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Asien

Hand-Fuß-Mund-Epidemie in China

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eigentlich eine relativ ungefährliche asiatische Kinderkrankheit, die sich gut behandeln lässt. Doch in diesem Jahr forderte sie allein in China schon mehr als 100 Todesopfer.

Patient in China (Foto:ap)

Ein Patient in einem chinesischen Krankenhaus

Eigentlich befällt die Hand-Fuß-Mund-Krankheit vor allem Kinder unter fünf Jahren. Sie ist zwar hochansteckend, in der Regel aber nicht sonderlich gefährlich. Die Sterblichkeitsrate tendiert bei Standardbehandlung Richtung Null. Auch ist die Krankheit nur schwer über große Flächen zu übertragen. Das ist ein Grund, warum China sie lange Zeit nicht einmal in den Katalog der meldepflichtigen Epidemien aufgenommen hatte. Erst 2007 geschah der gesetzgeberische Schritt. 2008, im Jahr der Pekinger Olympiade, fand das Gesetz erstmals Anwendung.

Epidemie in allen Regionen Chinas

Lachende chinesische Kinder (Foto:dpa)

Normalerweise hat die Krankheit für Kinder wie diese keine schweren Folgen

Angefangen hatte die Krankheit im vergangenen Jahr in Fuyang, einer 9-Millionen-Einwohner-Stadt in der ostchinesischen Provinz Anhui. Doch wider jede allgemeine Regel verbreitete sie sich wie ein Lauffeuer über das ganze Land mit seinen 1,3 Milliarden Menschen. Bis Ende Juli 2008, kurz vor der Eröffnungsfeier der Olympiade in der Hauptstadt Peking, wurden Krankheitsfälle in allen 30 Provinzen, autonomen Gebieten und regierungsunmittelbaren Städten festgestellt. Schlimmer noch: Auch die Todesfälle mehrten sich –sogar in den Ballungsgebieten mit ihren entsprechend hohen medizinischen Standards, so etwa in Peking und Shanghai. Schon kurz nach der Olympiade beklagte sich die Zentralregierung über den Schlendrian und die fahrlässige Amtsausübung der Regionalverwaltungen, die diese Krankheitsfälle lange verschwiegen haben sollen. Hohe Strafen wurden gegen die Übeltäter der Regionalverwaltungen verhängt, in der Hoffnung, die Krankheit für längere Zeit erfolgreich bekämpft zu haben.

Medikamentenmissbrauch und resistente Erreger

Kind mit Mundschutz in Shanghai (Foto:ap)

Kind mit Mundschutz in Shanghai

Doch dies stellt sich inzwischen als gefährlicher Irrtum der Regierung in Peking heraus. In den ersten drei Monaten 2009, so meldete vor kurzem das chinesische Gesundheitsministerium, gab es wieder eine flächendeckende Verbreitung der Seuche mit insgesamt über 100 Toten. Und wieder bleibt kaum ein Gebiet des Riesenlandes verschont. In einigen Provinzen, etwa der Küstenprovinz Shandong gegenüber von Südkorea und Japan, nimmt die Verbreitung der Seuche mittlerweile eine gefährliche Tendenz an. Hier haben die Viren, die bislang mit herkömmlichen Medikamenten erfolgreich in Schach gehalten werden konnten, erste Resistenzen ausgeprägt. Manche der kritischen Ärzte Chinas begründen dies damit, dass seit Jahren gegen alle Infektionskrankheiten ohne jede Einschränkung Antibiotika aller Fabrikate verabreicht worden seien. Andere Gesundheitsexperten warnen im Internet: Im Angesicht der Tatsache, dass rund 200 Millionen Wanderarbeiter vom Frühling an wieder quer durchs Land reisen müssen, um einen Job zu finden, lässt sich eine dauerhafte Verbreitung dieser Krankheit kaum noch effektiv verhindern.

Späte Reaktionen aus Peking

Wanderarbeiter in China (Foto:ap)

Wanderarbeiter in China

Das politische Peking reagiert routiniert. Ein Zentralkommando wurde eingesetzt, dem diesmal der Gesundheitsminister höchstpersönlich vorsitzt. Und schon wurden Klagen laut über die unverantwortlichen Lokalkader, denen gute Nachrichten zugunsten einer eigenen Karriere viel wichtiger seien als die Sicherheit für Kinder und Erwachsene im Lande. Doch gerade die gefährdetsten Menschen, die Gruppe der Wanderarbeiter, genießt in China kaum nennenswerte medizinische Grundversorgung: Keine Krankenkasse, keine hygienischen Mindeststandards. Dabei hat der Frühsommer, die Saison der schlimmsten Verbreitung der Seuche, noch gar nicht begonnen.

Autor: Shi Ming

Redaktion: Thomas Latschan