Handelsblatt: Neue Kosten durch den Brexit | Wirtschaft | DW | 04.01.2018
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Außenwirtschaft

Handelsblatt: Neue Kosten durch den Brexit

Es wird teuer für die deutsche Wirtschaft, wenn Großbritannien aus der EU austritt. Zusätzliche Zollkontrollen kommen auf die Unternehmen zu - daran würde ein weitreichendes Handelsabkommen nichts ändern.

Auf die deutsche Wirtschaft kommen einem Medienbericht zufolge hohe Belastungen durch den EU-Austritt Großbritanniens zu. "Selbst im besten Fall eines sehr weitgehenden Freihandelsabkommens wird es zwischen Großbritannien und Deutschland wieder Zollkontrollen geben", zitiert das "Handelsblatt" aus einem Papier des Bundesfinanzministeriums. Der Grund: Die Waren, die in den EU-Binnenmarkt kommen, müssen identifiziert werden. "Das heißt für die Unternehmen auch, dass sie ihre Ein- und Ausfuhren anmelden müssen." Allein die Einfuhren aus Großbritannien werden demnach zu 2,7 Millionen zusätzlichen Zollanmeldungen führen. Da sei allerdings eine grobe Schätzung. Schließlich gebe es aufgrund des bisher freien Warenverkehrs im EU-Binnenmarkt wenige Daten.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht früheren Berechnungen zufolge davon aus, dass für den Handel mit Großbritannien 15 Millionen neue Zollpapiere - Zollanmeldungen und Präferenznachweise - bei deutschen Unternehmen erforderlich sein werden. Das dürfte bei den Unternehmen jährlich zu Verwaltungskosten führen, die der DIHK auf 200 Millionen Euro jährlich beziffert.

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Nach dem Brexit: Einschränkungen beim Handel

"Echten freien Warenhandel gibt es nur im Binnenmarkt", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. "Nach dem Brexit wird der Aufwand für den bilateralen Handel mit Großbritannien deshalb auf jeden Fall zunehmen - egal ob in einem Freihandelsabkommen oder nur nach Regeln der WTO." Würden sich Brüssel und London nur auf die Regeln der Welthandelsorganisation einigen, würden auch Zölle erhoben. "Allein im Automobilsektor drohen über zwei Milliarden Euro zusätzliche Zollkosten", sagt Schweitzer.

Kostspielige Alternativen

Aber auch die Alternativen sind kostspielig. Sollten die EU und Großbritannien ein weitgehendes Freihandelsabkommen schließen, müssten die Unternehmen einen Ursprungsnachweis für ihre Waren vorlegen, um Zölle zu vermeiden. Kosten: weitere 300 Millionen Euro, zusätzlich zu den 200 Millionen für die Anmeldungen beim Zoll.

Außerdem wirke das Verhalten der Londoner Regierung auf viele betroffene Unternehmen schwer kalkulierbar, schreibt das "Handelsblatt". Grund seien Unberechenbarkeiten in den Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien. "Nachdem der bisherige Brexit-Prozess schon höchst unbefriedigend verlief", sagt Holger Bringmann, der Chef des Außenhandelsverbandes BGA, "dürften die Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen mit Großbritannien mit Sicherheit mindestens genauso schwierig werden."

ul/hb (Handelsblatt, rtr)

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