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Wirtschaft

Handwerk: Migranten gefragt

Im Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel will das deutsche Handwerk gezielt junge Ausländer ansprechen. Das kündigte Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), am Montag an.

KFZ-Auszubildende werkeln an einem Motor (Foto: Nestor Bachmann)

In Deutschland fehlen Fachkräfte

Knapp eine halbe Million junger Menschen wird derzeit in Handwerksbetrieben in Deutschland ausgebildet. Der Ausländeranteil unter diesen Lehrlingen liegt etwa bei fünf Prozent. Das ist mehr als bei Handel und Industrie und im öffentlichen Dienst. Aber die Zahlen gehen seit etwa 15 Jahren dramatisch zurück. Dabei sind gerade Handwerksbetriebe auf Nachwuchs angewiesen, denn in Deutschland fehlen Fachkräfte.

Werben um junge Migranten

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat begonnen, intensiv um junge Menschen mit Migrantenhintergrund zu werben. "Der Meister der Zukunft ist ein Türke", heißt es im Integrations-Atlas, den der ZDH herausgegeben hat. Dabei geht es nicht nur um türkisch-stämmige Jugendliche, sondern generell um Bürger mit ausländischen Wurzeln. Verbandspräsident Otto Kentzler sagt, die Branche will unbedingt herausfinden, warum das Interesse an einer Lehrstelle bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund so stark nachgelassen hat. Es soll Gespräche mit allen Betroffenen geben: mit der Stadt, mit den Schulen, mit der Agentur für Arbeit, den Handwerkskammern und auch mit den Eltern.

Stadtreiniger in Berlin. Männer in Orange mit Müllwagen (Foto: dpa)

Viele Migranten bleiben ungelernte Arbeitskräfte

Migranten sind in Deutschland sehr häufig als ungelernte Arbeitskräfte tätig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass 40 Prozent aller Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln ohne Ausbildung bleiben. Zum Vergleich: bei deutschen Jugendlichen liegt der Anteil bei 15 Prozent. Das Handwerk will nun vor allem jungen Einwanderern vermitteln, wie wertvoll eine handwerkliche Ausbildung ist. Das deutsche Handwerk, so Verbandspräsident Otto Kentzler, bietet eine Riesenpalette von Berufen. Darüber hinaus sei die Branche in der Lage, gerade junge Menschen mit ausländischen Wurzeln zu integrieren. "Weil es kleine Gruppen sind, in denen sie arbeiten und weil sie dadurch eine wesentlich bessere Chance bekommen, auch in unsere Gesellschaft hinein zu kommen", sagt Kentzler.

Erfahrungen durchweg gut

Dominik Kruchen, selbständiger Zahntechniker in Düsseldorf, bildet in seinem Betrieb seit über 20 Jahren aus. Unter seinen Lehrlingen waren zahlreiche mit ausländischen Wurzeln. Und seine Erfahrungen sind durchweg gut. "Als ich vor 20 Jahren anfing, da hatte ich eine Italienerin, die hat sich kaum unterschieden von ihren deutschen Kollegen", sagt Kruchen. Es folgten Vietnamesen, die besonders durch ihren Fleiß aufgefallen seien. Und zwei Brasilianer hat er ausgebildet, die mittlerweile die Meisterprüfung abgelegt hätten. Derzeit arbeiten zwei junge Griechen in seinem Betrieb.

Friseurmodell: rote Kurzhaarvariante (Foto: AP)

Fingerfertigkeit und gutes Deutsch sind Voraussetzungen für jeden Handwerksberuf

Für manche jungen Menschen mit Migrantenhintergrund ist allerdings die deutsche Sprache der größte Stolperstein auf dem Weg in ihre berufliche Ausbildung. Diese Erfahrung hat auch Rosemarie Titzmann gemacht. Seit 25 Jahren bildet sie im Friseurhandwerk aus. "Gerade die russischen und auch die türkischen Migrantenkinder sind nicht gut in der deutschen Sprache," sagt die Bonner Friseurmeisterin. "Sie sprechen zu Hause wahrscheinlich ihre Muttersprache und können sich dann aus diesem Grund nicht richtig artikulieren. Und sie haben auch ein großes Problem, uns zu verstehen."

Es mangelt manchen jungen Leuten - einheimischen, wie auch jenen mit Migrantenhintergrund - häufig aber nicht nur an der Sprache, sondern auch an der so genannten Ausbildungsreife. Das wird in vielen Umfragen der Handwerkskammern deutlich. Die Betriebe beklagen dann insbesondere Mängel im mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen, bei der Disziplin, bei der Leistungsbereitschaft und Motivation.

Nachwuchsreservoir Schule

Die Hauptschulen in Deutschland sind das Nachwuchsreservoir des Handwerks. Durchschnittlich die Hälfte der jungen Leute auf Hauptschulen hat einen Migrationshintergrund. Vielfach wird kritisiert, dass sie die Jugendlichen nicht genügend auf das Berufsleben vorbereiten. Und das ist auch der Grund für die Handwerksbranche, jetzt intensiv Gespräche mit allen Beteiligten zu suchen - eben auch mit den Schulen.

Autor: Monika Lohmüller

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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