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Bücher

Hanns Zischler als Märchenerzähler

Er ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler: Hanns Zischler hat mit Steven Spielberg, Claude Chabrol oder Wim Wenders gedreht. Aber er ist auch Schriftsteller und hat jetzt ein Märchenbuch geschrieben.

Porträtaufnahme des Schauspielers Hanns Zischler (Foto: Henrik Jordan)

Hanns Zischler

"Lady Earl Grey" ist eine Maus. Sie ist die Heldin in Hanns Zischlers Märchenbuch für Erwachsene. Zischler spricht mit seiner Maus über Bücher, die Vögel und alles, was klein ist. Wenn dieses vielschichtige Büchlein eine Moral hat, dann diese: "Wir sollten das Geringe nicht gering achten", sagt Hanns Zischler.

Ein Plädoyer für das Kleine von einem ganz Großen: Zischler ist einer der meistbeschäftigten Schauspieler Deutschlands. Er hat knapp 200 Film- und Fernsehrollen gespielt. Was ihn für viele Regisseure so attraktiv macht: Hanns Zischler braucht nur wenig Worte. Man versteht ihn auch so. Es reicht, wie er guckt. Ein schweigsames Gesicht, das auch Steven Spielberg so fasziniert hat, dass er Hanns Zischler engagierte, einen Mossad-Agenten zu spielen in "München", dem Spielfilm über das Attentat bei den Olympischen Spielen 1972.

Illustration von Hanno Rink zum Märchenbuch Lady Earl Grey von Hanns Zischler (Copyright: Arche Literatur Verlag)

Illustration aus Hanns Zischlers Märchenbuch "Lady Earl Grey"

Zischler ist Champions League

Zischler ist einer derjenigen, die international ganz oben mitspielen. Etwa auch in der schwedischen Krimiserie "Kommissar Beck". Er hat mit Wim Wenders gearbeitet, mit Claude Chabrol und mit fast allen Regisseuren, die in Deutschland Rang und Namen haben. Dennoch ist Hanns Zischler nicht berühmt, jedenfalls nicht in dem Sinn, dass er viel PR-Wind um sich machte. Eine große deutsche Tageszeitung fragte einst in einer Überschrift: "Hans wer? ... Ach der?" Zischler ist bis heute vor allem bei Filmkennern geachtet. Deren Anerkennung reiche ihm, sagt er.

Doch die Schauspielerei ist nur eine von vielen Facetten des Hanns Zischler. Er ist Fotograf, Sprecher, Übersetzer und Dichter. Die Frage, wie er all das zusammen bekommt, kann er offenbar nicht mehr ertragen. Er nippt an einer Tasse schwarzen Tees in seiner Wohnküche im Berliner Westend. Er fragt zurück, warum alles, was einer tut, in eine einzige Schublade passen müsse. "Es ist eine Qualität, Unverbundenes für sich gelten zu lassen. Diese Fähigkeit muss man bei sich entwickeln." Zischler spricht druckreif und scheut sich nicht, philosophische Höhen zu erklimmen, während er die Gedanken beim Reden allmählich verfertigt. "Vieles misslingt. Das Misslingen ist ein produktiver Umweg, weil ich da inne halten muss und nachdenken kann."

Kein Dampfplauderer in eigener Sache

Hanns Zischler gibt vergleichsweise wenig Interviews. Er will nicht die immer gleichen Fragen beantworten. Er will niemandem begegnen, der ihm unvorbereitet die Zeit stiehlt. Er hat aber Spaß, nach alten deutschen Wörtern zu suchen, die in Vergessenheit geraten: "Kruscht" etwa. Oder "Fidibus".

Ein Buch voller Herzenswärme

Lady Earl Grey, sein Märchen für Erwachsene, will nicht populär oder hip sein - und berührt gerade deswegen. Die Story: Ein Buchliebhaber ist auf dem Weg in die Bibliothek. Auf der Treppe wird er aufgehalten, von jener Maus, die ihn nicht mehr gehen lässt. "Lady Earl Grey" hat eine große Klappe. Hinter ihrer Redegewandtheit steckt aber blanke Not: Denn die Maus hat ihr Zuhause verloren. Wird der Mann, der mit Mäusen reden kann, ihr helfen?

"Es gibt nicht die eine Moral von der Geschicht", warnt Hanns Zischler vor einer zu eindeutigen Interpretation. Aber "Demut ist eine erstrebenswerte Tugend." Dann bekennt er, Vegetarier zu sein und nur manchmal Ausnahmen zu machen. Das überrascht dann doch, dies von einem zu hören, der durch und durch bürgerlich wirkt und wohl auch wirken will: "Ich habe noch nie Jeans getragen; das ist für mich Sträflingskleidung".

Ganz selten isst er Wild. "Aber von dem, was in der Fleischproduktion uns ins Haus oder in die Supermärkte geschüttet wird, esse ich nichts." Das findet er "ekelhaft, nicht auszuhalten, grauenhaft." Das dürfe man nicht mitmachen, sagt er und setzt noch einen drauf: "Don't eat meat, heißt die Formel, ja!"

Hanns Zischler: Lady Earl Grey. Erstausgabe. Mit farbigen Pinselzeichnungen von Hanno Rink. Arche Literatur Verlag. 64 Seiten. 14,95 Euro.

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