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Wissen & Umwelt

Handyhandschuhe und Twitter-Skirennen

Lauf-Shirts, gespickt mit Sensoren, Outdoor-Jacken mit integrierter Kamera und Skier, die twittern. Braucht man nicht? Doch, meinen Forscher und packen immer mehr elektronisches High-Tech-Allerlei in Sportkleidung.

Bluetooth-Handschuh (Foto: Texsys)

Noch joggen manche "oben ohne" - doch der Brustgurt für die Pulsuhr ist bereits weit verbreitet. Dabei könnte er schon bald wieder out sein. Denn mittlerweile kann der Sensor-Messstreifen für die Pulsmessung direkt in in ein Hemd aus Funktionstextilien integriert werden. Diese Entwicklung des Schweizer Forschungsinstituts CSEM ist nur eine von vielen Neuheiten aus dem Bereich der Elektronik im Freizeitsport.

Atemprofil auf dem Chip speichern

Eine verwandte Entwicklung kommt aus dem Erlanger Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen: Die Forscher haben ins Gewebe eines T-Shirts auf der Höhe von Brust und Bauch so genannte piezoelektrische Bänder eingearbeitet. Sie geben ein elektrisches Signal ab, wenn sie gedehnt werden. Das erlaubt die lückenlose Messung der Atmung, die das Training von Freizeitsportlern unterstützen soll. "Gerade bei Sportarten wie dem Nordic Walking kommt es darauf an, dass man bewusst trainiert und sich nicht überlastet", sagt Fraunhofer-Forscher Christian Hofmann. Die Daten werden auf einem briefmarkengroßen Chip gespeichert, der herausgenommen und mit einem Computer verbunden werden kann. Dann kann der Sportler sein Atemprofil auswerten und das Training optimieren.

Energie aus dem Solar-Badeanzug

Frau, die ein T-Shirt mit integrierten Sensoren trägt(Foto: Fraunhofer IIS)

Dem Sensor-gespickten T-Shirt entgeht nichts

Sensoren aller Art werden ihre Daten schon bald drahtlos an ein Handy übertragen können, das der Sportler irgendwo am Körper trägt. Eine Hürde müssen die Entwickler dazu noch nehmen: Bisher verbraucht der gängige Nahbereichs-Funkstandard namens Bluetooth noch relativ viel Energie. Das macht viele Anwendungen unmöglich. Im Herbst 2010 soll jedoch "Bluetooth Low Energy" marktreif sein und nur rund ein Prozent der Energie benötigen, die Bluetooth-Funksysteme heute verbrauchen. Dann wird es ohne Weiteres möglich sein, die Elektronik in den Textilien oder auf Sportgeräten mit Solarzellen zu versorgen. Kleine Module, kaum größer als eine Büroklammer, können sogar auf die Kleidung genäht werden - der Fantasie der Designer sind keine Grenzen gesetzt.

Twitter-Wettbewerb auf dem Skihang

Die drahtlose Datenübertragung mit geringstem Energieverbrauch soll völlig neue Perspektiven eröffnen. Zum Beispiel sieht die Vision der Firma Antware aus den USA so aus: Sensoren messen etwa, wie lang ein Skifahrer für die Abfahrten in einem Gebiet braucht und ermitteln in Verbindung mit dessen Puls, wie fit der Sportler ist. Der kann dieses Ergebnis nicht nur auf seinem Handy auswerten, sondern direkt von der Piste aus ins Internet stellen. "Wir setzen dabei vor allem auf soziale Netze wie Facebook oder Twitter", meint Geschäftsführer Patrick Coulbourne, der bereits davon träumt, dass sich Gleichgesinnte am Skihang zu spontanen Wettbewerben zusammenfinden.

Snowboarder (Foto: AP)

Eine Jacke, die gelungene Stunts für die Ewigkeit festhält? Gibt's! Nur vor Staunen nicht vergessen, den On-Knopf der integrierten Kamera zu drücken

Video, Telefon und Musik auf der Piste

Skiabfahrten oder Snowboardtricks für die Ewigkeit festzuhalten, daran arbeitet auch die Firma Texsys GmbH aus dem sächsischen Radebeul. Eine Videojacke soll das möglich machen; sie wurde ursprünglich für Sicherheitspersonal entwickelt. Sie hat eine winzige Kamera integriert, die das Video auf einer Karte speichert. Doch das ist nur eine Möglichkeit: "Die Kamera ist zugleich mit dem Mobilfunknetz verbunden; Sie können sie also anrufen und das Video auf Ihrem eigenen Handy betrachten - vorausgesetzt, der Sportler hat Ihnen ein Passwort zugeteilt", berichtet Entwickler Hans-Walter Praas. Apropos Handy: Freisprecheinrichtungen für den Sport sind ebenfalls im Kommen. Sie sind integriert in einen Skihandschuh oder in den Helm. Und wenn in diesen ein Lautsprecher eingebaut wird, kann der Sportler auf der Piste auch gleich Musik hören, die drahtlos von seinem Handy kommt.

Pulsmessung mit dem Ohrstöpsel

Wer beim Joggen Musik hören möchte und dabei ein iPhone oder einen iPod mit Kopfhörer benutzt, der braucht in Zukunft weder Pulsuhr noch Brustgurt. Die Schweizer Forscher von CSEM haben einen Sensor entwickelt, der im Ohrhörer untergebracht wird und den Blutfluss im Ohrläppchen erfasst. Die Herzfrequenz wird daraus direkt in dem Gerät errechnet, aus dem auch die Musik kommt.

Viele Innovationen also, von denen die meisten erst als Prototypen existieren. "Was man von all dem wirklich braucht, ist eine Glaubensfrage", meint Hans-Walter Praas. Dem Telefon am Skihang oder auf der Laufstrecke räumt er jedenfalls gute Chancen ein. Sicher ist soviel: Die Elektronik ist auch im Freizeitsport im Kommen.

Autor: Hellmuth Nordwig
Redaktion: Judith Hartl

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