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Politik

Haitianischer Hoffnungsträger

René Préval hat sich bei der Präsidentschaftswahl in Haiti mit rund 51 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Damit wurde eine Stichwahl in dem krisengeschüttelten Karibikstaat vermieden.

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Haiti vor einer neuen Ära?

Zuvor hatte der weit vor seinen 31 Konkurrenten liegende Weggefährte von Expräsident Jean Bertrand Aristide die Stimmung mit Manipulationsvorwürfen angeheizt: Betrug bei der Stimmenauszählung bedrohe seinen sicheren Sieg. Ein eindeutiges Ergebnis und damit verbunden ein starkes Mandat für die künftige Regierung gelten als Voraussetzung, den verarmten Karibikstaat vor einem weiteren Abgleiten ins Chaos zu bewahren.

Anwalt der Unterprivilegierten

Wahlen Haiti Rene Preval

René Préval (Januar 2006)

Unter seinen Anhängern und im Ausland gilt Préval als effizienter Verwalter. Für die Armen in Haiti ist er ein Hoffnungsträger. Seine Gegner sehen in ihm dagegen nur eine Kopie Aristides. Wenn die Sprache auf seinen im Februar 2004 gestürzten Vorgänger kommt, weicht Préval allerdings aus. Der 63-jährige Agrarökomon war lange Jahre einer der engsten Vertrauten Aristides. Seit Aristides Sturz habe Préval aber keinen Kontakt mehr zu seinem früheren Förderer, versichert einer seiner Vertrauten. Geschickt übernahm er jedoch von ihm die Rolle des Anwalts der Unterprivilegierten. Mehr als drei Viertel der 8,5 Millionen Haitianer leben in Armut.

Seine politische Arbeit begann Préval als Mitstreiter der von Aristide gegründeten Bewegung "Die Familie ist das Leben". Damals knüpfte er freundschaftliche Beziehungen zu dem Armenpriester. Es war die Zeit nach dem Ende der Diktatur von Jean-Claude Duvalier im Jahr 1986. Aristide bezeichnet den kleinen bärtigen Mann später sogar als seinen "Zwillingsbruder".

Premierminister für sechs Monate

Préval wurde am 17. Januar 1943 als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Sein Vater war Anfang der 50er Jahre Landwirtschaftsminister. Die Duvalier-Diktatur trieb die Familie 1963 in die Flucht. René Préval studierte Landwirtschaft in Belgien, von 1970 bis 1975 lebte er in den USA, schlug sich zeitweise als Kellner durch. Heute ist Préval geschieden und hat zwei Töchter. Er spricht Französisch, Kreolisch, Englisch und Spanisch.

Haiti Jean-Bertrand Aristide und Rene Preval

'Zwillingsbrüder': René Préval und Jean-Bertrand Aristide (Februar 2001)

Nach der Rückkehr in seine Heimat im Jahr 1976 wurde Préval Mitarbeiter am Institut für Bergbauforschung. Er widmete sich in verschiedenen Organisationen der Verteidigung der Menschenrechte, lernte Aristide kennen. Zwei Tage nach dessen Vereidigung zum Staatspräsidenten wurde Préval am 9. Februar 1991 zum Ministerpräsidenten ernannt. Als das Militär Aristide am 30. September 1991 in einem blutigen Putsch stürzte, flohen beide ins Exil in die USA. Erst 1994 konnten sie nach einer Intervention Washingtons in ihre Heimat zurückkehren.

Zwillingsbruder oder Marionette?

Weil er nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit als Staatschef nicht noch einmal antreten konnte, überließ Aristide bei den Wahlen 1996 seinem Gefolgsmann das Terrain. Préval wurde mit einer Mehrheit von 87,9 Prozent der Stimmen gewählt - allerdings blieben 70 Prozent der Wähler den Urnen fern. Viele Haitianer misstrauen dem neuen Staatsoberhaupt, sehen in ihm eine Marionette Aristides.

In seiner Amtszeit bewährte sich "Ti-René", wie ihn seine Landsleute nennen, als ehrlicher und effizienter Verwalter, ließ Schulen und Straßen bauen und neue Plätze einweihen. Gleichzeitig weigerte sich der erklärte Lebemann, lange Reden zu lesen und drückt sich vor protokollarischen Pflichten. Nach einer von der Opposition boykottierten Wahl musste Préval Aristide 2001 den Posten des Staatsoberhaupts wieder überlassen. Jetzt ist er wieder an die Spitze zurückgekehrt. Und zumindest die Vereinten Nationen zeigten sich zuversichtlich: Für die UN eröffnet die Wahl "eine neue Ära" für Haiti. (wga)

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