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Hamburg

Hamburger Jungs und Deerns

Ob Politiker, Schauspielerin oder Fußballer – die Hansestadt hat und hatte zahlreiche Bürger, die deutschlandweit oder sogar weltweit berühmt sind. Sie verbindet vor allem eines: die Liebe zu ihrer Heimatstadt Hamburg.

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Persönlichkeiten – der Artikel als MP3

Heidi Kabel (1914 – 2010)

Bild von Heidi Kabel aus dem Jahr 1999

Heidi Kabel war Hamburgs berühmteste Deern

66 Jahre – so lange stand Heidi Kabel auf der Bühne eines plattdeutschen Volkstheaters. Dabei wollte die Hamburger Deern eigentlich gar keine Schauspielerin werden. Der Zufall brachte sie ans Theater. 1932 begleitete sie eine Freundin zum Vorsprechen an die „Niederdeutsche Bühne Hamburg“, das spätere Ohnsorg-Theater. Dort wurde sie vom Leiter des Theaters entdeckt und sofort engagiert.

Damit begann nicht nur die Liebe zwischen Kabel und den Hamburger Publikum, sondern auch die zu ihrem späteren Mann Hans Mahler, dem Regisseur und späteren Leiter des Ohnsorg-Theaters. Sie heirateten 1937 und bekamen drei Kinder.

In den 50er Jahren wurde Kabel deutschlandweit bekannt, als das Fernsehen begann, die Aufführungen aus dem Ohnsorg-Theater auszustrahlen. Sie trat jedoch nicht nur im Theater auf, sondern spielte auch in zahlreichen Filmen und Fernsehserien mit. Meist handelte es sich dabei um Komödien oder eher anspruchslose Unterhaltungsfilme. Heidi Kabel arbeitete bis ins hohe Alter und stand 2007, im Alter von 92 Jahren, ein letztes Mal mit ihrer Tochter vor der Kamera.

In ihrer Heimatstadt engagierte sich Kabel für verschiedene soziale Projekte: Sie unterstützte unter anderem Obdachlose und setzte sich für Flüchtlinge ein. Als sie 2010 starb, wurde der Trauergottesdienst im Hamburger Michel live im Fernsehen gezeigt. Bereits im folgenden Jahr wurde der Platz vor dem Ohnsorg-Theater in Heidi-Kabel-Platz umbenannt. Hier befindet sich auch eine lebensgroße Statue der Schauspielerin.


Helmut Schmidt (1918 2015)

Bild von Helmut Schmidt aus dem Jahr 1974

Helmut Schmidt ist der beliebteste ehemalige Politiker in Deutschland

Den Höhepunkt seiner Karriere erlebte Helmut Schmidt in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn, doch der frühere Bundeskanzler ist ein echter Hamburger Jung.

Im Jahr 1918 wurde er in der Hansestadt geboren, wuchs im Stadtteil Barmbek auf und begann auch seine politische Karriere hier. Kurz nach dem 2. Weltkrieg trat er in die SPD ein. 1953 wurde Schmidt in den Bundestag in Bonn gewählt. Anfang der 60er Jahre kam er für vier Jahre nach Hamburg zurück, wo er bald als Polizeisenator bundesweit bekannt wurde: Während der großen Sturmflut 1962 machte er sich mit seinem pragmatischen und schnellen Hilfseinsatz einen Namen.

1965 zog er erneut in den Bundestag ein und wurde unter anderem Finanzminister. Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt wurde Schmidt 1974 zu dessen Nachfolger gewählt. Seine erste Amtszeit war geprägt von der Wirtschaftskrise und dem Terror der Roten-Armee-Fraktion (RAF). Während seiner zweiten Amtszeit scheiterte im Jahr 1982 seine Koalition. Helmut Kohl löste ihn als Kanzler ab. Am Ende hatte Schmidt, der zum rechten Flügel der SPD gehörte, kaum noch Unterstützung in seiner eigenen Partei.

Zu Lebzeiten gab es wohl kaum einen anderen ehemaligen Politiker, der ähnlich beliebt war wie Helmut Schmidt. In Hamburg ist er längst Ehrenbürger. Nach ihm und seiner 2010 verstorbenen Ehefrau Hannelore „Loki“ Schmidt sind zahlreiche öffentliche Gebäude benannt. Und auch wenn Helmut Schmidt deutschlandweit hohes Ansehen genoss, für die Hamburger bleibt er „ihr Schmidt“. Nicht zuletzt, weil man das Hamburger Platt immer heraushörte, wenn er redete.


Uwe Seeler (1936)

Uwe Seeler vor der Bronze-Plastik seines Fußes

Die schönste Ehrung für einen Fußballer: Uwe Seeler vor „seinem“ Fuß

In seiner aktiven Zeit als Fußballspieler war er einer der weltbesten Mittelstürmer: der Hamburger Uwe Seeler. Geboren wurde er am 5. November 1936 in Hamburg. Seitdem ist er der Stadt immer treu geblieben: Nie spielte er für einen anderen Verein als für den Hamburger Sportverein (HSV).

