstadt entstehen soll, sind bis jetzt Felder und Wiesen

Die Regierungspartei möchte nun erst einmal eine offene Debatte zwischen Fachleuten und der Bevölkerung ins Leben rufen. Im Januar soll das koreanische Parlament entscheiden, ob nach den ursprünglichen Plänen weiter gebaut werden kann. Die Befürworter von Sejong werden es schwer haben. Denn in der aufgeheizten Debatte geht es längst um mehr. Es geht auch um die schwierige Frage nach dem Verhältnis zu Nordkorea, die das Land seit jeher polarisiert. "Wir wollen den Plan auch deshalb verändern, weil wir an den Tag denken sollten, an dem Korea wiedervereinigt wird", erklärt Regierungssprecherin Yoon Sun. "Ein Umzug der Hauptstadt in den südlichen Teil der Halbinsel ist kein gutes Zeichen für die Zukunft. Wir brauchen Seoul als Hauptstadt."

Autorinnen: Eva John und Romy Strassenburg
Redaktion: Mathias Bölinger