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Politik

Halbherzige Erklärung gegen den Hunger

Beim Welternährungsgipfel in Rom sind konkrete finanzielle Zusagen im Kampf gegen die Unterernährung ausgeblieben. Die Konferenzteilnehmer einigten sich aber auf eine neue Strategie gegen den Hunger.

Bauer auf dürrem Feld in Malawi (Foto: AP)

Kleinbauern sollen gestärkt werden - aber reichen Erklärungen wie diese im Kampf gegen den Hunger?

Weltkarte aus Reis (Foto: DW)

In fast allen Teilen der Welt fehlt es an Grundnahrungsmitteln, zum Beispiel Reis

Beim dritten Welternährungsgipfel in Rom haben sich mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sowie 1000 Delegierte aus 190 Ländern am Montag (16.12.2009) grundsätzlich darauf verständigt, die Nahrungsmittelhilfen für die armen Länder zu erhöhen. Die konkrete Umsetzung dieses Vorhabens blieb am ersten Konferenztag aber ebenso offen wie die zeitlichen Vorgaben des Projekts. So wurde in einer gemeinsamen Erklärung das ursprünglich angepeilte Ziel nicht erwähnt, den Hunger in der Welt bis 2025 zu beseitigen. Auch die von den Vereinten Nationen dafür vorgeschlagenen finanziellen Hilfen von jährlich 44 Milliarden Dollar (29,5 Milliarden Euro) wurden nicht genannt.

In länderspezifische Projekte investieren

Mann im flachen Wasser eines Reisfeldes (Foto: AP)

Ein Bauer in Kenia bereitet den Anbau auf seinem Reisfeld vor

Allerdings bekräftigten die Konferenzteilnehmer in dem Papier ihr Ziel, arme Länder in die Lage zu versetzen, selbst ausreichend Nahrungsmittel herzustellen. Gelder für Entwicklungshilfe sollten stärker in länderspezifische Projekte investiert werden. Besonderes Augenmerk legen Gipfelteilnehmer auf die Rolle von Frauen und Kleinbauern. Sie betonten die Bedeutung von Projekten, die Kleinbauern in Entwicklungsländern unterstützten, ohne den Markt zu verzerren. Damit soll den Bauern geholfen werden, mehr zu produzieren. Wichtig sei dafür ein Zugang zu Technologie und Kapital.

Die Gipfelteilnehmer sagten zu, nach Jahren sinkender Investitionen eine "entscheidende Wende" zu vollbringen und die Agrarentwicklung in armen Ländern stärker zu fördern, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Gefragt seien vor allem "sichere, effektive und ökologisch nachhaltige Investitionen".

1,02 Milliarden Hungernde

Kinder auf den Philippinen (Foto: AP)

Hungernde philippinische Kinder stehen an einer Essensausgabe in Manila Schlange für eine Schale Nudelsuppe

Nach Angaben der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO), die in Rom ihren Hauptsitz hat, ist die Zahl der Hungernden weltweit auf 1,02 Milliarden gestiegen. Das wäre ein neuer Höchststand. Besonders alarmierend sei, dass unter den chronisch Unterernährten auch Kleinbauern und Fischer seien, also Produzenten von Nahrungsmitteln.

Jacques Diouf (Foto: AP)

FAO-Generaldirektor Diouf

FAO-Generaldirektor Jacques Diouf forderte, die jährlich notwendigen 44 Milliarden Dollar durch eine Umschichtung innerhalb der allgemeinen Entwicklungsausgaben zu erreichen. Es fehlen bislang aber ausreichend konkrete finanzielle Zusagen. Allerdings liegen einzelne Hilfszusagen vor: So kündigte die Islamische Entwicklungsbank an, eine Milliarde Dollar zur Verfügung zu stellen, um die Landwirtschaft in armen Ländern zu fördern.

Papst Benedikt XVI. bekräftigte vor den Delegierten das allgemeine Recht auf Nahrung. Der Kampf gegen Hunger und Unterernährung müsse "so schnell wie möglich" gewonnen werden, forderte das katholische Kirchenoberhaupt. Ausreichende und gesunde Ernährung sowie Zugang zu Trinkwasser seien eine Voraussetzung für das vorrangige Recht auf Leben. Angesichts der immer größeren "Tragödie des Hungers" seien Überfluss und Verschwendung von Nahrung nicht mehr hinnehmbar.

"Nichtregierungsorganisationen einbinden"

Bei ihren Beratungen haben die Delegierten das sogenannte Millenniumsziel aus dem Jahr 2000 im Hinterkopf: Danach soll die Zahl der Hungernden bis 2015 halbiert werden. Das Ziel zu erreichen, wird aber immer schwieriger, da die Zahl der unterernährten Menschen weiter steigt. Die Vorsitzende der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, forderte, Nichtregierungsorganisationen am Kampf gegen den Hunger stärker zu beteiligen. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) betonte, alle Regierungen müssten das weltweite Recht auf Nahrung anerkennen.

Frau mit Reissack in Afrika (Foto: AP)

Auch in vielen Ländern Afrikas warten die Menschen stundenlang auf ein bisschen Nahrung

"Exportlandwirtschaft nicht weiter stärken"

Die Aktion "Brot für die Welt" fordert ein Umdenken im Kampf gegen den Hunger. "Im Moment kann die Weltbevölkerung mit den bestehenden Ressourcen durchaus ernährt werden", sagte die Direktorin des evangelischen Hilfswerkes, Cornelia Füllkrug-Weitzel. Dass es dennoch Hunger gebe, sei auf politische Probleme zurückzuführen. Angebracht seien spezielle Programme für Kleinbauern und andere "benachteiligte Gruppen". Die Infrastruktur und der Zugang zu Märkten müsse verbessert werden. Das Geld solle nicht dafür ausgegeben werden, um die Exportlandwirtschaft weiter zu stärken, so Füllkrug-Weitzel.

Autor: Herbert Peckmann (rtr/dpa/ap/kna/epd)
Redaktion: Anna Kuhn-Osuis

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