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Hand der Versöhnung

Versöhnung gibt es nicht ohne Streit. Streiten und sich versöhnen wollen gelernt werden. Auf dem Weg dahin dürfen das Vergeben und das Vergessen nicht fehlen. Denn sonst bleibt am Ende nur eins: die Unversöhnlichkeit.

Jeder, der Geschwister hat, kann ein Lied davon singen: Versöhnung! Nur allzu oft fallen da Worte wie: "Katharina und Max, wenn ihr euch nicht vertragt, dann fahren wir nicht in den Zoo." Tja, da hat man dann schlicht keine Wahl, auch wenn man noch etwas bockig ist, streckt man die Hand aus und verträgt sich wieder. "Vergeben und vergessen" heißt es dann unter Kindern, selbst wenn es oft eine erzwungene Versöhnung ist. Schließlich will man ja mit in den Zoo. Im Erwachsenenalter wird das leider anders. Und wenn man dann noch an jemanden gerät, der nachtragend ist, na dann Hallelujah! Dabei gehören Streit und Versöhnung zu jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Sie können sogar ganze Staaten oder Nationen betreffen.

Schuld und Sühne

Ein Beichtstuhl

Beichten und dann Buße tun

Das Wort Versöhnung ist abgeleitet von dem Wort Sühne und hat etymologisch nichts mit Sohn zu tun. Sühne ist ein Wort, das sehr religiös verankert ist. Es heißt so viel wie Buße. Buße tun muss jemand für eine Schuld, die er oder sie trägt. Diese Ableitung scheint auch sinnvoll, denn bevor man sich versöhnen kann, muss ein jeder Buße tun, also einsehen, was er oder sie falsch gemacht hat.

Im Christentum ist es Jesus Christus, der die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen herbeiführt. In der biblischen Überlieferung sagte Jesus zu Gott, seinem Vater: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Einander verzeihen ist nach dem Buße tun dann der zweite Schritt auf dem Weg zur Versöhnung.

Jeder fängt klein an

Zwei Kinder streiten um eine Schaufel

Das ist aber mein Schäufelchen!

Was hier so leicht klingt, ist in Wahrheit aber eine echte Herausforderung. Denn wie man lernen muss, sich richtig zu streiten, so muss man auch lernen, zu verzeihen und sich zu versöhnen. Schon als Kinder setzen wir uns mit anderen Menschen auseinander. Wir streiten mit unserem Kindergartenfreund um das Schäufelchen oder mit unseren Geschwistern, wer zu erst schaukeln darf. Da kommt es auch schon mal vor, dass man sich gegenseitig kneift oder an den Haaren zieht, um den eigenen Willen durchzusetzen.

Oft einigt man sich nicht und beide Streithähne stehen schmollend in der Ecke. Hier greifen meist die Erwachsenen ein. Sie versuchen mit Sprüchen wie "Der Klügere gibt nach" zu vermitteln, sodass einer der beiden den Anfang macht und dem anderen die Hand zur Versöhnung reicht. Je nach Streitgrund können Jahre ins Land gehen, können aus Kindern selbst Erwachsene werden, bis das passiert.

Eltern – die Trainingspartner

Eine Bulldogge, die das Maul zum Knurren geöffnet hat

Manchmal knurrt man sich auch an

Ganz besonders wichtige Trainingspartner auf dem Weg, das Streiten und Versöhnen zu lernen, sind die Eltern. Bei ihnen testen wir unsere Grenzen aus und geraten daher oft mit ihnen aneinander. Da können manchmal ganz schön die Fetzen fliegen.

Will man in Frieden und Harmonie leben, sind Nachdenken und die Bereitschaft, Fehler einzusehen, notwendig. Diese Selbstreflexion, also Buße tun, ist wichtig, damit man schon als Kind lernt, sich selbst und anderen zu verzeihen.

Der Klügere gibt nach

Ein Frosch auf einem Blatt

Sei doch kein Frosch!

Sobald Kinder in die Schule kommen, können nicht immer Mama und Papa helfen und schlichten oder auch mal fünfe gerade sein lassen, also nachsichtig sein. Ab da sind Kinder oft auf sich selbst gestellt. Sie müssen ihre eigenen Streitigkeiten austragen und dabei lernen, auch von alleine mal zum anderen zu gehen und ein Friedensangebot zu machen. Durch diese harte Schule müssen sie gehen, damit sie ihre kindliche Sturheit, ihre "Bockigkeit", ablegen.