Seeler war noch ein Jugendlicher, als er 1953 das erste Mal für die Herrenmannschaft des HSV auflief. Bis zu seinem Karriereende 1972 sollten noch 475 weitere Ligaspiele folgen, in denen er insgesamt mehr als 400 Tore erzielte. Mit dem HSV wurde er 1960 Deutscher Meister, 1963 Pokalsieger und ein Jahr später Torschützenkönig der Bundesliga. Bereits als 17-Jähriger stürmte er für die Nationalmannschaft. Bekannt war er vor allem für seine Fallrückzieher und seine Kopfbälle. Besonders berühmt ist sein Tor bei der Weltmeisterschaft 1970 gegen England, das er mit dem Hinterkopf erzielte.

Uwe Seeler ist trotz seiner Erfolgsgeschichte immer auf dem Boden geblieben, ein Millionen-Angebot von Inter Mailand 1962 lehnte er ab. Auch darum gaben ihm seine Fans den Spitznamen „Uns Uwe“. Er galt außerdem als besonders fair. Während seiner langen Karriere erhielt er nur einen einzigen Platzverweis.

Heute engagiert sich Uwe Seeler für wohltätige Zwecke. Hamburg bescherte ihm wohl auch das schönste Denkmal, das es für einen Fußballer geben kann: Eine mehr als 5 Meter breite und 3,50 Meter hohe Bronze-Plastik seines rechten Fußes steht vor dem Stadion des HSV.


Jil Sander (1943)

Bild von Jil Sander aus dem Jahr 2012

Jil Sander ist die bekannteste deutsche Modeschöpferin

Klare Schnitte und schlichte Eleganz – das ist der Modestil, den die Hamburgerin Jil Sander geprägt hat wie kaum eine andere.

Geboren wurde Heidemarie Jiline Sander, wie sie ursprünglich hieß, gut hundert Kilometer nördlich von Hamburg in Schleswig-Holstein. Ihre Mutter hatte zuvor die Hansestadt wegen der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg verlassen. Anfang der 1950er Jahre kehrte die Familie nach Hamburg zurück. Nach der Schulzeit besuchte Sander die Ingenieurschule für Textilwesen in Krefeld und studierte anschließend für zwei Jahre in Los Angeles.

Wieder in Hamburg arbeitete sie zunächst als Moderedakteurin, bevor sie einen ersten großen Schritt wagte: Mit nur 24 Jahren eröffnete sie ihre eigene Boutique. Hier verkaufte sie ab 1973 auch ihre eigene Kollektion. Anfangs reagierten die Hamburger und der Rest der Modewelt allerdings zurückhaltend auf die Entwürfe.

Im Jahr 1976 schaffte Sander dann aber ihren Durchbruch mit dem sogenannten Zwiebellook – das sind viele Einzelteile, die man miteinander kombinieren kann. Von da an ging es für Jil Sander und ihre Firma lange Jahre aufwärts und sie wurde eine der bekanntesten Modeschöpferinnen weltweit. Wegen ihrer Vorliebe für einfache, klare Linien und der Ablehnung von unnötigen Details bezeichneten sie amerikanische Magazine schon mal als „Queen of Less“.

1999 verkaufte sie große Teile ihres Unternehmens an die Firma „Prada“ und verließ nach Streitigkeiten mit den neuen Besitzern im nächsten Jahr das Unternehmen. Sie kehrte zwar noch zweimal zurück, zuletzt 2012, doch schon im folgenden Jahr stieg sie wieder aus. Jil Sander lebt heute nach wie vor in Hamburg, meidet die Öffentlichkeit und gibt nur selten Interviews.


Glossar

Deern, -s (f., norddeutsch) – das Mädchen

Hanse (f., nur Singular) – eine frühere Vereinigung von Kaufleuten bzw. Städten, die im Mittelalter gegründet wurde

***

plattdeutsch – in norddeutschem Dialekt

Vorsprechen, - (n.) – hier: eine Bewerbung für eine Rolle am Theater oder bei Film und Fernsehen, indem man einen Text vorträgt und mit Mimik und Gestik begleitet

jemanden entdecken – hier: ein besonderes Talent bei einem Menschen finden, z. B. singen, tanzen, schauspielern

jemanden engagieren – jemanden einstellen

Regisseur, -e/Regisseurin, -nen – jemand, der die Anweisungen bei einen Film oder einem Theaterstück gibt

etwas aus|strahlen – hier: etwas im Fernsehen zeigen

anspruchslos – hier: so, dass etwas nicht viel Nachdenken erfordert

vor der Kamera stehen – in einem Film mitspielen

sich für etwas engagieren – viel für ein bestimmtes Ziel tun; → sich für etwas einsetzen

Obdachloser, -en/Obdachlose, -n – jemand, der keine Wohnung hat

sich für jemanden/etwas ein|setzen – jemanden/etwas unterstützen

Flüchtling, -e (m.) – jemand, der sein Land aus einem bestimmten Grund (z. B. Krieg, Hunger, Verfolgung) verlässt und in ein anderes Land geht

Hamburger Michel (m.) – umgangssprachlich für die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis

etwas um|benennen – etwas (z. B. einer Straße, einem Platz) einen anderen Namen geben

