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Politik

Hamburger Taiba-Moschee geschlossen

Nach einer Razzia wurde in Hamburg ein Treffpunkt radikaler Islamisten dichtgemacht und sein Trägerverein verboten: Die ehemalige Al-Kuds-Moschee war nach den Anschlägen vom 11. September weltweit bekannt geworden.

Polizisten tragen beschlagnahmte Computer weg (Foto:dpa)

Ein weiterer Schlag gegen die radikalislamistische Szene in Deutschland

Ihr Name hatte 2001 weltweit für trauriges Aufsehen gesorgt, ihrem Einfluss auf die extremistische Szene in Deutschland wurde jetzt ein Ende bereitet: Die Hamburger Sicherheitsbehörden haben am Montag (09.08.2010) das mittlerweile von Al-Kuds- in Masjid Taiba-Moschee umbenannte Zentrum geschlossen und den verantwortlichen Trägerverein verboten. Am Morgen hatten Polizisten und Zivilfahnder das unscheinbare Gebäude im Stadtteil St. Georg gestürmt. Das Vermögen des arabisch-deutschen Trägervereins wurde beschlagnahmt. Auch vier weitere Objekte waren durchsucht worden.

"Aggressiv und demokratiefeindlich"

Senator Ahlhaus am Mikro (Foto:ap)

Innensenator Ahlhaus (CDU) gegen "Feinde der Demokratie und der Völkerverständigung"

In der Moschee werde eine "aggressive und demokratiefeindliche Ideologie und Religionsauffassung verbreitet", begründete der Innensenator der Hansestadt, Christoph Ahlhaus, die Schließung. "Jetzt hat der Spuk ein Ende", sagte der CDU-Politiker zufrieden vor der Presse. Der Taiba-Verein wird beschuldigt, Propaganda gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Völkerverständigung zu betreiben.

Laut Verfassungsschutz ist das Gotteshaus seit Jahren ein Hauptanziehungspunkt für gewaltbereite Islamisten. In Hamburg leben demnach rund 45 Unterstützer des Dschihad, des Heiligen Krieges, den die Terrorgruppe Al Kaida gegen den Westen führt. Hamburg hatte bereits mehrfach gewaltbereite Islamisten ausgewiesen. Zu den von Aggression und Hetze geprägten Freitagsgebeten in der Moschee sollen laut Innenbehörde regelmäßig zwischen 200 und 250 Gläubige gekommen sein.

Freundeskreis um Terrorpilot Atta ging ein und aus

Vier Polizisten vor Moschee (Foto:dpa)

Nach Razzia und Verbot abgeriegelt: Die Hamburger Taiba-Moschee, Anlaufstelle für Dschihadisten, damals und heute

Das Gebetshaus hat laut Innenbehörde eine lange extremistische Tradition: In dem damals noch Al-Kuds-Moschee genannten Haus am Steindamm hatten sich die Todespiloten der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York kennengelernt. Mitglieder der Terrorzelle um Mohammed Atta sollen sich dort oft zum Gebet versammelt haben.

Auch der einzige in Deutschland verurteilte Helfer der Attentäter, der Marokkaner Mounir El Motassadeq, ging regelmäßig dorthin und soll nach Einschätzung der Fahnder zum Führungskreis gehört haben.

Zudem war 2009 von dem Hamburger Treffpunkt aus eine radikale Gruppe losgezogen, um in Afghanistan für die Al Kaida die Gewehre in die Hand zu nehmen. Einer von ihnen rief unter dem Kampfnamen Abu Askar in einem Video deutsche Muslime zur Teilnahme am bewaffneten Widerstand auf.

Darkazanli - "Elder Statesman des Dschihad"

Der vermutliche Obergeistliche der Taiba-Moschee soll zumindest aus dem Bekanntenkreis der Todespiloten stammen: Der in Hamburg lebende deutsch-syrische Kaufmann Mamoun Darkazanli. "Hassprediger", betitelte ihn der Leiter der Hamburger Anti-Terror-Abteilung, Lothar Bergmann. Der Vizechef des Hamburger Verfassungsschutzes, Manfred Murk, nannte ihn "Elder Statesman des Dschihad".

Gegen Darkazanli wurde nach den New Yorker Anschlägen vom 11. September ermittelt wegen des Verdachts, finanzielle und logistische Unterstützung für Al Kaida geleistet zu haben. Darkazanli steht zudem auf der Terroristenliste der Europäischen Union. In Spanien wurde er zwar wegen enger Verbindungen zu einer Al-Kaida-Zelle verurteilt, Deutschland liefert nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts den deutschen Staatsbürger Darkazanli aber nicht aus. Er soll dem Vernehmen nach von Sozialhilfe oder Hartz IV leben.

Die im Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg (Schura) organisierten muslimischen Gemeinden distanzieren sich von der Taiba-Moschee.

Autor: Siegfried Scheithauer (ap,dpa,afp)
Redaktion: Martin Schrader