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Kultur

Handke nicht preiswürdig?

Eklat um einen der renommiertesten deutschen Literatur-Preise: Der Heinrich-Heine-Preis wird offenbar doch nicht an den umstrittenen österreichischen Schriftsteller Peter Handke vergeben.

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Umstritten: Peter Handke

Knapp eine Woche nach der Bekanntgabe der Nominierung von Peter Handke als diesjährigen Heine-Preisträger ist ein handfester Streit entbrannt. Die drei Ratsfraktion im Düsseldorfer Stadtparlament von SPD, FDP und Grünen verständigten sich darauf, gegen die Auszeichnung Handkes zu stimmen, wie die SPD-Ratsfrau Annette Steller am Dienstag (30.5.2006) sagte. Auch Ratsmitglieder der CDU-Fraktion kündigten ihr Veto an.

Bis jetzt deutet alles darauf ihn, dass die vorgesehene Preisverleihung am 13. Dezember nicht stattfinden wird. Bisher hatte es bei der Preisverleihung keine derartigen Unstimmigkeiten gegeben.

Nicht Handkes literarisches Werk steht im Mittelpunkt der Kritik, sondern das Eintreten des österreichischen Autors mit südosteuropäischen Wurzeln für das serbische Volk und seine Trauerrede am Grab von Serbenführer Slobodan Milosevic.

"Politzensur"

Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin nennt die scharfen Reaktionen auf die Wahl von Peter Handke als neuer Heine-Preisträger "Politzensur". Die meisten, die sich so vehement gegen die Entscheidung für den österreichischen Schriftsteller wenden, hätten dessen Werk noch nicht einmal gelesen, wendet Erwin ein. "Es gibt auch peinliche Entgleisungen. Eine hat der Ministerpräsident sich geleistet."

So hatte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in seiner Trauerrede für Paul Siegel gesagt: "Wir müssen schon den Anfängen währen und dazu gehört auch, dass niemand preiswürdig ist, der den Holocaust relativiert." Ähnlich sieht das auch Gerd Kaiser. Der frühere Rektor der Düsseldorfer Heinrich Heine-Universität war 20 Jahre lang Mitglied der Jury für diesen renommierten internationalen Preis. Kaiser will mit früheren Preisträgern eine gemeinsame Initiative gegen Handke starten. Schließlich solle der Heine-Preis Autoren verliehen werden, die im Sinne Heines die Menschenrechte würdigen. "Einen Autor wie Handke jetzt auszuzeichnen, nachdem er sich hinentwickelt hat zum Sänger des Groß-Serbischen-Reiches, das ist so etwas wie weiße Salbe auf eine Wunde zu schmieren."

Handke: Erst lesen, dann urteilen

Handke selbst wehrte sich gegen die Vorwürfe. Er habe nie die Massaker in den Jugoslawienkriegen 1991 bis 1995 geleugnet, oder verharmlost, geschweige denn gebilligt. Auch er fordert in einem Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Leser auf, seine Stücke und Erzählungen der letzten fünfzehn Jahre genau zu lesen und sich erst dann ein Urteil zu bilden.

Die Schar der Kritiker an der Handke-Nominierung in Heines 150. Todesjahr wächst über die Landesgrenzen hinaus. Immer mehr Politiker und Künstler drängen die Stadt Düsseldorf, die Entscheidung zurück zu ziehen. Allerdings kann Kaiser ein gewisses Verständnis für den Düsseldorfer Bürgermeister aufbringen. "Er hat ein sehr ehrenwertes Argument: Er fürchtet nämlich, dass man der Stadt den Vorwurf der Zensur macht, wenn man nicht der Jury folgt. Das ist ein ehrenwertes Argument, das der Obrigkeit gut ansteht. Aber hier geht es inzwischen um mehr, es geht auch um das Ansehen Düsseldorfs."

Ablehnung im Stadtrat wahrscheinlich

Oberbürgermeister Erwin will an der Entscheidung für Handke festhalten: "Es wird wohl diese Woche schon im Kulturausschuss eine Debatte geben, es wird im Rat dann möglicherweise eine Debatte geben. Was dabei heraus kommt ist sicherlich die Frage, wie frei ist Kultur in Düsseldorf, wie frei ist Kultur in dieser Stadt."

Die SPD-Ratsfraktion plädiert dafür, in diesem Jahr keinen Heine-Preis zu vergeben. Die FDP würde das diesjährige Preisgeld lieber im Geiste des "in der Pariser Matratzengruft armen Heine" an die Deutsche Künstlerhilfe stiften. Den Preis einem anderen Autor verleihen - etwa den diesjährigen Konkurrenten Amos Oz oder Irene Dische - , kommt aus Sicht von CDU und FDP nicht in Frage.

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