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Asien

Hakimullah Mehsud - der neue Taliban-Führer

Mehr als zwei Wochen nach dem mutmaßlichen Tod des pakistanischen Taliban-Führers Meshud haben die Aufständischen einen Nachfolger bestimmt. Einen entschlossenen und skrupellosen Mann: Hakimullah Mehsud, vom Mehsud-Clan.

Hakimullah Mehsud (Foto:picture-alliance/dpa)

Hakimullah Mehsud tritt in die Fußstapfen vom ermordeten Baitullah Mehsud

Talibanführer Baitullah Mehsud, der seit dem US-Raketenangriff auf das Haus seines Schwiegervaters vermisst wurde, ist doch ums Leben gekommen. Drei Wochen lang dementierten die Taliban und behaupteten: Baitullah Mehsud sei nur "verletzt" oder krank. Das lange Schweigen über sein Ableben hat einen Grund: Die dreizehn Taliban-Gruppierungen mit schätzungsweise 100. 000 Kämpfern, die Baitullah Mehsud in den vergangenen drei Jahren zu einer gefürchteten Kampfeinheit zusammengeführt hatte, brauchten Zeit, um sich auf einen Nachfolger zu einigen. Traditionell wird in den Stammesgebieten entlang der Grenze zu Afghanistan ein neuer Stammesfürst oder Taliban-Chef in einer Ratsversammlung (Schura) bestimmt.

Furcht vor neuen US-Angriffen

Aufgrund der akuten Gefahr vor weiteren US-Raketenangriffen

Baitullah Mehsud gibt Interviews (Foto:picture-alliance/dpa)

Baitullah Mehsud (links) wurde bei einem US-Raketenangriff getötet

fand die Versammlung laut Geheimdienstberichten erst in der vergangenen Woche statt. Zum neuen Chef der Tehreek-e-Taliban bestimmten die Anhänger Baitullahs einstimmig Hakimullah Mehsud. Wie Baitullah ist Hakimullah ein Angehöriger des Mehsud-Stamms, scheinbar sogar ein entfernter Verwandter. Zur Person Hakimullahs gibt es relativ wenig an verlässlichen Informationen. Gleichwohl ist er für die pakistanischen und westlichen Geheimdienste kein Unbekannter.

Entschlossen und skrupellos

Im vergangenen Oktober gab der Taliban-Kommandeur für die Gebiete Orakzai, Khyer und Kurram, eine erste Pressekonferenz. Der Mann, der sich seitdem gern in einem Humvee-Militärfahrzeug zeigt, das die Taliban von den Amerikanern in Afghanistan erbeuteten. Pakistanische Journalisten erlebten einen etwa 30-jährigen Mann, der einer großen Gruppe von Taliban-Kämpfern aus Süd-Wasiristan vorstand. Er wirkte entschlossen und zugleich skrupellos. Er drohte offen mit Angriffen gegen Spitzenpolitiker in Pakistan sowie gegen die NATO-Nachschubversorgung für Afghanistan, die über einen Stützpunkt bei Peschawar verläuft. Er übernahm auch die Verantwortung für die Enthauptung von zwölf angeblichen US-Spionen, die Ziele für Drohnenangriffe identifiziert und markiert haben sollen.

Seitdem soll Hakimullah zahlreiche Selbstmordanschläge in Auftrag gegeben haben. Seine Männer sollen auch für den Mord an Benazir Bhutto im Dezember 2007 verantwortlich gewesen sein sowie für den Anschlag gegen das Marriott Hotel in Islamabad im September 2008. Er soll auch die treibende Kraft hinter der Taliban-Offensive in Richtung Islamabad vor wenigen Monaten gewesen sein.

Rache an USA

Hakimullah Mehsud (Foto:picture-alliance/dpa)

Hakimullah Mehsud - steht er unter Erfolgszwang?

In seiner ersten Erklärung als Taliban-Führer kündigte Hakimullah an, bald Rache an den USA für den Tod Baitullahs nehmen zu wollen. Analysten befürchten daher, dass Hakimullah Ziele auf dem US-amerikanischen Festland oder gar in Europa vor Augen habe. Solche Angriffe könnten seine Position als Taliban-Führer festigen. Er hat es nötig, denn dem Vernehmen nach wollten einige Taliban-Gruppen lieber seinen Rivalen und ehemaligen Baitullah-Stellvertreter, Wali Ur Rehman, als Nachfolger des getöteten Chefs sehen. Der neue Anführer steht also unter Erfolgszwang, was ihn besonders unberechenbar und gefährlich mache, so die Einschätzung von Experten in Pakistan.

Autor: Grahame Lucas

Redaktion: Diana Hodali

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