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Wirtschaft

Handy-Erlaubnis im Flugzeug stößt auf geteiltes Echo

Die EU-Kommission hat den Weg für europaweite Handygespräche im Flugzeug frei gemacht. Doch was in Brüssel als Reform gefeiert wird, stößt nicht bei allen Fluglinien auf Begeisterung.

Mann mit Handy, (Quelle:DPA)

Handygespräch im Flieger - noch eine Ausnahme

Und noch schnell der Handyanruf beim Geschäftspartner – in fast allen Flugzeugen ist er bislang verboten. Noch. Denn die EU-Kommission will das nun ändern. Sie verabschiedete am Montag (7.4.2008) eine Initiative, mit der noch in diesem Jahr das grenzenlose Telefonieren am europäischen Himmel Wirklichkeit werden soll. Telekommunikationskommissarin Viviane Reeding feiert den Vorstoß als großen Wurf für den Verbraucher: Mobilfunk im Flugzeug sei eine "sehr interessante neue Dienstleistung, insbesondere für Geschäftsreisende, die stets und überall erreichbar sein müssen." Die Kommission habe auf Forderungen von Fluggästen und Unternehmen reagiert, erklärte sie. Laut EU-Kommission haben Fluggesellschaften wie etwa Air France, British Midland oder Ryanair vor, den neuen Service direkt anzubieten. Auch einige Mobilfunk-Anbieter stünden schon in den Startlöchern.

Europaweites Genehmigungsverfahren

Handy-Gespräche über den Wolken sind ein vergleichsweise neuer Service. Zu den ersten Anbietern gehört die Fluglinie Emirates Airlines, die ihre Kunden seit März während des Flugs telefonieren lässt. In Deutschland ist das mobile Telefonieren in wenigen, extra dafür ausgestatteten Flugzeugen seit Anfang März erlaubt. In Frankreich laufen umfangreichere Versuche. Solche nationalen Regelungen sollen nun von einem europaweiten Genehmigungsverfahren ersetzt werden, das es Luftlinien möglich macht, an Bord grenzüberschreitend Mobilfunk anzubieten.

EU-Kommissarin Viviane Reding

"Sehr interessante Dienstleistung": EU-Kommissarin Viviane Reding

Zugleich legte die EU-Kommission eine Reihe technischer Vorgaben fest, um die Ausrüstung von Flugzeugen für den Mobilfunkempfang zu vereinheitlichen. Erst durch diese neuen Standards könnten Handy-Gespräche am Himmel zum Massenphänomen werden. Die Regeln sehen vor, dass an Bord des Flugzeugs eine Basisstation installiert werden muss, in deren Netz sich die Handys einloggen. Als Standard wählte die Kommission das 1800-Megahertz-Band, das mit über 90 Prozent aller Mobiltelefone kompatibel sein soll.

Basis-Station an Bord

Die geringe Distanz zwischen Handy und Bord-Basisstation soll einen Handy-Betrieb mit sehr geringer Sendeleistung ermöglichen, um die Sicherheit anderer Geräte im Flugzeug nicht zu gefährden. Fehlt ein solches Nahraum-System, sind technische Störungen möglich, wegen derer Handys etwa in Krankenhäusern verboten sind. Um zu verhindern, dass sich die Handys an Bord in terrestrische Netze einwählen, soll das mobile Telefonieren im Flieger erst oberhalb von 3000 Metern Flughöhe möglich sein. Auch bleibt es der Besatzung erlaubt, aus Sicherheitsgründen das Mobilfunknetz jederzeit abzuschalten. Und bei Starts und Landungen soll es weiter ein Handy-Verbot geben.

Lufthansa, AP

Ohne Lärm an Bord: Die Lufthansa will auf Handy-Gespräche verzichten

Was Kommissarin Reeding als große Reform verkauft, überzeugt nicht alle Unternehmen. "Es gibt keine einheitliche Position in der Branche. Jede Fluglinie entscheidet für sich", sagt ein Sprecher des Airline-Verbandes Barig, dem deutsche und ausländische Gesellschaften angehören. Führende Linien wie British Airways zeigen sich skeptisch. Unklar ist vor allem, wie viel Kommunikation die Kunden an Bord wollen. Der deutsche Branchenführer Lufthansa startete eine Umfrage unter mehreren Tausend Fluggästen. "Es gab ein eindeutiges Votum gegen Handy-Gespräche im Flugzeug", sagt Sprecher Michael Lamberty. Auch Air-Berlin erklärt, die Störungen an Bord seien für die Kunden zu groß. Beide Linien setzen deshalb auf das Internet an Bord, das sie für ebenso praktisch, aber weniger störend halten als Handy-Gespräche. Lamberty betont zudem, dass man auf Langstrecken-Flügen mit fest installierten Apparaten bereits jetzt schon telefonieren könne.

Warnungen vor zu hohen Gebühren

Ob sich die in Brüssel gefeierte Reform in der Praxis durchsetzt, hängt also letztlich davon ab, wie viel Lärm die Europäer an Bord dulden werden. Teilt die Mehrheit der Fluggäste die Meinung der Lufthansa-Kunden, werden Handy-Gespräche im Flugzeug wohl eines der kürzesten Intermezzi der europäischen Luftfahrtgeschichte sein. Das gilt auch für den Fall, dass die Preise für die "himmlischen Gespräche" von Beginn an zu hoch angesetzt werden. Auf die Preisgestaltung in der Luft hat die EU-Kommission - anders als bei den 2007 gesenkten Roaming-Gebühren am Boden - keinen Einfluss. Kommissarin Reding warnt schon jetzt vor überzogenen Kosten. Auch Lufthansa-Sprecher Lamberty ist skeptisch: Handy-Gespräche im Flugzeug würden deutlich teurer als Gespräche am Boden, da die Technik sehr kostspielig sei. "Es stellt sich da schon die Frage, ob sich dieses Angebot wirtschaftlich durchsetzt."

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