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Deutschland

Haltern ein Jahr nach dem Absturz

In einer Gedenkveranstaltung hat die Stadt Haltern an die fast 20 Schüler und Lehrer erinnert, die 2015 durch den Absturz eines Germanwings-Flugzeugs ums Leben kamen. Manasi Gopalakrishnan berichtet.

Am 24. März 2015 vibrierte bei Bodo Klimpel ständig das Smartphone. Der Bürgermeister der Stadt Haltern am See hatte bis mittags einen Termin in der Bücherei und wollte am Nachmittag eigentlich seinen Keller entrümpeln. "Ich hatte zunächst die Nachricht auf meinem Smartphone, dass es einen Flugzeugabsturz gegeben hat. Ich habe das aber überhaupt nicht in Zusammenhang gebracht mit unserer Schule und mit unseren Schülerinnen und Schüler", erzählt er heute.

Während des Termins in der Bücherei spürte Klimpel die ganze Zeit die Vibration seines Handys. Schließlich bat er den Büchereileiter, ihn zu entschuldigen. Er stellte fest, dass sein Büro 17 Mal versucht hatte, ihn zu erreichen. "Dann habe ich hier angerufen, weil mir klar war, dass irgendetwas passiert ist. Man sagte mir, daß in der Tat die Gefahr besteht, dass es die Maschine ist, mit der auch unsere Schülerinnen und Schüler zurückgeflogen sind."

150 Menschen starben bei dem Absturz in den französischen Alpen. Eine Untersuchung von Stimmenrekorder und Flugdatenschreiber ergab, dass Kopilot Andreas Lubitz, der an einer schweren Depression litt, die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht hatte. 16 Jungen und Mädchen, die das Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See besucht hatten, kamen dabei ums Leben, außerdem zwei Lehrerinnen. "Das war ein Schock für uns", so Bürgermeister Bodo Klimpel.

Deutschland Bodo Klimpel in Haltern am See (Foto: DW/M. Gopalakrishnan)

Bodo Klimpel: "Man kriegt einen neuen Kompass."

Krisenbewältigung

Am 24. März diesen Jahres hatten sich die Bewohner der Stadt in der Innenstadt und in Kirchen zu einer Schweigeminute versammelt. Da der eigentliche Jahrestag in die Osterferien fiel, fand für die Schüler des Joseph-König-Gymnasiums jetzt eine weitere Gedenkveranstaltung in mehreren Kirchen statt.

"Wir sind vereint in Trauer", sagt der Pfarrer der Sankt-Sixtus-Kirche in seiner Ansprache an Schüler und Angehörige der Opfer. Mehrere Hinterbliebene treten ebenfalls an die Kanzel, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. "Sage mir, warum jemand, der gelebt, geliebt und gelacht hat, plötzlich nicht mehr sein kann", sagt ein Mädchen.

Orgel- und Geigenmusik erklingt zu den Worten des Pfarrers, der aus den Psalmen liest und versucht, die Familien zu trösten und ihnen zu helfen, mit dem Verlust umzugehen. Die Namen der Opfer werden verlesen, während zwei Schülerinnen Kränze vor dem Altar niederlegen. Als die Zuhörer sich zum Schlusschoral erheben, brechen einige in Tränen aus und umarmen sich.

In Haltern am See sind die Folgen des Absturzes noch deutlich spürbar. Doch etwas hat sich in der Stadt verändert, glaubt Bodo Klimpel, der Bürgermeister: "Ich glaube, dass wir in der Tragödie den richtigen Weg gefunden haben, damit umzugehen. Die Bürger und Bürgerinnen sind in der Trauer sehr stark zusammengerückt. Sie haben sich gegenseitig Unterstützung gegeben und damit natürlich auch Unterstützung und Beistand für die Familien geäußert und in praktischen Hilfen dargestellt."

Auch für Bodo Klimpel persönlich hat sich etwas verändert. "Ich beurteile heute Probleme und Schwierigkeiten ganz anders als vor einem Jahr. Man kriegt einen neuen Kompass. Vieles ist nicht mehr so wichtig. Ich bin sehr vorsichtig mit Superlativen wie 'dramatisch' und 'Katastrophe'."

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