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Aktuell Deutschland

Hamburger Islamist in Syrien wieder frei

Er hatte enge Verbindungen zu den 9/11-Attentätern und saß zwölf Jahre lang in syrischen Gefängnissen. Nun ist der Deutsch-Syrer Zammar wieder frei, steckt aber mitten im Bürgerkrieg. Und zwar schon seit Monaten.

Mohammed Haydar Zammar sei bereits im Herbst aus dem Zentralgefängnis in Aleppo entlassen worden sein, berichten der "Norddeutsche Rundfunk" (NDR) und die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Seitdem halte sich der Hamburger Islamist (im Artikelbild von 2001) in der umkämpften Stadt auf. Zammar war ein enger Vertrauter der Hamburger Gruppe um die Attentäter des 11. September 2001. Der 52-Jährige soll durch einen Gefangenenaustausch freigekommen sein.

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Wie 9/11 die Welt veränderte

Die Islamistenmiliz "Ahrar ash-Sham", die im syrischen Krieg gegen die Regierungstruppen von Machthaber Bashar al-Assad kämpft, habe seine Freilassung erzwungen, berichten NDR und SZ unter Berufung auf ein arabisches Internetportal. Demnach sei Zammar zusammen mit fünf weiteren Islamisten gegen Offiziere der syrischen Regierungstruppen ausgetauscht worden.

Der Fall Zammar wurde zum Politikum

Bis heute ist ungeklärt, welche Rolle Zammar bei der Vorbereitung der Terroranschläge in New York und Washington gespielt hat. Fest steht, dass er Ende Oktober 2001 von Hamburg nach Marokko reiste. Dort wurde er vom US-Geheimdienst CIA entführt und nach Syrien verschleppt. Die syrische Justiz verurteilte ihn zu zwölf Jahren Gefängnis wegen Mitgliedschaft in der Muslimbruderschaft.

Auch die deutsche Bundesanwaltschaft hatte wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung gegen Zammar ermittelt. Beamte des Bundeskriminalamtes und des Bundesnachrichtendienstes reisten deshalb nach Syrien und vernahmen Zammar in Absprache mit den Behörden von Machthaber Bashar al-Assad. Kritiker warfen den deutschen Sicherheitsbehörden daraufhin vor, sich im Fall Zammar über rechtsstaatliche Grundsätze hinweggesetzt zu haben. So wurde seine Entführung wie auch die Vernehmungen durch deutsche Beamte in Syrien zum Gegenstand eines Bundestag-Untersuchungsausschusses, der die Methoden im Kampf gegen den Terrorismus unter die Lupe nahm.

In Deutschland nichts mehr zu befürchten

Inzwischen sieht die Bundesanwaltschaft alle Vorwürfe als "verjährt" an. Daher müsse Zammar im Falle einer Rückkehr nach Deutschland "nicht mit einer Festnahme rechnen".

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele würde sich allerdings gerne einmal mit Zammar unterhalten. Man könne noch "eine ganze Menge erfahren über das, was damals gelaufen ist auch zwischen deutschen Geheimdiensten und den berüchtigten Geheimdiensten in Syrien, die ja ein richtiges Foltergefängnis unterhalten haben", sagte Ströbele.

rb/wl (afp, dpa, NDR, SZ)

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