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Aktuell Nahost

Hannibal al-Gaddafi im Libanon entführt

Im Libanon ist ein Sohn des früheren libyschen Machthabers Gaddafi von einer bewaffneten Gruppe kurzzeitig entführt worden. Die Forderungen der Kidnapper waren höchst ungewöhnlich.

Hannibal Gaddafi im Jahr 2005 (Foto: Getty)

Hannibal Gaddafi im Jahr 2005

Hannibal al-Gaddafi, Sohn des 2011 getöteten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, ist während eines Aufenthalts im Libanon "von einer bewaffneten Gruppe" verschleppt worden. Dies verlautete aus Sicherheitskreisen. Einige Stunden später sei er freigelassen worden. Die Gruppe habe Informationen zum Schicksal eines in Libyen verschwundenen schiitischen Geistlichen verlangt. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden, hieß es weiter. Die Polizei wolle Gaddafi befragen.

Der libanesische Privatsender Al-Dschadid hatte am Freitagabend ein Video von Hannibal al-Gaddafi gezeigt. Obwohl die Augen des Entführten in dem Video blau geschlagen waren, erklärte er, dass er "gesund, glücklich und entspannt" sei. Er appellierte an "alle, die Beweise im Fall Mussa Sadr haben, sie ohne Zögern zu präsentieren". Damit bezog er sich auf den Chef des Obersten Rats der libanesischen Schiiten, der 1978 in Libyen verschwunden war.

Die Familie Gaddafi war wegen des Vorfalls im Libanon lange Zeit geächtet. Vor allem die Schiiten machten die Herrscherfamilie für Sadrs Verschwinden verantwortlich. Der frühere libysche Gesandte bei der Arabischen Liga, Abdel Moneim al-Honi, sagte der arabischen Zeitung "Al-Hajat" im Jahr 2011, es habe den Befehl gegeben, Sadr während eines Besuchs in Libyen zu töten. Die Leiche des Schiitenführers sei in der südlichen Region Sabha vergraben worden.

Der Geschäftsmann Hannibal al-Gaddafi ist mit der Libanesin Aline Skaf verheiratet. Vor dem Tod seines Vaters bei einem Aufstand im Zuge des Arabischen Frühlings floh er wie sein Bruder Mohammed und seine Schwester Aisha zunächst nach Algerien.

Im Juli 2008 hatte die vorübergehende Festnahme von Hannibal al-Gaddafi und seiner Frau in Genf zu einem diplomatischen Konflikt mit der Schweiz geführt. Die Schweizer Justiz warf dem Paar Gewalt gegen zwei Dienstmädchen vor, legte den Fall dann aber zu den Akten.

stu/wl (afp, dpa)

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