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Made in Germany

Hans-Werner Sinn

Raus aus Nadelstreifen und grauem Flanell – rein in den Blaumann. Made in Germany schickt Deutschlands Top-Ökonomen ins Arbeitsleben.

Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung macht den Test auf seine Thesen.

Bei uns dürfen die Experten ihre Analysen und Prognosen einmal an der Wirklichkeit überprüfen. Das Who is Who der Volkswirtschaft macht mit.

Und Sie dürfen abstimmen. Wer ist Deutschlands Volkswirt des Jahres?


Folge 2: Unterwegs mit Hans-Werner Sinn

Auch Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchner Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, macht so den Test auf seine Thesen. Als Autofahrer und als Verkäufer überprüft Professor Sinn seine umstrittene Argumentation, dass sich die deutsche Wirtschaft mehr und mehr zur "Basar-Ökonomie", einem reinen Warenumschlagplatz, entwickelt. Viele Teile werden im Ausland produziert, anschließend in Deutschland zusammengeschraubt und dann mit dem Label "Made in Germany" versehen - das sei gut für die Exportstatistik, aber schlecht für den Arbeitsmarkt, so Sinns Kritik. Durch die zu hohen Lohnkosten in Deutschland verliere Deutschland im Zeitalter der Globalisierung immer mehr Wettbewerbsfähigkeit. Made in Germany hat den Volkswirt als Verkäufer von Produkten "Made in Germany" begleitet. Sein Fazit: Ideen verkaufen ist manchmal doch einfacher.

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Mit dem Porsche Cayenne auf Tour. Für ihn ist der Cayenne DAS Symbol für den Wandel der deutschen Wirtschaft: "Der Wagen wird in Bratislava gebaut. Und die Zulieferer kommen aus Deutschland, die lassen aber selber wieder sonstwo im Ausland produzieren. Das ist ein sehr gutes Beispiel für die Erfolge einer Basar-Ökonomie. Denn der Wagen ist auch wettbewerbsfähig international. Und das wäre ja alles gar nicht möglich, wenn man nicht billig in der Slowakei, in Bratislava halt, produzieren ließe."

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Hans-Werner Sinn hat genug gesehen. Weiter geht's ins Manufactum Warenhaus. Hier versucht sich der Professor heute als Verkäufer. Er will herausfinden, ob überhaupt noch jemand die teuren Produkte made in Germany kaufen will: "Ja, die Käufer, die hier herkommen, die wissen ja, dass sie Qualität kaufen, und das ist größtenteils made in Germany - aber nicht nur. Und ich glaube, da wird man die Leute überzeugen könnnen."

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"Was für ein Stahl das ist - das ist Chrom-Molybden-Stahl. Der ist besonders hart. Der geht so leicht nicht verloren. Den brauchen Sie auch nicht so häufig zu schleifen, sondern - hält ein Leben lang." Gar nicht so einfach, die Produkte - echt made in Germany an die Kunden zu bringen.

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Im Verkauf klappt es nicht so gut. "Ich verkaufe lieber Ideen als Produkte." Von den Kunden könne man viel lernen, das gibt ihm die Chefin noch mit auf den Weg. "Es war mal ein Experiment. Ich glaube, andere können das besser. Aber immerhin, es war eine Erfahrung."

Fazit: Das Gütesiegel "Made in Germany" - es reicht nicht, denn man muss auch verkaufen. Und wenn der Preis nicht stimmt, dann hilft Qualität allein auch nicht mehr weiter.

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Und so hat Hans-Werner Sinn selbst seinen Auftritt erlebt:

DW-TV: Wie war es für Sie 'ins Volk' zu gehen?
Hans-Werner Sinn: Das Verkaufen bei Manufactum - ich glaub' das war mal ein Experiment. Ich glaube, andere können das besser. Aber immerhin - es war mal eine Erfahrung.

DW-TV: Welche Erwartungen hatten Sie vorher?
Hans-Werner Sinn: Mir war es sehr unsicher, was passieren würde. Ich hatte vorher eher gemischte Gefühle.

DW-TV: Was ist für Sie dabei heraus gekommen?
Hans-Werner Sinn: Wenn man selber verkaufen soll, kommt man ins Schwitzen. Weil die Leute nicht angesprochen werden wollen. Viele wollen nicht belästigt werden. Mir geht das umgekehrt ja auch so: Wenn ich in einem Laden bin und ein Verkäufer kommt, dann gehe ich intuitiv weg - ich mag das nicht so. Hier muss man die umgekehrte Rolle spielen. Das ist nicht ganz einfach.

Ich fand es gut, dass man mit den Leuten ins Gespräch kam. Die Kunden, die hier sind, kennen den Laden. Die Kunden sind ja offensichtlich häufiger hier, die kennen die Produkte besser als ich. Wir haben uns ein bisschen ausgetauscht, über das, was es alles an schönen Dingen gibt.

DW-TV: Entdeckungen, die überrascht haben:
Hans-Werner Sinn: Ja, ich hab' den Aspekt entdeckt - dass "made in Germany" nicht alles ist. Selbst in einem solch hochwertigen Laden wie diesem, ist nur ein Teil der Produkte "made in Germany". Die Produkte kommen aus aller Welt. Hochwertige Produkte - je nach Sparte - , natürlich gibt es solche Produkte auch anderswo.

DW-TV: Würden Sie es wieder machen?
Hans-Werner Sinn: Ich hab' es nicht bereut. Es war witzig. Und: Ich hätte es auch gemacht, wenn ich schon vorher gewusst hätte, wie das alles abläuft.

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