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Deutschlehrer-Info

Handschrift von Schülern wird schlechter

Die Schwierigkeiten von Schülern, mit der Hand zu schreiben, nehmen zu. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Lehrerumfrage. Aber wie gravierend sind die Probleme der Schüler? Und was lässt sich dagegen tun?

Lehrer in Deutschland sind der Meinung, dass Schüler vermehrt Probleme haben, mit der Hand zu schreiben. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die der Deutsche Lehrerverband (DL) gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut e. V. Heroldsberg zwischen Dezember 2014 und März 2015 unter mehr als 2000 Lehrerinnen und Lehrern aus ganz Deutschland durchgeführt hat. Die Ergebnisse wurden am 1. April 2015 im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Nach der Befragung meinen vier Fünftel (79 Prozent) der beteiligten Lehrkräfte von weiterführenden Schulen, die Handschrift ihrer Schülerinnen und Schüler habe sich im Schnitt verschlechtert. 83 Prozent der befragten Grundschullehrkräfte sind der Ansicht, dass die Kompetenzen, die Schüler als Voraussetzung für die Entwicklung der Handschrift mitbringen, in den vergangenen Jahren schlechter geworden sind. Laut Umfrage haben die Hälfte der Jungen (51 Prozent) und ein Drittel der Mädchen (31 Prozent) Probleme mit der Handschrift. Und ein Großteil der Schülerinnen und Schüler würde darunter leiden: Viele Lehrer weiterführender Schulen geben an, dass höchstens 30 Prozent ihrer Schüler 30 Minuten oder länger beschwerdefrei schreiben können.

Die am häufigsten genannte Ursache für schlechtes Schreiben war bei den Grundschullehrern mit 84 Prozent schlechte Feinmotorik und bei den Lehrern weiterführender Schulen mit 69 Prozent mangelndes Interesse. Je nach Schulform in unterschiedlicher Reihenfolge lagen auf den Plätzen zwei und drei der am häufigsten genannten Ursachen die fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation sowie fehlende Übung zu Hause.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, forderte die Kultusminister der Länder auf, das Thema Handschreiben verstärkt in den Blick zu nehmen. Er kritisierte auch die Schulpolitik, die seiner Meinung nach „dem Schreiben und insgesamt der sprachlichen Bildung immer weniger Bedeutung beimisst“. Als Beispiel nannte Kraus den reduzierten Grundwortschatz, die Arbeit mit Lückentexten und Multiple-Choice-Tests sowie die Flut an Kopien, die sich tagtäglich über die Schüler ergieße. Kraus betonte, dass es tendenziell einen Zusammenhang zwischen der Lernleistung von Schülern und der Güte ihrer Handschrift gebe. „Wer gut und versiert schreibt, der prägt sich Geschriebenes besser und konzentrierter ein, er ist intensiver bei der Sache […]“, erklärte Kraus.

Dr. Christian Marquardt, wissenschaftlicher Beirat des Schreibmotorik Instituts, erläuterte mit Blick auf die Ergebnisse der Umfrage: „Wir sehen vermehrt Probleme bei den motorischen Grundkompetenzen der Kinder. Aber auch Probleme, wenn es später darum geht, schneller und flüssiger zu schreiben. Schreibenlernen ist in erster Linie Bewegungslernen, und hier brauchen viele Kinder mehr Unterstützung.“

Auch drei Viertel (74 Prozent) der in der Studie befragten Grundschullehrkräfte forderten als Gegenmaßnahme ein spezielles motorisches Schreibtraining, an den weiterführenden Schulen hätten 67 Prozent der Lehrkräfte gerne mehr Zeit zur Förderung im Unterricht. Kraus schlug vor, die Kinder auch in den Familien wieder früher feinmotorisch zu schulen, zum Beispiel durch Kritzeln, Malen, Kneten und Basteln.


bs/ip (mit epd)

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