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Nahost/Nordafrika

Halah Mohammed aus dem Jemen

Sie ist Teil eines einzigartigen Projekts - dem Aufbau eines Bürgerradios im Südjemen. Zur Vorbereitung nahm Halah Mohammed Mohsen Al Awlaqi an einem Training der DW Akademie in Amman teil.

Im Jemen gibt es bislang kaum unabhängige Berichterstattung. Das Medienunternehmen "Yemen Times" stellt hier eine Ausnahme dar. Zusätzlich zur zweimal wöchentlich auf Englisch erscheinenden, politisch unabhängigen Zeitung "Yemen Times" wurde vor zwei Jahren das bürgernahe arabischsprachige "Radio Yemen Times" gegründet, das in der Hauptstadt Sanaa zu empfangen ist. Ab diesem Herbst soll ein Ableger den unruhigen Süden des Landes mit Informationen versorgen. Dazu bildet die DW Akademie in Zusammenarbeit mit "Yemen Times" junge Journalisten aus, die für das neue Bürgerradio arbeiten werden. Halah Mohammed ist eine von zwölf ambitionierten jemenitischen Medienschaffenden, die kürzlich an einem vorbereitenden Training in Jordanien teilnahmen. Die 38-jährige Betriebswirtin studiert derzeit Journalismus und produzierte zuletzt im Auftrag der GIZ eine Radioserie über das Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit, das im "Radio Yemen Times" ausgestrahlt wurde.

Sie sind extra aus dem Jemen nach Amman gereist - was haben Sie von diesem Workshop erwartet?
Halah Mohammed: Ich habe gehofft, dass wir Grundlagen des Radiojournalismus erlernen, zum Beispiel, wie man ein Thema entwickelt oder ein Radioprogramm macht. Und meine Erwartungen sind fast vollständig erfüllt worden. Ich habe sehr viel gelernt, der Workshop war sehr hilfreich für mich.

Was war am wichtigsten von dem, was Sie gelernt haben?
Dass Informationen präzise sein und aus mehreren Quellen stammen müssen. Und dass man ein Thema von allen Seiten betrachten muss, nicht nur von einer. Die Berichterstattung im Jemen ist oft sehr unprofessionell. Viele Journalisten beziehen sich nur auf Sekundärquellen und beschränken ihre Recherche auf die Sozialen Medien, anstatt den eigentlichen Quellen nachzugehen.

Sie und Ihre Kollegen werden bald ein neues Radio in Aden starten - was wird der Unterschied zwischen diesem neuen Sender und den bereits bestehenden sein?
Die Radios, die es bisher gibt, haben sehr lange Sendungen, die sich alle ähnlich anhören. Sie sind sehr eintönig, selbst die Stimmen sind immer dieselben. Unser neues Lokalradio ist eine große Chance in Aden. Wir wollen nah an den Menschen sein, lebendige Berichterstattung bieten und neue Ideen rüberbringen. Und wir wollen mit unserem Sender nützlich für die Gesellschaft sein, indem wir politische Debatten ausstrahlen und Informationen ohne Einschränkungen vermitteln.

Wie ist die Lage der Journalisten im Jemen?
Seit dem Aufstand 2011, dem arabischen Frühling, sind die Medien viel freier geworden. Jetzt gibt es in Sanaa viele unabhängige Zeitungen, neue Radio- und Fernsehsender. Der Südjemen - Aden und die Nachbarprovinzen - hinkt dabei allerdings hinterher.

Hat sich seitdem auch die Berichterstattung verbessert?
In gewissem Maße ja, aber es fehlt an Professionalität. Viele Journalisten vermischen persönliche Ansichten mit Informationen. Und sie haben keine Ahnung, wie man recherchiert.

Wie schwer haben es Journalistinnen in Ihrem Land?
Journalismus war früher eine männliche Domäne. Traditionell hatten Frauen immer einen genau definierten, eingeschränkten Platz. Dieser Raum ist inzwischen größer geworden. Mittlerweile gibt es viele junge Moderatorinnen im Fernsehen und überhaupt viele Journalistinnen in allen Medien. Früher hieß es, dass Frauen nicht im Fernsehen auftreten dürften, weil sie aus einem bestimmten Ort kommen oder einem bestimmten Stamm angehören. Diese Zeiten sind vorbei. Viele Aktivistinnen durften beispielsweise früher nicht in Zeitungen schreiben - jetzt geht das. Und die Meinungen der Journalistinnen werden mittlerweile ernst genommen.

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