Andernfalls kann es dazu kommen, dass sie sich zu nachtragenden, unversöhnlichen Menschen entwickeln, die ein Gedächtnis wie ein Elefant haben. Mit solchen Menschen ist nach einem Streit nicht gut Kirschen essen. Es sind diejenigen, die einem auch nach vielen Jahren noch bestimmte Dinge aufs Butterbrot schmieren, die dann Sätze sagen, die meistens beginnen mit "Du hast damals aber…" Man hat die Wahl, entweder nachzugeben oder mit solchen Menschen den Kontakt abzubrechen.

Verzeihung durch die Blume

Symbolbild: ein Mann überreicht einer Frau Blumen

Manchmal können es auch Wiesenblumen sein

Als Erwachsener folgt die Paradedisziplin der Konfliktbewältigung: die Partnerschaft. In keiner anderen zwischenmenschlichen Beziehung wird so viel gestritten und versöhnt wie hier. Aber Auseinandersetzungen gehören zu jeder Partnerschaft dazu. Man muss sich ausprobieren und sich reiben, damit sich die Beziehung entwickeln kann. Dabei sollten Streit und Versöhnung aber miteinander einhergehen. Die meisten Paare entwickeln also ihre eigene Streitkultur und wissen irgendwann, wie sie den anderen zu nehmen haben.

Wenn vergeben und vergessen aber dann doch einmal nicht so leicht ist und der Partner oder die Partnerin rumzickt, dann versuchen Sie es doch mit Blumen. "Alter Trick", denken Sie jetzt vielleicht. Aber nein, wir reden hier nicht von Rosen! Denn die Tulpe ist die Blume, die nach einem Streit die Versöhnung herbeiführen soll. Sagen Sie also "Verzeihung" durch die Blume.

Zeichen der Versöhnung

Grafik: Kinder fliehen vor umherfliegenden Raketen

Waffenstillstand bedeutet nicht immer Versöhnung

Versöhnung kann jedoch nicht nur im privaten Bereich stattfinden, sondern auch im politisch-öffentlichen. Sich versöhnen heißt schließlich Frieden schließen, und das ist nirgendwo so notwendig wie in der Weltpolitik. Aber Friede ist hier nicht gleichzusetzen mit Waffenstillstand.

Denn auch wenn der längst eingetreten ist, muss noch keine Versöhnung in Sicht sein. Gerade in internationalen Konflikten ist dies der Fall. Da werden Zeichen der Versöhnung gesendet, oder man gibt sich versöhnlich, macht Angebote, um den anderen versöhnlich zu stimmen.

Ein (un)versöhnlicher Abschluss

Aber trotzdem braucht es manchmal viel Zeit, damit alles vergeben und vergessen ist. Manchmal klappt es gar nicht. Dann bleiben die Konfliktparteien leider für immer und ewig unversöhnlich und reichen sich nicht die Hand zur Versöhnung.

Musik:

Peter Maffay: "Du kannst verzeihen"

"[…] Jeder macht seine Fehler, / So wirst du der, der du bist. / Was dich am Ende befreit, ist, wenn du sagen kannst: 'Es tut mir Leid!'."

Fragen zum Text

Man … jemandem die Hand zur Versöhnung … .

1. streckt … aus

2. steckt … ein

3. reicht … an

Will man sich mit jemandem versöhnen, kann man sagen: …

1. "Du weißt, wo der Frosch die Locken hat!"

2. "Sei doch kein Frosch!"

3. "Du hast einen Frosch im Hals!"

Setzen Sie ein: Jemand hat einen … Fehler gemacht.

1. unverzeihbaren

2. unverzeihlichen

3. unverzeihlosen

Arbeitsauftrag

Nicht nur in Familien auch in der Geschichte gibt es sehr viele Beispiele für eine Versöhnung zwischen Völkern – aber auch für Unversöhnlichkeit. Wählen Sie ein Beispiel, egal ob aus dem privaten oder aus dem politischen Bereich. Schildern Sie schriftlich, woher der Streit kam, was alles versucht wurde und wie eine Versöhnung aussah beziehungsweise aussehen könnte.



Autorin: Katharina Boßerhoff

Redaktion: Beatrice Warken

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