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Nahost

Hamas nimmt heimkehrende Flüchtlinge fest

Einige der nach Israel geflohenen Fatah-Anhänger sind in den Gaza-Streifen zurückgekehrt. Sie wurden sofort festgenommen. Die Hamas wertet ihre Flucht vor der Gewalt als "Beweis" für Straftaten.

Sicherheitskräfte der Hamas, Quelle: AP

Sicherheitskräfte der Hamas

Die rivalisierenden Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah haben ihre Kämpfe im Gazastreifen verschärft. Nach blutigen Gefechten mit mindestens neun Toten und 80 Verletzten flohen mehr als 180 Mitglieder der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Samstagabend (02.07.2008) über die Grenze nach Israel. Am Sonntagmorgen machten sich 32 Flüchtlinge auf Drängen des Palästinenserpräsidenten aber wieder auf den Heimweg, wie ein ranghoher israelischer Vertreter mitteilte. Mehr als 20 Verletzte, die in israelische Krankenhäuser aufgenommen worden waren, sollten vor einer Rückkehr zunächst genesen. Zunächst hatte es geheißen, die Flüchtlinge sollten in das von Fatah dominierte Westjordanland gebracht werden.

Sicherheitsgarantie aus Ägypten?

Ein israelischer Polizist bewacht in der Nacht zum Sonntag die Fatah-Anhänger, Quelle: AP

Ein israelischer Polizist bewacht in der Nacht zum Sonntag die Fatah-Anhänger

Abbas habe Israels Verteidigungsminister Ehud Barak am Samstagabend kontaktiert und ihn gebeten, eine Rückkehr der geflohenen Palästinenser in den Gazastreifen zu erlauben, sagte der Vertreter Israels, der anonym bleiben wollte. Die Sicherheit der Palästinenser im Gazastreifen sei von dritter Seite aus dem Ausland garantiert worden. Damit deutete der israelische Vertreter ein Eingreifen Ägyptens hinter den Kulissen an. Abbas' Büro wollte die Rückkehr der Palästinenser nicht kommentieren.

Dutzende Fatah-Anhänger seien bei ihrer Rückkehr zunächst festgenommen worden, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri am Sonntag. Die, die gegen das Gesetz verstoßen hätten, würden strafrechtlich verfolgt, alle Unschuldigen wieder freigelassen. Die Flucht der Palästinenser sei aber ein "Beweis, dass sie gegen das Gesetz verstoßen hätten", sagte Suhri weiter. Sonst hätten sie sich nicht freiwillig in die Hände der "israelischen Besatzer" begeben.

Explosionen und Gewehrfeuer

Auslöser der blutigsten innerpalästinensischen Gefechte seit Monaten war die versuchte Festnahme des Chefs des der Fatah nahestehenden Hilles-Familienclans, der hinter einem Bombenanschlag auf Hamas-Kämpfer stecken soll. Bei dem Anschlag waren am 25. Juli fünf Mitglieder des militärischen Arms der Hamas und ein fünfjähriges Mädchen getötet worden. Die Hamas nahm nach dem Anschlag mehr als 300 Menschen im Gazastreifen fest, größtenteils Anhänger der Fatah. Einer der Festgenommenen, das Fatah-Führungsmitglied Ibrahim Abul Nadscha, kam nach Angaben seines Sohnes am Samstag auf freien Fuß. Die Fatah, die ihrerseits zahlreiche Hamas-Mitglieder im Westjordanland festnahm, bestreitet jegliche Beteiligung an dem Anschlag.

Gefrechte im Stadtteil Schidschaijeh am Samstag, Quelle: AP

Gefrechte im Stadtteil Schidschaijeh am Samstag

Sicherheitskräfte der Hamas waren am Samstagmorgen auf ein mutmaßliches Versteck von Fatah-Anhängern im Stadtteil Schidschaijeh vorgerückt. Der Bezirk gilt als Hochburg des Hilles-Clans. Dabei kam es zu den schweren Kämpfen zwischen den rivalisierenden Gruppen. Den ganzen Tag über wurde die Stadt Gaza von Explosionen und Gewehrfeuer erschüttert. Ein Hamas-Sprecher erklärte, Verantwortliche für die Bluttat vom Freitag vor einer Woche würden in einem Gebäudekomplex im dem Stadtteil vermutet.

Solidaritätserklärung von Abbas

Der Clan-Älteste Ahmad Hilles wies dies zurück und betonte, dass man seine Wohngebäude verteidigen werde: "Man muss sich entscheiden: Entweder man wird von der Hamas niedergetrampelt, oder man leistet in Würde Widerstand." Die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe Ahmad Hilles telefonisch seine Solidarität übermittelt und die Kampagne der Hamas als "inakzeptabel" bezeichnet. Diese sei ein Schlag für seinen Aufruf zu einem nationalen Dialog.

Fatah-Demonstration im Westjordanland gegen die Gewalt in Gaza, Quelle: AP

Fatah-Demonstration im Westjordanland gegen die Gewalt in Gaza

Die Hamas meldete am Samstagnachmittag, dass sie die Kontrolle über den Stadtteil übernommen habe, und erklärte den Bezirk zur militärischen Sperrzone. Sicherheitskräfte hätten mehrere Hochhäuser gestürmt und Scharfschützen, Bewaffnete und verletzte Kämpfer festgenommen. Bei Durchsuchungen von Haus zu Haus seien mehr als 50 Menschen verhaftet worden, darunter zehn männliche Mitglieder des Hilles-Clans, die in Fraukleidern hätten fliehen wollen. Clanführer Ahmad Hilles und 179 seiner Gefolgsleute flohen nach Israel.

Gefangenenaustausch mit der Hisbollah

Israels Vize-Regierungschef Haim Ramon sagte im Militärradio, dass Israel denjenigen Palästinensern helfe, die den radikalen Islam bekämpften und Verhandlungen unterstützten. Israel hatte nach Angaben eines ranghohen Beamten am Samstag auf Anordnung von Verteidigungsminister Ehud Barak den Grenzübergang Nahal Os ausnahmsweise für die Flüchtlinge geöffnet. Zuvor habe Palästinenserpräsident Mahmud Abbas persönlich darum gebeten. Die Grenze Israels zum Gazastreifen ist seit der Machtübernahme der Hamas im Juni 2007 geschlossen.

Premierminister Ehud Olmert und Außenministerin Zipi Liwni am Sonntag, quelle: AP

Premierminister Ehud Olmert und Außenministerin Zipi Liwni am Sonntag

Unterdessen billigte Israel im Rahmen des Gefangenenaustauschs mit der libanesischen Hisbollah-Miliz am Sonntag die Freilassung von fünf Palästinensern. Israelische Medien berichteten, es sollten Palästinenser freigelassen werden, "an deren Händen kein Blut klebt". Bei der Häftlingsentlassung handelt es sich um den letzten Schritt des umstrittenen Austauschs unter deutscher Vermittlung. Vor mehr als zwei Wochen hatte Hisbollah die Leichen der beiden toten israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser übergeben, deren Entführung im Juli 2006 den Libanonkrieg ausgelöst hatte. Im Gegenzug ließ Israel fünf libanesische Gefangene frei, darunter den Top-Terroristen Samir Kuntar. Zudem wurden die Leichen von 199 Libanesen und Palästinensern übergeben. (stu)

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