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Kultur

Halali zum zweiten Teil der Robben-Jagd

Am Dienstag (4.4.2006) beginnt vor der Küste Neufundlands die zweite und wichtigste Phase der jährlichen Jagd auf junge Sattelrobben. Sie soll fast den ganzen April über andauern. 335.000 Tiere sind im Visier der Jäger.

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Eines der ersten Opfer der diesjährigen Jagd

Robbenjagd in Kanada

In diesem Jahr war das Eis wegen des warmen Winters brüchig

In Kanada wird traditionell einmal im Jahr Jagd auf nur wenige Wochen alte Sattelrobbenbabys gemacht. Dabei sind die Jäger vor allem auf das begehrte, weiße Fell der Tiere aus. Aber auch ihr Öl wird weiterverarbeitet. Diese Produkte brachten den wirtschaftlich schwachen Regionen an der kanadischen Atlantikküste im vergangenen Jahr Einnahmen in Höhe von rund 16,5 Millionen kanadischen Dollar (rund 14 Millionen Euro). Dafür mussten 325.000 Sattelrobbenbabys sterben. Die kanadische Regierung unter Ministerpräsident Stephen Harper hat sich jetzt entschlossen, die Fangquote sogar zu erhöhen. So sollen in dieser Saison rund 335.000 Jungtiere getötet werden. In der ersten Phase der Jagd, die am Samstag (25.3.2006) auf den Eisschollen im Golf von St. Lawrence begonnen hat, werden im Jahr durchschnittlich 90.000 Tiere getötet. Aufgrund der schlechten Eisverhältnisse nach einem ungewöhnlich warmen Winter lief die Jagd in diesem Jahr allerdings schleppend an.

Prominente Kritiker

Robbenjagd in Kanada

Oft wird den Robbenbabys bei lebendigem Leib das Fell über die Ohren gezogen

Tierschutzorganisationen kritisieren die Robbenjagd vor allem wegen der grausamen Vorgehensweise: Nicht selten würden die wehrlosen Heuler mit Eispickeln getötet oder gar bei lebendigem Leibe gehäutet. Doch selbst Kritik von prominenter Seite konnte die kanadische Regierung nicht umstimmen: Schauspielerin Pamela Anderson - gebürtige Kanadierin - hatte erneut ein Ende der Robbenjagd in Kanada gefordert und um ein Treffen mit Ministerpräsident Harper gebeten. Harper hatte diese Bitte jedoch abgelehnt. Daraufhin hatte Anderson davor gewarnt, dass die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) ihre Protestaktionen gegen die Robbenjagd verschärfen könnte. Außerdem kündigte die Schauspielerin an, eine Petition mit 500.000 Unterschriften nach Ottawa zu schicken. Neben Anderson protestierten auch Ex-Beatle Paul McCartney und seine Ehefrau Heather Mills sowie die französische Schauspielerin Brigitte Bardot gegen die Jagd.

Ermittlungen gegen Tierschützer

Unterdessen spielen die kanadischen Behörden ihre eigenen Trümpfe gegen die Aktivisten aus: Fünf Tierschützer wurden bereits von der Beobachtung der Robbenjagd ausgeschlossen. Die Begründung aus dem kanadischen Fischereiministerium: Sie seien den Jägern auf einer Eisscholle im St. Lawrence Strom zu nahe gekommen. Gegen die fünf Aktivisten wird jetzt wegen Behinderung der Jagd ermittelt. Tierschützer und Journalisten müssen eine Entfernung von mindestens zehn Metern zu den Robbenfängern wahren.

"Grausames Schauspiel"

Die Vorsitzende des Agrarausschusses im Deutschen Bundestag und ehemalige Umweltministerin Nordrhein-Westfalens, Bärbel Höhn (Grüne), hat jetzt ein Importverbot für kanadische Robbenprodukte gefordert. Das Töten weniger Wochen alter Sattelrobben sei ein grausames Schauspiel, dessen Bilder sie nie vergessen werde, sagte Höhn, nachdem sie selbst den Auftakt der diesjährigen Jagd als Augenzeugin beobachtet hatte. In den USA ist bereits seit 1972 die Einfuhr von Robbenprodukten verboten. Die EU verbietet seit 1983 die Einfuhr von Robbenpelzen. Belgien und die Niederlande haben bereits ein Einfuhrverbot für die gesamte Palette der Robbenprodukte durchgesetzt.(kih)

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