Statue, -n (f.) – eine Figur eines Menschen oder Tieres (meist aus Holz oder Stein); ein Denkmal

***

SPD (f., nur Singular) – Abkürzung für: Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Polizeisenator, -en/Polizeisenatorin, -nen früher ein hoher Politiker als oberster Chef der Polizei in den Bundesländern Berlin, Hamburg und Bremen

Sturmflut, -en (f.) – die Wassermassen, die von sehr starkem Wind angehoben und gegen das Land gedrückt werden

sich (mit etwas) einen Namen machen – (wegen etwas) bekannt/berühmt werden

pragmatisch – an den Tatsachen und am Nutzen orientiert

in etwas ein|ziehen – hier: in ein Parlament gewählt werden

Rücktritt, -e (m.) – die Tatsache, dass man ein Amt nicht weiter ausübt

Amtszeit, -en – die Dauer, für die man ein bestimmtes Amt hat (hier: vier Jahre als Bundeskanzler)

etwas prägen – etwas stark beeinflussen

Rote-Armee-Fraktion (f., nur Singular) – eine linksextreme terroristische Gruppe, die in den 1970er und 80er Jahren viele Straftaten (z. B. Morde) beging

scheitern – hier: früher als geplant zu Ende gehen; auseinanderbrechen

Koalition, -en (f.) – die Zusammenarbeit von mehreren Parteien im Parlament, um eine Regierung zu bilden

jemanden ab|lösen – hier: das Amt von jemanden übernehmen

rechter Flügel (m.) – hier: der Teil der Mitglieder innerhalb einer politischen Partei, der konservativer denkt als die anderen

Ehrenbürger, - (m.) – jemand (meist eine berühmte Persönlichkeit), die von einer Stadt besonders ausgezeichnet wurde

ein hohes Ansehen genießen – sehr bekannt und beliebt sein; einen guten Ruf haben

Hamburger Platt (n., nur Singular) – der Dialekt, der in Hamburg gesprochen wird

***

Mittelstürmer, - (m.) – der vorderste Angreifer; der Fußballer, der zentral vorne spielt und dessen Aufgabe es ist, Tore zu schießen

jemandem/etwas treu bleiben – immer bei jemandem/etwas bleiben; jemanden/etwas nicht verlassen

auf|laufen – hier: bei einem Fußballspiel für eine Mannschaft spielen

Karriere, -n (f.) – hier: die Zeit, die ein Sportler seinen Sport professionell ausübt

Ligaspiel, -e (n.) – beim Sport ein Spiel im Rahmen eines Ligasystems, bei dem alle Mannschaften jeweils gegeneinander spielen und dafür Punkte bekommen können

ein Tor erzielen – einen Ball in ein Tor schießen oder werfen

Torschützenkönig, -e (m.) – derjenige, der in einem Wettbewerbes die meisten Tore geschossen hat

Fallrückzieher, - (m.) – beim Fußball ein Schuss aufs Tor, bei dem der Spieler den Ball im Fallen und mit dem Rücken zum Tor schießt

auf dem Boden bleiben – hier umgangssprachlich für: trotz großen Erfolgs normal und bescheiden bleiben

Spitzname, -n (m.) – der Name, den man aus Spaß (oft von Freunden) bekommt

Platzverweis, -e (m.) – die Strafe für einen Fußballspieler, der gegen die Regeln verstoßen hat und deswegen nicht mehr mitspielen darf; die Rote Karte

wohltätig – für einen guten Zweck

jemandem etwas bescheren – hier: jemandem etwas schenken

Denkmal, Denkmäler (n.) – hier: eine Figur, ein Bauwerk oder ein Ort, das an ein Ereignis oder an eine Person erinnern soll

Plastik, -en (f.) – eine Figur, die von einem Künstler aus einem oder mehreren Materialien geformt oder gegossen wurden

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Schnitt, -e (m.) – hier: die Art, wie ein Kleidungsstück geformt ist

schlicht – einfach; ohne Verzierungen

Schleswig-Holstein (n., nur Singular) – ein Bundesland ganz im Norden von Deutschland

Textilwesen (n., nur Singular)das Fachgebiet, das mit der Herstellung von Stoffen und Kleidung aus natürlichen oder künstlichen Bestandteilen zu tun hat

Redakteur, -e/Redakteurin, -nen – ein/e Mitarbeiter/in bei Zeitungen, beim Fernsehen oder bei anderen Medien, der/die Beiträge oder Artikel auswählt und bearbeitet

einen Schritt wagen – hier: den Mut haben, etwas Neues zu machen

Kollektion, -en (f.) – hier: eine Auswahl von Kleidungsstücken

den Durchbruch schaffen – zum ersten Mal Erfolg haben; berühmt werden

etwas (miteinander) kombinieren – etwas (z. B. Kleidungsstücke) zusammenstellen

Vorliebe, -n (f.) – etwas, das man besonders gerne hat oder macht; etwas, das einen besonders interessiert

aus|steigen – hier: aufhören, bei etwas mitzuarbeiten

etwas meiden – hier: mit etwas nichts zu tun haben wollen

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