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Politik

Halonen bleibt Präsidentin

Tarja Halonen hat die Stichwahl um die finnische Präsidentenschaft gewonnen. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen hat die amtierende Staatspräsidentin ihren Konkurrenten aus der Bahn geworfen.

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Die alte neue Präsidentin Tarja Halonen

Tarja Halonen lächelte leicht verlegen, als sie den Handkuss entgegennahm. Herausforderer Sauli Niinistö gestand mit der galanten Geste seine Niederlage bei der finnischen Präsidentschaftswahl ein. Für weitere sechs Jahre haben die Finnen Tarja Halonen am Sonntag als Staatspräsidentin wieder gewählt.

Halonen, die von den Sozialdemokraten und der Linkspartei gemeinsam nominiert war, hatte im ersten Wahlgang vor zwei Wochen die absolute Mehrheit mit 46,3 Prozent verfehlt. "Es ist schade, aber Jammern hilft nichts", sagte sie damals. Und fast trotzig betonte sie zugleich: "Ich bin immer noch in der Pole-Position." Niinistö von der konservativen Oppositionspartei Kokoomus kam damals mit 24 Prozent auf die zweithöchste Stimmzahl.

EU-Finanzministertreffen

Finanzminister Sauli Niinistö (links) muss die Niederlage akzeptieren

Sozialstaat gegen Wirtschaftsreformen

Bei der Stichwahl am vergangenen Sonntag erhielt die Sozialdemokratin nun 51,8 Prozent. Ihr Herausforderer, der zurzeit einen Posten bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) innehat, kam indes nur auf 48,2 Prozent der Stimmen.

Halonen hatte sich im Wahlkampf für die Bewahrung des Sozialstaats eingesetzt: "Wir brauchen eine produktive und solide Marktwirtschaft, deren negative Auswirkungen auf politischer Ebene korrigiert werden können", verkündete sie etwa. Ihr Konkurrent Niinisto wollte mehr Wirtschafts- und Sozialreformen, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Trotz ihres Sieges wird Halonen als Staatspräsidentin kaum Einfluss auf die Wirtschaftspolitik haben. Seit dem Jahr 2000 ist das Staatsoberhaupt nur noch für außenpolitische und Sicherheitsfragen verantwortlich - in enger Abstimmung mit der Regierung.

Zu den zentralen Themen des Wahlkampfs gehörten auch die Sicherheitspolitik und ein möglicher Beitritt zur Nato. Niinisto galt als Befürworter einer Integration in die Militärallianz. Die öffentliche Meinung neigte aber eher zu einem Festhalten an der Neutralität Finnlands. Und zu Halonen.

"Mutter der Nation"

"Rote Tarja" wurde die 62-Jährige Halonen lange genannt. Wobei das heute fast nur noch auf ihre Haarfarbe passt. In sechs Jahren als Präsidentin ist die einst stramme Linke milder geworden. "Mutter der Nation" wird die erste Staatschefin des Landes inzwischen oft genannt.

Finnland Wahlen Tarja Halonen

Tarja Halonen gilt als "Mutter der Nation"

Nach Einschätzung von Beobachtern schaffte sie es während des Wahlkampfs, trotz ihres Jähzorns und ihrer Ungeduld in Fernsehdebatten, ihr mütterliches Image zu behalten. "Sie ist menschlicher (als Niinisto)", sagte eine Studentin. "Sie denkt zwar global, sie hält aber Kontakt mit den Menschen und sie hat eine gute Arbeit gemacht".

Vor zwei Jahren lag Halonens Beliebtheit in der Bevölkerung bei 94 Prozent - ein Rekord seit der Unabhängigkeit Finnlands im Jahr 1917. Inzwischen sank die Zustimmung zwar auf 70 Prozent. Doch Halonen wird einer Umfrage zufolge von ihren Landsleuten als vertrauenswürdig, menschlich und bodenständig wahrgenommen. Vor allem bei den Frauen genießt sie großen Rückhalt. Die Stimmen der weiblichen Wähler gaben wohl erneut den Ausschlag für den Sieg von Halonen.

Die letzte Amtszeit

Und so konnte die alte und neue Staatschefin am Ende lakonisch feststellen: "Vor sechs Jahren war ich die erste Präsidentin, diesmal bin ich die erste wieder gewählte Präsidentin." Dabei allerdings wird es bleiben: Nach der finnischen Verfassung sind nur zwei Amtszeiten als Präsidentin möglich. (gh)

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