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Amerika

Haitis Regierung kämpft gegen Kinderhändler

Die Regierung Haitis will scharf gegen mutmaßliche Kinderhändler vorgehen. Am Wochenende waren zehn US-Bürger unter dem Verdacht festgenommen worden, Kinder verschleppt zu haben. Derweil öffnen die ersten Schulen wieder.

Spielendes Kind (Foto: AP)

Eins der Kinder, das außer Landes gebracht werden sollte

Die haitianische Polizei hatte am Wochenende zehn US-Bürger festgenommen, die 33 Kinder außer Landes bringen wollten. Es bestehe der Verdacht, dass die Kinder illegal an Adoptiveltern vermittelt werden sollten, sagte der haitianische Sozialminister Yves Cristallin. Die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe zurück und erklärten, sie wollten für die Kinder ein Waisenhaus in der an Haiti angrenzenden Dominikanischen Republik errichten. Sie gehören der baptistischen Hilfsorganisation New Life Children's Refuge an.

Die Regierung in Port-au-Prince prüft, ob die Inhaftierten in den USA vor Gericht gestellt werden können. Ein haitianisches Gericht müsse entscheiden, ob die Strafverfolgung in Haiti oder in den USA eingeleitet werde, teilte das Kommunikationsministerium in Port-au-Prince mit.

Der haitianische Ministerpräsident Max Bellerive sagte am Montag (01.02.2010), seine Regierung sei dieser Idee gegenüber offen, da die meisten Gebäude in seinem Land, darunter alle Gerichtsgebäude, bei dem Beben beschädigt worden seien. Es sei erwiesen, dass die US-Amerikaner die Kinder ohne die erforderlichen Papiere außer Landes bringen wollten. Einige der Kinder hätten noch lebende Eltern. "Und es ist auch klar, dass die Amerikaner wussten, dass das, was sie taten, falsch ist", sagte Bellerive weiter.

USA ziehen Schiffe ab

Derweil zieht das US-Militär drei Schiffe aus den Gewässern vor dem Karibikstaat ab. Man habe auch ohne den Flugzeugträger Carl Vinson und die beiden anderen Schiffe genügend Kräfte im Einsatz, sagte der Oberbefehlshaber der US-Armee für Südamerika, Douglas Fraser, in Miami. Zehn Hubschrauber der "Carl Vinson" würden aber im Katastrophengebiet bleiben, um weiter Hilfsgüter zu verteilen. Kurz zuvor hatten die USA ihre Luftbrücke für schwerverletzte Bebenopfer wieder aufgenommen.

Essendes Kind (Foto: AP)

Drei Wochen nach dem Beben erhielten zahlreiche Familien Reis

Auch drei Wochen nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti haben die Vereinten Nationen immer noch Probleme bei der Versorgung der Opfer. "Es gibt täglich neue Schwierigkeiten", sagte UN-Missionschef Edmond Mulet. "Vor allem die Verteilung der Lebensmittel macht Probleme." Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen hatte am Sonntag einen neuen Versuch gestartet, in einer großangelegten Aktion Lebensmittel zu verteilen. An 100.000 Menschen sei Reis ausgegeben worden.

Schulen öffnen wieder

Das WFP richtete in Port-au-Prince 16 feste Verteilstellen ein. In den kommenden beiden Wochen sollen auf diese Weise zwei Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Wegen drohender Ausschreitungen hatten frühere Verteilaktionen von Lebensmitteln vorzeitig abgebrochen werden müssen. In anderen Fällen waren Lastwagen mit Reissäcken überfallen worden.

Dennoch bemühen sich die Behörden, wieder zur Normalität zurückzukehren. In denjenigen Landesteilen, die weniger stark von dem Beben betroffen sind, gingen die Kinder am Montag erstmals wieder zur Schule. In der Hautstadt Port-au-Prince fällt der Unterricht dagegen voraussichtlich noch mehrere Wochen lang aus. Nach Aussagen des Kinderhilfswerks UNICEF sind in der Hauptstadt etwa drei Viertel der Schulen zerstört oder stark beschädigt. Nach jüngsten Schätzungen kamen bei dem Beben am 12. Januar etwa 180.000 Menschen ums Leben; rund 200 000 wurden verletzt.

Autor: Martin Muno (afp, apn, dpa, rtr, epd)
Redaktion: Reinhard Kleber

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