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Kultur

Handeln mit Nobelpreisträgern

Wer wird der nächste Nobelpreisträger? Die Frankfurter Goethe-Universität weiß vielleicht mehr. Mit einem virtuellen Börsenspiel wollen Wissenschaftler die Preisträger vorhersagen.

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Erst ein Spiel und dann die Preise

Die Nobelpreis-Aktie des ehemaligen UN-Waffeninspekteurs Hans Blix steht zurzeit hoch im Kurs. In Helmut Kohl dagegen investiert niemand mehr: Kaum noch ein Anleger der "Nobelpreisbörse" im Internet vertraut darauf, dass der jedes Jahr erneut vorgeschlagene Ex-Kanzler in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhalten wird.

Kandidaten wie Aktien handeln

Alfred Nobel

Alfred Nobel wurde durch die Entwicklung des Dynamits zu gefeierten Chemiker

Bei der Börse handelt es sich um ein wissenschaftliches Experiment der Universität Frankfurt am Main, das für die Mitspieler wie ein konventionelles Börsenspiel abläuft. Jeder Teilnehmer erhält ein Startkapital von 10.000 virtuellen Euro. Damit handelt er Aktien derjenigen Kandidaten, die seiner Meinung nach in diesem Jahr die begehrten Preise verliehen bekommen. Vorgeschlagene Aktien, also Namen von Forschern, die als künftige Nobelpreisträger gehandelt werden sollen, müssen zunächst eine Vorverkaufsphase mit einem Startpreis von 10 Euro durchlaufen. Erreicht ein Kandidat innerhalb einer Woche nicht den Wert von 100.000 Euro, wird er wieder vom Markt genommen. So will man unseriöse Vorschläge herausfiltern. Der Handel endet jeweils um 18.00 Uhr MESZ am Tag vor der Bekanntgabe eines Nobelpreisträgers.

Ziel der ganzen Aktion: Mindestens einen Preisträger korrekt prognostizieren. Virtuelle Börsen eignen sich generell als Vorhersageinstrumente, da im Marktpreis alle im Markt zur Verfügung stehenden Informationen zusammenfaßt sind. "Mit diesen virtuellen Börsen kann man Prognosen über Wahlergebnisse oder den Erfolg von Kinofilmen erstellen, die meistens genauer als traditionelle Umfragen sind", erklärt Bernd Skiera vom wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Uni Frankfurt.

Schwierigkeiten an der Börse

DAX - Deutscher Aktienindex, Börse in Frankfurt am Main

Virtuelle Börsen eignen sich als Vorhersageinstrument

Bei der Vergabe der tatsächlichen Nobelpreise, deren Preisträger ab Montag (4.10.2004) bekannt gegeben werden, handelt es sich zwar nicht um eine Mehrheitsentscheidung wie bei einer Wahl. Die Macher der Nobelpreisbörse setzen jedoch darauf, dass ihre Anleger möglichst viele Informationen über die Chancen der einzelnen Kandidaten ansammeln, um den Wert ihres virtuellen Portfolios erhöhen zu können. Aus dieser breiten Informationsbasis soll sich eine möglichst gute Prognose ergeben. Als mögliches Problem sieht Skiera mangelnde Kenntnisse der überwiegend deutschen Teilnehmer über ausländische Kandidaten. Auch die noch geringe Teilnehmerzahl von 325 könnte Probleme bereiten. Dennoch hofft Skiera, dass mindestens einer der diesjährigen Nobelpreisträger richtig vorausgesagt wird und alle Gewinner zumindest an der Börse gehandelt wurden, wenn die tatsächlichen Preisträger genannt werden.

"Ich glaube nicht, dass wir wirklich einen der Gewinner voraussagen", erzählt Thomas Meyer, einer der Teilnehmer. "Dafür sind wir viel zu wenige Händler. Und das Auswahlverfahren der Nobelkomitees ist so undurchsichtig, dass man seine Erwartungen auf nichts stützen kann". Dennoch verbringt der 28-jährige Elektrotechnikstudent bis zu zwei Stunden am Tag vor dem Computer, um sein Portfolio zu pflegen. "Mich faszinieren Börsenspiele, und diese Webseite ist extrem gut gemacht."

Mit dem Bären spielen

Ob Skiera oder Meyer am Ende Recht behalten, zeigt sich in den nächsten Tagen, wenn die Preisträger 2004 ernannt werden. Sollte Hans Blix nicht den Friedensnobelpreis erhalten, müssen die Teilnehmer der Nobelpreisbörse aber nicht verzweifeln: Ihr verspekuliertes Vermögen war ja zum Glück nur virtuell.

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