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Sport

Hambüchen: "Turnen ist anders geworden"

Fabian Hambüchen führt das Aufgebot der deutschen Turner für die WM in Nanning in China an. Im DW-Interview spricht Hambüchen über seine WM-Ziele und blickt auf seine bisherige Karriere zurück.

DW: Die Weltmeisterschaft in Nanning ist auch eine Etappe auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Welche Ziele haben Sie für den Wettkampf jetzt in China?

Fabian Hambüchen: Wir sind ein gutes Team und unser Ziel ist, das Teamfinale zu erreichen. Diese Top-24 sollten nicht das Problem sein. Ich persönlich möchte das Mehrkampf- und das Reckfinale erreichen. Das sind erst einmal meine Ziele. Wenn ich sie erreiche, bin ich zufrieden. In den Finals ist alles drin. Da weißt du nie, wie es kommt.

Am Reck ist ihr großer Konkurrent Epke Zonderland aus den Niederlanden. Er ist Olympiasieger, Welt- und Europameister. Wie wollen Sie gegen ihn bestehen ?

In den letzten Jahren war es immer sehr knapp zwischen uns. Im Frühjahr bei der EM habe ich mal etwas Neues probiert und bin dabei gestürzt. Das war nicht ganz ungefährlich. Da habe ich gemerkt, dass ich Epke nicht mit seinen eigenen Waffen schlagen kann. Ich muss auf meine Art herankommen. Das geht nicht, indem ich meine Schwierigkeiten noch mehr hochschraube, sondern ich muss die Ausführungen meiner Übung verbessern. Daran habe ich in den letzten Wochen gefeilt und bin gespannt, was jetzt herauskommt.

Ihr erster großer Wettkampf waren 2004 die Olympischen Spiele in Athen. Zehn Jahre sind Sie jetzt in der Turn-Weltspitze dabei. Eine erstaunlich lange Zeit. Welche Gründe gibt es dafür?

Ich war früh dabei, hatte eine Super-Ausbildung durch meinen Vater, der bis heute mein Trainer ist. Es ist dennoch erstaunlich, über so einen langen Zeitraum auf so einem Level zu turnen. Darüber habe ich mir aber nie Gedanken gemacht. Für mich war immer klar, Turnen kannst Du bis Ende 20, Anfang 30. Ich werde jetzt bald 27. Ich merke, dass ich viel Erfahrung habe. In jedem Wettkampf aber bin ich noch genauso nervös und angespannt wie vor zehn Jahren.

Müssen Sie jetzt anders trainieren, um mit den Jungen mithalten zu können. Ökonomischer, mehr mit Köpfchen?

Es hat sich sehr, sehr viel verändert. Manchmal sitze ich beim Training und sage im Spaß, ich wäre gerne noch mal 20. Da konnte ich umfänglicher trainieren. Heute trainiere ich viel ökonomischer. Mittlerweile weiß ich aber, wo meine Stärken und wo meine Schwächen liegen und was meinem Körper gut tut. Aber man probiert immer wieder neue Sachen aus und merkt dann, was klappt und was nicht. Das Turnen ist schon anders geworden in den letzten Jahren. Aber ich kann noch gut mithalten und ich denke, mein Training wird sich weiter verändern.

Fabian Hambüchen am Reck. Foto: Getty Images

Fabian Hambüchen an seinem Paradegerät, dem Reck

Nach den Olympischen Spielen von London haben Sie ein Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln begonnen. Wäre es nicht besser gewesen, sich noch intensiver dem Turnen zu widmen? Beeinflußt das Studium ihre Trainingsintensität?

Nach London habe ich überlegt: Jetzt bin ich Mitte 20. Wenn ich mit dem Turnen aufhöre, möchte ich relativ schnell ins Berufsleben übergehen, nicht erst mit Mitte 30 einen Job haben. Das war der Grundgedanke. Klar, es war eine Riesenaufgabe, das zu koordinieren. Du kommst an die Sporthochschule und weißt nicht, wie das funktioniert. Auf einmal konnte ich nur noch einmal pro Tag trainieren. Das erste Semester war wirklich eine Findungsphase für mich. Danach hatte ich es im Griff und konnte meine Kurse so legen, dass ich jetzt morgens und mittags eine Trainingseinheit habe und davor, dazwischen und danach studiere. Das ist eine riesige Doppelbelastung. Aber wir haben das gut koordiniert. Die Distanz zwischen meinem Zuhause in Wetzlar und Köln ist groß, deshalb ist mein Vater zweimal in der Woche nach Köln gekommen, zweimal bin ich nach Wetzlar gefahren, um zu trainieren. Das war in den letzten Jahren kein Problem. Die WM im letzten Jahr war super. Ich war fitter denn je.

Fabian Hambüchen ist mit 35 nationalen Titeln der erfolgreichste deutsche Turner. Das Paradegerät des 26-Jährigen ist das Reck. An ihm war er einmal Welt- und dreimal Europameister. Bei den Olympischen Spielen gewann Hambüchen Silber (

London 2012

) und Bronze (Peking 2008). Nach dem WM-Aus für den Olympia-Zweiten Marcel Nguyen wegen eines Kreuzbandrisses ruhen bei den Titelkämpfen in Nanning in China (3. bis 12. Oktober) alle deutschen Medaillenhoffnungen auf Hambüchen.

Das Interview führte Herbert Schalling.

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