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Wirtschaft

Handelsgrenzen nach China werden offener

Eine "tolle Sache": So werten deutsche Exportunternehmen die Möglichkeit, ihre Geschäfte jetzt auch direkt in der chinesischen Währung abwickeln zu können. Denn das könnte dem Handel mit China einen weiteren Schub geben.

Ein Bankangestellter zählt 100-Yuan-Noten in Shanghai (Foto: dapd)

Neue Chancen im Handel mit China

Renminbi-Konten in Deutschland eröffnen - für Firmenkunden der Deutschen Bank und der Commerzbank ist dies jetzt möglich. Die deutschen Unternehmen können so Preisvorteile nutzen, die chinesischen Handelspartner das Währungsrisiko abwälzen. Das Interesse der deutschen Unternehmen an der Eröffnung eines Renminibi-Kontos in Deutschland ist groß. Das berichten deutsche Banken übereinstimmend. "Alle Unternehmen, die mit China in irgendeiner Verbindung stehen, haben jetzt die Möglichkeit, in China direkt in der chinesischen Währung abzurechnen", sagt Ardalan Gharagozlou, Leiter des Währungshandels der Deutschen Bank. "Das ist definitiv ein Schritt zu einer stärkeren Öffnung“, meint Peter Schotthöfer, Leiter des Trade Finance Bereiches der Commerzbank in Shanghai.

Change - Wechselstube der Western Union Bank, Kowloon, Hongkong (Foto: picture alliance/dpa)

Frei konvertierber ist der Yuan Renminbi noch nicht

Frei handelbar ist die Währung damit jedoch noch nicht. Dennoch: "Bei unseren Mitgliedern stößt diese Möglichkeit, das Chinageschäft in Renminbi abwickeln zu können, auf sehr großes Interesse und wird sogar teilweise schon genutzt", sagt Gregor Wolf, Chinaexperte des Verbandes Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Die Erfahrungen mit diesem Instrument seien positiv, für eine umfassende Bewertung sei es jedoch noch zu früh, denn die meisten Geschäftsverträge sähen die Abwicklung in Renminbi noch nicht vor. Sie müssten erst schrittweise umgestellt werden, so Wolf. Das aber werde in den nächsten Monaten wohl zunehmend geschehen. Das erwartet auch die Deutsche Bank: "Für Im- und Exporteure bietet diese Marktöffnung neue Chancen im Außenhandel mit China", meint Ardalan Gharagozlou von der Deutschen Bank.

Vereinfachter Handel

Ein Chinese geht in Peking telefonierend an einem Plakat mit chinesischen Geldscheinen vorbei (Foto: dapd)

Festpreise für chinesische Importeure sollen den Handel weiter beleben

Die neuen Renminbi-Konten vereinfachen den Handel: Deutsche Unternehmen können nun etwa bei ihren chinesischen Handelspartnern Ware bestellen und direkt in der Landeswährung bezahlen, statt wie bisher in US-Dollar oder Euro abrechnen zu müssen. Der chinesische Partner trägt bisher bei Fremdwährungsgeschäften immer das Wechselkursrisiko und muss es entsprechend absichern - was Kosten verursacht, die auf die Exportpreise aufgeschlagen werden. Mit einer Rechnungsstellung in Renminbi verlagert sich das Wechselkursrisiko vom chinesischen auf den deutschen Handelspartner. Die Folge: Chinesische Exporteure können günstiger anbieten. "Deutsche Importunternehmen können dadurch von günstigeren Preisen profitieren", erklärt Angela Koll, Spezialistin der Abteilung Vertriebsstrategie Internationales Geschäft für Firmenkunden der Commerzbank.

Umgekehrt können die deutschen Exporteure ihren chinesischen Kunden jetzt auch Festpreise in Renminbi anbieten. Das Währungsrisiko können sie wie bisher absichern - etwa über ein Devisentermingeschäft. Eine bessere Positionierung für Import- und Exportunternehmen im chinesischen Markt sei denkbar, heißt es bei der Commerzbank. Voraussetzung für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in Renminbi sei jedoch, dass den Transaktionen in der Regel Handelsgeschäfte zugrunde liegen. "Wir raten unseren Kunden, ein Renminbi-Konto zu eröffnen, wenn sie schon Handel mit China treiben oder diesen bald aufnehmen wollen", sagt Währungsexperte Gharagozlou von der Deutschen Bank. Erfahrung im Außenhandel in Fremdwährungen hätten die deutschen Unternehmen ja in vielfältiger Weise. Davon könnten sie nun profitieren.

China zeigt damit, dass es seine Außenhandelsgeschäfte stärker liberalisiert. Die deutschen Firmenkunden werten das als Schritt zu einer stärkeren Öffnung. Aber der Weg zu einer frei konvertiblen Währung sei noch lang.

Autorin: Brigitte Scholtes
Redaktion: Rolf Wenkel