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Wirtschaft

Handel erwartet Rekord-Weihnachtsgeschäft

Das Weihnachtsgeschäft bringt Einzelhändlern traditionell die größten Umsätze. In diesem Jahr sind sie besonders optimistisch. Das liegt nicht allein an guter Kauflaune, sondern auch am Kalender.

Das Geld für Weihnachtsgeschenke sitzt nach Schätzung der Einzelhändler in diesem Jahr locker. Die Branche erwartet in den Wochen vor Weihnachten ein Rekordgeschäft. Erstmals könnten die Umsätze im November und Dezember die Marke von 90 Milliarden Euro knacken, prognostizierte der Handelsverband Deutschland (HDE) am Dienstag. "Selten war die Ausgangslage für das Weihnachtsgeschäft so günstig wie in diesem Jahr", sagte Verbandschef Josef Sanktjohanser.

Gründe seien vor allem eine gute Konsumstimmung und der stabile Arbeitsmarkt. Zugleich lägen die Feiertage im Dezember so, dass es mehr umsatzstarke Verkaufstage gebe als im Vorjahr. Der Weihnachts-Umsatz dürfte deshalb um 3,9 Prozent auf 91,1 Milliarden Euro steigen. Vor allem die Läden in den Innenstädten und der Internet-Handel hätten hohe Erwartungen.

Das Weihnachtsgeschäft ist für viele Einzelhändler die wichtigste Zeit des Jahres. Die Läden erzielten im November und Dezember vergangenen Jahres fast ein Fünftel, der Internethandel sogar gut ein Viertel des Jahresumsatzes.

Verband HDE rechnet mit Umsatzplus im Gesamtjahr

Für das Gesamtjahr rechnet der HDE im drittgrößten deutschen Wirtschaftszweig mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent auf 485,7 Milliarden Euro. 2016 gebe es drei Verkaufstage mehr als 2015, was beim Umsatz allein 1,4 Prozentpunkte ausmache. In den ersten neun Monaten hätten die Händler bereits ein Plus von 2,5 Prozent eingefahren.

Besonders gut lief es bis zum Sommer bei Kosmetika und Körperpflege, bei Glas und Porzellan, bei Schuhen, Fahrrädern und Möbeln. Die Bekleidungseinzelhändler verzeichneten bis Ende August dagegen ein Umsatzminus von fast einem Prozent. Auch bei Büchern und Schmuck ging es deutlich bergab. Das schon früh kalte Wetter stimme die Bekleidungsgeschäfte für den Jahresendspurt allerdings optimistisch, sagte Sanktjohanser.

Der Kaufrausch vor dem Fest (picture alliance/dpa/H. Kaiser)

Kaufrausch vor dem Fest

Geld als Weihnachtsgeschenk sehr beliebt

Eigentlich könnten viele Deutsche Ihren Weihnachtseinkauf einfach am Bankautomaten erledigen. Abheben, Schleifchen drum, fertig. Geld steht Umfragen zufolge nämlich auf einer Mehrheit der Weihnachts-Wunschzettel ganz oben. Doch Geldgeschenke sind bei Schenkern als fantasielos und wenig romantisch verpönt - was den Handel freuen dürfte. Denn vor allem Innenstadt-Läden hoffen auf steigende Verkäufe bis zum Jahresende.

Jedes Jahr fragen Institute, wie viel Geld die Deutschen für Weihnachtsgeschenke ausgeben wollen - und jedes Jahr gehen die Prognosen weit auseinander. Denn viele Kunden wissen im Voraus gar nicht, wie viel sie - spätestens beim hektischen Last-Minute-Einkauf mit "jetzt ist alles recht"-Gedanken - letztlich wirklich springen lassen. Zwischen 239 und 477 Euro liegen die Umfragewerte diesmal. Fast alle Institute glauben, dass das Geld lockerer sitzt als im vergangenen Jahr.

Spielzeug, Bücher, Unterhaltungselektronik

Besonders häufig klingeln die Kassen zur Weihnachtszeit bei Spielzeug, Büchern und Unterhaltungselektronik. Da ändert sich nicht viel. Wahrscheinlich auch, weil viele Menschen beim Wünschen ähnlich einfallslos sind. Einer Umfrage der Beratungsfirma Deloitte zufolge stehen bei Frauen und Männer ganz oben auf den Wunschzetteln Geld, Bücher und Gutscheine.

Kleidung ist als Geschenk nicht mehr so gefragt. Vor allem ältere Menschen, die sich in der digitalen Welt nicht so auskennen, wüssten deshalb oft nicht mehr, womit sie Jugendlichen eine Freude machen könnten, schließen die Handels-Experten von Ernst & Young (EY). Der Ausweg: Geldgeschenke und Gutscheine.

Dass vielen Schenkern die Ideen fehlen, kommt ausgerechnet den sonst arg gebeutelten Innenstadt-Läden zugute. Zwischen Lichterketten und Glühweinduft kommt beim Schaufensterbummel vielleicht eher noch der rettende Einfall als vor dem heimischen Computer. Rund 70 Prozent gaben in den Umfragen von EY und Deloitte an, ihre Geschenke im Laden zu kaufen - am liebsten im Fachgeschäft, nicht so gern im Kaufhaus. Der HDE erwartet im Online-Weihnachtsgeschäft trotzdem ein Wachstum von mehr als zehn Prozent.

Paket-Zusteller rechnen mit Höchstmarken

Dafür rüsten sich die großen Paketzusteller und stellen vorübergehend mehr als 20.000 Aushilfskräfte ein. Die werden wohl auch im November schon gut zu tun haben. Im Internet werde nämlich inzwischen auch früher und nicht mehr geballt erst kurz vor den Feiertagen eingekauft, sagte Post-Chef Frank Appel.

Die Deutsche Post steuert dank ihres florierenden Paket-Geschäfts auf Rekordkurs. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg im dritten Quartal auf 755 (Vorjahr: 197) Millionen Euro und legte damit stärker zu als von Analysten erwartet, wie die Post am Dienstag in Bonn mitteilte. Der Konzern habe damit "das operativ stärkste Quartal seiner Geschichte" verzeichnet, sagte Appel: "Wir sind auf gutem Wege, unsere ambitionierten Ziele für 2016 und darüber hinaus zu erreichen." Im wichtigen Weihnachtsgeschäft rechnet der Konzern mit weiteren Höchstmarken.

Dem Unternehmen spielt zudem der ungebrochene Boom im Online-Handel in die Hände. Die Kunden bestellen bei Internet-Händlern von Amazon bis Zalando, Zusteller bringen die Pakete dann zum Verbraucher. Die Post  werde in Deutschland vor Weihnachten voraussichtlich mehr als acht Millionen Pakete am Tag ausliefern, hatte Finanzchefin Melanie Kreis jüngst im Reuters-Interview angekündigt. Auch Konkurrent UPS erwartet eine Rekord-Paketflut zu Weihnachten.

ul/iw (dpa, rtr)

 

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