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Kultur

Handys und tausendjährige Ruhe

Seit über 1000 Jahren gilt der Berg Athos als zeitloses Refugium mönchischer Weltentsagung. Doch auch hier zieht in den letzten Jahren zunehmend die Moderne ein.

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Die Hüter des Gartens der Mutter Gottes



Schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten sollen sich Mönche, zumeist Eremiten, hierher zurückgezogen haben – auf die westlichste der drei nordgriechischen Chalkidiki-Halbinseln. Vor über 1000 Jahren entstand die Mönchsrepublik Athos. Das erste Kloster, die große Lavra, errichtete im 10. Jahrhundert der Heilige Athanassios, unter anderem mit der Unterstützung byzantinischer Kaiser. In den darauffolgenden Jahrhunderten folgten weitere Klostergründungen, oft entlang der Küste.

Sie überlebten die plündernden Kreuzfahrer des 13. Jahrhunderts. Sie überlebten die jahrhundertelange Herrschaft der Türken. Dort bewahrten die griechischen, serbischen, bulgarischen und rumänischen Athos-Klöster den Glauben und die Kultur ihrer Völker, die unter dem "osmanischen Joch" zu leiden hatten. Die Mönchsrepublik überlebte auch die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und den folgenden Bürgerkrieg.

Es geht wieder aufwärts

Vor 30 Jahren schien es dennoch, als stehe die Mönchsrepublik vor dem Aus. Der Nachwuchs aus den kommunistischen Ländern Osteuropas blieb aus, die Athos-Klöster drohten zu verfallen.

Seit dem Untergang des Ostblocks geht es in den Klöstern rund um den 2033 Meter hohen Berg Athos wieder aufwärts. Es kommen viele junge Mönche: Griechen, Russen, Ukrainern, Serben, Bulgaren und Rumänen. Inzwischen haben sogar mehrere Dutzend Menschen aus traditionell nicht-orthodoxen Ländern den Weg zur Mönchsrepublik gefunden, darunter auch Deutsche.

Insgesamt leben derzeit 2500 Mönche auf dem Berg Athos - Tendenz steigend. Mit Unterstützung der Europäischen Union werden die Jahrhunderte alten Klöster restauriert – und der Tourismus blüht. Neben dem fünfstündigen Gebet arbeiteten die Mönche früher tagsüber als Imker, Bauern, Weingärtner, Bäcker, Übersetzer oder Autoren von Büchern. Heute betreiben sie einige kleine Geschäfte und verkaufen Ikonen und Weihrauch, Kerzen aus Bienenwachs oder CDs mit Kirchenmusik.

Mit den Autos kam die Unruhe

Kloster auf Berg Athos

Das Kloster Iviron, eines der ältesten auf Athos

Tatsächlich hat sich der Charakter des Athos in den vergangenen Jahren sehr verändert. Über Jahrhunderte pilgerten die Menschen zu Fuß oder auf dem Rücken eines Esels von Kloster zu Kloster.

Neuerdings kann sich jeder mit einem Kleinbus oder einem Geländewagen chauffieren lassen. Die EU meinte es gut und ließ auf dem Athos Straßen bauen. Mit den Autos kam die Unruhe. Neuerdings klingeln die Mobiltelefone, fast alle Klöster haben inzwischen einen Stromanschluss.

Visazwang für die Mönchsrepublik

Vor dem ganz großen Ansturm wissen sich die Mönche durch den Visumszwang für ihre Republik zu schützen. Aber auch das bestehende Besucheraufkommen ist für viele schon schwer mit dem mönchischen Ideal der Abgeschiedenheit zu vereinen.

Im malerischen Fischerdorf Ouranoupolis, zu Deutsch "Himmelsstadt", unmittelbar vor der Athos-Grenze, ist das Visum für die Mönchsrepublik erhältlich. Seit über 17 Jahren lebt und arbeitet die Deutsche Louisa Drosinos in dem Dorf. "Wenn ich die Abgeschiedenheit will, wieso lasse ich so viele Leute rein?", fragt sie sich regelmäßig.

Ihr soll es jedoch recht sein: Mit ihrem griechischen Mann betreibt sie eine Pension und verdient an den Touristen. Sie hat die Mönchsrepublik noch nie betreten. "Das würde ich schon mal gern machen", wie sie sagt – wohlwissend, dass daraus wohl nie etwas werden wird.

Der Garten der Gottesmutter

Für Frauen ist der Zugang zur Mönchsrepublik noch immer strikt untersagt. Nicht einmal weibliche Ziegen werden geduldet, so heißt es. Die Mönche begründen dies nicht mit der Versuchung, sondern mit der Mutter Gottes. An kaum einem anderen Ort der Welt wird Maria so sehr verehrt wie auf Athos. Sie soll ihn auch betreten haben.

Maria, so berichten die Mönche, sei auf einer ihrer Missionsreisen an der Küste des Heiligen Berges gestrandet. Und die heilige Jungfrau soll von der wunderbaren Landschaft und dem üppigen Pflanzenwuchs so begeistert gewesen sein, dass sie den Athos zu ihrem Garten erklärte. Seitdem darf kein weibliches Wesen diesen Garten betreten. So ist es bis zum heutigen Tag.

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