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Sprachbar

Halt

Die Sprachbar wird Halt-Bar, nein: Haltestelle. Sie wird eine Art Hafen, ein Lager, oder eine Oase. Eine Anlegestelle für alles, was gern haltbarer wäre. Oder halt über-haupt haltbar.

Wir halten und wir werden gehalten. Gehalten werden ist bequemer. Wir werden von unserm Skelett gehalten. Das Skelett hält uns. Das, so wird es auch genannt, „Knochengerüst“ hält uns aufrecht. Ein Gerüst stützt. Wie ein Spalier, das der Kletterpflanze Halt bietet.

Muskeln, Knochen, Hosenträger

Aber Stopp. Halt, zurück zum Menschen. Was hält uns noch? Die Muskeln. Ohne Muskeln und Knochen wären wir nur ein Häufchen. Aber da nichts ewig hält, brauchen wir im Alter einen Stock, der die morschen Knochen beim Stützen unterstützt. Wie ein Gürtel oder ein Hosenträger die Hose hält – nein, kein gutes Beispiel: eine Hose rutscht ohne Gürtel, aber ohne Knochen und Muskeln könnten wir nicht mal rutschen.

Ein Gürtel verleiht der Hose Halt wie eine Schneekette im Winter dem Autoreifen. Sonst rutschte das Auto. Dann gäbe es kein Halten mehr. Und wenn der Fahrer auch noch der Eigentümer des Autos wäre, dann gäbe es womöglich auch keinen Halter mehr... Denn „Halter“ steht auch für Eigentümer.

Trost, Kraft, Verbundenheit

„Halt“ ist ein eigentümliches, ein vielschichtiges Wort. Ein Mensch kann einem anderen Menschen Halt sein, ihm Halt geben – und das, ohne ihn physisch zu halten. Einfach dadurch, dass er da ist, indem er Trost spendet. Wer tröstet, gibt Kraft, ist eine Stütze.

Der begriff des zusammenhalts und innigen verbundenseins scheint gleichwol erst in der modernen sprache häufigere verwendung gefunden zu haben,“ schreiben die Gebrüder Grimm in ihrem kenntnisreichen Deutschen Wörterbuch und fahren fort: „mit ihm (dem Begriff des Zusammenhalts) verbindet sich die nebenbedeutung der festigkeit und stätigkeit.“

So gut wie neu

Feine Nuancen sollte man auseinander halten: Ein Mensch kann sich gut gehalten haben, das heißt, er wirkt jünger als er ist. Ein Mensch kann auch gut erhalten sein, dann lebt er nicht mehr. „Gut erhalten“ ist er, beispielsweise als Pharaomumie, als Urmensch im Eis, kurz: als Fundstück.

Große Stücke auf jemanden halten – das steht für Wertschätzung, kommt aus dem Glücksspiel, man hält eine Karte, hält ein Spiel, in der Gewissheit, es zu gewinnen. Eine Gewissheit, die täuschen kann. Mancher Spieler hat den Halt verloren, wurde spielsüchtig, haltlos und stürzte ab. Vielleicht endgültig. Und irgendwo muss jemand an sich halten, um nicht zu weinen, sich zusammennehmen, - halt! Jetzt wird es aber trübselig. Besser, ich unterbreche mich kurz, das heißt: ich halte inne.

Fortfahren! Halten verboten!

Hätte ich diesen Teil der Rede besser nicht gehalten? Oder sogar die ganze Rede? Wahr ist: eine ungehaltene Rede ist kürzer als jede gehaltene, sie fand ja nicht statt, anders ist mit dem ungehaltenen Redner, er hat eine Rede gehalten, ohne aber die einem Redner gemäße Haltung einzunehmen.

So verzichte ich lieber auf die Feststellung, dass man eine Festung nur einnehmen kann oder halten. Das ist zu kriegerisch. Ich verweise bloß darauf, wie schwer es ist, Frieden zu halten, solange es Menschen gibt, die vor gar nichts halt machen, die keine Hemmschwelle kennen, die --- halt! Sonst wird es wieder trübselig. Und ich möchte zwar manchen Rekord halten, aber nicht den Rekord im „Trübseligste-Sprachbar–aller-Zeiten“ machen.

Der Ball, das Tor und die Kuhmilch

Also: stopp, abgebremst – und vorsichtig fortgefahren: Der Ball, der aufs Tor kommt, die Milch, die aus der Kuh kommt, sie sind mehr oder weniger haltbar. Der Angestellte, der aus dem eigenmächtig verlängerten Urlaub kommt – ist der noch haltbar, als Stütze für den Betrieb? Man wird ihm eine Gardinenpredigt halten und ihn zu vorbildlichem Verhalten anhalten.

Das Halten, sei es von Gegenständen oder Menschen, muss nicht immer Handarbeit sein. Das zeigt sich immer wieder. Ein Sänger kann den Ton halten, und anschließend den Mund halten und doch beide Hände frei haben.

Hände hoch!

Nicht jeder „Halt“ ist wichtig, manchmal ist „Halt“ ein Füllwort - präziser: manchmal ist „Halt“ halt nur ein Füllwort. Als Adverb gibt es der Sprache ein bisschen Halt, hält Sätze zusammen, hat eine,, so die Gebrüder Grimm blosz abgeblaszte verwendung. Ja, wenn das so ist. Dann lassen wir es halt sein. Kein Wort mehr. Stopp. Halt, keinen Schritt weiter, - oder ich schließe.

Fragen zum Text

Wenn jemand für einen anderen Menschen da ist und ihn/ sie tröstet, dann…

1. hält er/ sie etwas hoch.

2. gibt er/ sie jemandem Halt.

3. ist er/ sie ein/e Anhalter/in.

Wofür steht die Redenart große Stücke auf jemanden halten?

1. für Wertschätzung

2. für Geringschätzung

3. für Überschätzung

Jemand, der innehält,…

1. unterbricht eine Tätigkeit.

2. hält viel von sich selbst.

3. trägt etwas sehr schweres.

Arbeitsauftrag

Haltbar, Halt geben, anhalten - das Wörtchen Halt gibt es in vielen verschiedenen Variationen. Suchen Sie sich fünf Beispiele aus dem Text aus und erklären Sie deren Bedeutung schriftlich.

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