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Sport

Hamburgs Olympia-Traum geplatzt: Mehrheit gegen Bewerbung

Die Olympischen Spiele in Hamburg bleiben eine Illusion: Die Mehrheit der Hamburger spricht sich gegen Olympia in der Hansestadt aus. Ein Sieg der Olympia-Gegner - und eine schwere Schlappe für den deutschen Sport.

Die Olympischen Spiele 2024 finden definitiv nicht in Hamburg statt. Die Bürger der Hansestadt stimmten bei einem Referendum mit 51,6 Prozent gegen die Fortsetzung der Bewerbung um das Welttreffen des Sports. Nach Auszählung aller 650.106 gültigen Stimmen entfielen nur 48,4 Prozent der Stimmen auf ein Ja zu Olympischen Spielen in der Hansestadt, wie das Statistikamt Nord mitteilte. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,1 Prozent. Bereits kurz vor der Auszählung aller Wahllokale räumte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die Niederlage der Befürworter ein. Zu diesem Zeitpunkt lag das Lager der Gegner uneinholbar vorn - eine herbe Enttäuschung auch für Scholz und den rot-grünen Senat. "Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber klar", sagte Scholz.

Am geplanten Segelstandort Kiel gab es beim zeitgleich durchgeführten Referendum zwar eine klare Mehrheit pro Olympia von knapp 66 Prozent. Aber in Hamburg scheiterte die insgesamt deutsche Olympia-Bewerbung. Zum zweiten Mal nach Ende 2013 in München wurden die Pläne von den Bürgern gestoppt. Ein Scheitern der Hamburger Bewerbung, so hatte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), vor der Wahl klar gemacht, werde fatale Folgen insbesondere für die Spitzensportförderung in Deutschland haben. "Offensichtlich passen der olympische Gedanke und Deutschland im Moment nicht zusammen", sagte Hörmann resigniert nach der Wahl.

Olympia-Skeptiker sehen sich bestätigt

Während Umfragen im Vorfeld der Wahl noch den Optimismus der Befürworter nährten, gaben die Auszählungen der ersten Wahllokale die Tendenz des Wahlabends vor: die Gegner lagen von Beginn an knapp vorn. Diese Tendenz verfestigte sich und wuchs gar auf einen Vorsprung von rund vier Prozent. "Wir haben einen Stimmungswandel in der Stadt bemerkt", sagte Florian Kasiske aus dem jubelnden Lager der Initiative NOlympia. "Die Menschen sehen, dass es Sachen gibt, wo das Geld besser angelegt ist."

Olympia-Referendum in Hamburg (Foto: picture-alliance/dpa/A. Heimken)

Hamburg hat gewählt: Die Spiele sollen nicht nach Hamburg kommen, sagt eine Mehrheit. Ein schwerer Schlag für den DOSB

Bei vielen Bürgern waren die unklare Finanzierung der Spiele, einige Bauvorhaben und seit den Anschlägen von Paris auch Sicherheitsbedenken ausschlaggebend für die Skepsis gegenüber den Olympia-Plänen. Diese hatte Bürgermeister Scholz mit viel Energie voran getrieben, sie zum wichtigsten Projekt der Legislaturperiode erklärt. Auch für ihn ist die Absage der Hamburger an Olympia eine schwere Pleite.

"Das Projekt ist erledigt"

"Der Rucksack war sehr schwer, den wir rumgetragen haben", erklärte DOSB-Generalsekretär Michael Vesper beim Sender Sky mit Blick auf die Terroranschläge in Paris und Korruptionsskandale in den Sportverbänden IAAF und FIFA. "Die Entscheidung ist gefallen und das Projekt damit erledigt." Vesper betonte, man habe die Olympia-Gegner angehört, Argumente ausgetauscht und informiert. Doch das reichte nicht.

Und die Wahlbeteiligung war sehr hoch: Die Teilnahme am Referendum überstieg vergleichbare Volksbefragungen in der Hansestadt deutlich - die Bürger Hamburgs nahmen die Abstimmung über das teure Großprojekt sehr ernst. Größte Bedenken hatten in der Hansestadt zuletzt wegen der ungeklärten Finanzierung geherrscht. Der Bund sträubte sich selbst wenige Tage vor Referendumsschluss, den von Hamburg errechneten Anteil in Höhe von 6,2 Milliarden Euro zu übernehmen.

Vier Kandidaten verbleiben im Olympia-Rennen

Im März hatte sich Hamburg noch gegen Berlin als deutscher Olympia-Bewerber durchgesetzt, weil sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) an der Elbe mehr Rückendeckung durch die Bevölkerung erhoffte. Nun verbleiben dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nur noch vier Kandidatenstädte für 2024: Los Angeles, Paris, Rom und Budapest.

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