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Reise

Hanse und Nobelpreise

In Lübeck kann man eintauchen in die Zeiten der Hanse - oder aber sich auf die Spuren von gleich drei deutschen Nobelpreisträgern begeben. Zur Belohnung gibt es dann Lübecks Spezialität - etwas sehr, sehr Süßes.

Schlagartig fühlt man sich in der Lübecker Altstadt in das späte Mittelalter versetzt. Die Straßen und Gassen sind mit Kopfstein gepflastert, die Giebelhäuser aus rotem Backstein gebaut und mit Klinkern verziert, die Kirchtürme scheinen bis in den Himmel zu ragen. Überall zweigen kleine Gänge und Hofanlagen ab, deren Erkundung allein schon ein Erlebnis ist.

Lübeck - in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut - ist heute eine der am besten bewahrten historischen Städte in Deutschland. Das massive, ziegelrote Holstentor ist eines der bekannsten Bauwerke Deutschlands überhaupt. 1987 wurde die Lübecker Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Luftbild Lübecker Altstadt (Foto: dpa)

Umgeben von Wasser: die Lübecker Altstadt

Der internationale Handel hat hier eine lange Geschichte. 1358 schloss sich Lübeck mit anderen norddeutschen Handelsstädten zu einem Wirtschaftsbund, der sogenannten Hanse, zusammen. Bald dominierten die 150 Hansestädte den gesamten Ost- und Nordseehandel - und das anderthalb Jahrhunderte lang. Lübeck übernahm dabei als die "Königin der Hanse" die Führung des Bundes und war damit die wichtigste Stadt Norddeutschlands.

Stadt der Nobelpreisträger

Fussgänger passieren das Buddenbrookhaus in Lübeck. (Foto: AP)

Hier spielt ein Weltroman

Neben den baulichen Zeugnissen der großen Bedeutung von einst kann Lübeck heute mit literarischer Größe glänzen. Wie etwa mit dem "Buddenbrookhaus". So heißt das alte Bürgerpalais, seit Thomas Mann 1929 für seinen Roman über den langsamen Untergang der Lübecker Familie "Buddenbrooks" den Nobelpreis für Literatur erhielt. Neben den angrenzenden roten Backsteinhäusern fällt es sofort ins Auge - genau hier spielen große Teile des Weltromans. Das hat den Lübeckern lange missfallen, weil sich bei Thomas Mann manche Zeitgenossen nicht besonders positiv porträtiert wiederfanden. Doch das ist längst vorbei. Thomas Mann ist natürlich Ehrenbürger der Stadt und das 1758 erbaute Geburtshaus des Erzählers ein absoluter Besuchermagnet. Heute befindet sich hier ein Museum, das an Leben und Werk der Brüder Thomas und Heinrich Mann erinnert.

Nur wenige Fußminuten entfernt, in der Glockengießerstraße 21, werden Arbeiten des zweiten Lübecker Literaturnobelpreisträgers gezeigt: Werke von Günter Grass. Wer das Zentrum besucht, kann sich davon überzeugen, dass der Autor der "Blechtrommel" nicht nur schreiben konnte. Im Günter-Grass-Haus sind auch Grafiken und Skulpturen des Schriftstellers zu sehen. Im April 2015 ist Günter Grass gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.

Von Grass zu Brandt

Und auch ein dritter Nobelpreisträger ist eng mit der Stadt verbunden: Alt-Bundeskanzler Willy Brandt wurde 1913 hier geboren. 1971 bekam er für seine neue Ostpolitik den Friedensnobelpreis verliehen. Das 2007 eröffnete Willy-Brandt-Haus erinnert mit einer Dauerausstellung an den charismatischen sozialdemokratischen Politiker. Es liegt direkt um die Ecke vom Günter-Grass-Haus.

Bilder der Nobelpreisträger: Thomas Mann, Willy Brandt und Günter Grass (Montage: DW)

Ausgezeichnet: Thomas Mann, Willy Brandt, Günter Grass (v.l.n.r.)

Lübeck hat trotz der Lage im deutschen Norden an der Ostsee sogar einen eigenen Rotwein - und das ganz ohne Weinberge: Trauben des "Lübecker Rotspon" werden aus dem französischen Bordeaux-Gebiet importiert. In Lübeck wird der junge Wein in Holzfässern gelagert und reift im norddeutschen Klima mit einer besonderen Note heran. Überprüfen kann man das am besten in einem der vielen urigen Weinkeller der Stadt.

Marzipan ist ein Muss

Als Besucher sollte man sich nach einem Stadtrundgang unbedingt in einem der zahlreichen alten Cafés ein Stück Marzipanbrot schmecken lassen. Denn für die Süßigkeit ist Lübeck weltberühmt. Es gibt viele Geschichten über den Ursprung der Spezialität aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser. Manche erzählen, dass während einer Hungersnot den Bäckern das Mehl ausgegangen sei und sie deshalb ein Ersatzbrot aus Mandeln gebacken hätten. Auch wenn es nicht stimmen sollte: Nicht nur in der Weihnachtszeit ist Lübecker Marzipan ein Muss.