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Nach dem Hurrikan Matthew

Haiti steht vor einer Hungersnot

Hunger, Verzweiflung und Cholera-Alarm: Vier Wochen nach dem Hurrikan "Matthew" herrschen Elend und Hoffnungslosigkeit in Haitis verwüstetem Süden. Doch die Weltöffentlichkeit nimmt kaum noch Notiz.

Haiti nach Hurrikan Matthew (picture-alliance/AP Photo/D.N. Chery)

Die Provinzhauptstadt Jérémie ist nach dem Hurrikan Matthew zu 80 Prozent zerstört

Kaum ein Baum, kaum eine Bananenstaude stehen an der südlichen Küste der Karibikinsel noch. Die Boote der Fischer sind zerstört, Landwirtschaft ist nicht mehr möglich. Durch die Naturkatastrophe sind mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen, mindestens 350.000 sind obdachlos. Nach den Verwüstungen und der steigenden Cholera-Gefahr droht jetzt auch noch eine Hungerkatastrophe.

Hilfsorganisationen bemühen sich, auch die entlegenen Gebiete zu erreichen. Doch viel zu wenig Nahrungsmittel und Trinkwasser gibt es angesichts des immensen Ausmaßes der Verwüstungen vor allem in den Provinzen Grand' Anse und Sud. Die Provinzhauptstadt Jérémie, malerisch gelegen auf einer ungeschützten Landzunge, ist zu 80 Prozent zerstört. Am westlichsten Zipfel der Insel riss "Matthew" alles mit sich.

Haiti nach Hurrikan Matthew (picture-alliance/dpa/UN/Logan Abassi)

Kaum ein Haus steht noch in der Provinzhauptstadt Jérémie

Die Weltbank veranschlagt die materiellen Schäden durch den Hurrikan auf rund zwei Milliarden Dollar, das entspricht etwa einem Fünftel des Bruttoinlandsprodukts. Dabei hat sich der bitterarme Inselstaat längst noch nicht von den Folgen des verheerenden Erdbebens des Jahres 2010 erholt.

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Das Elend von der Drohne aus gesehen

Große Angst macht den Menschen auch die rapide Ausbreitung der Cholera. Die Situation ist alarmierend. Haiti steht womöglich eine Epidemie bevor - wie 2010, als mehr als 9.000 Menschen starben und 300.000 erkrankten. Hilfsorganisationen melden täglich steigende Infektionen. Die Hälfte der Bevölkerung hat derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das UN-Nothilfebüro Ocha spricht von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Die haitianische Regierung spielt das Problem jedoch herunter und verschärft dadurch noch die Lage.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon war erschüttert, als er vor gut zwei Wochen in den verwüsteten Süden reiste, und forderte nachdrücklich die Hilfsbereitschaft der Staatengemeinschaft ein. 120 Millionen Dollar veranschlagen die Vereinten Nationen als Nothilfe. Bislang ist aber nur ein Bruchteil zusammengekommen. "Ich bin enttäuscht über die Antwort der internationalen Gemeinschaft", sagte Ban. Doch die Zurückhaltung der Geber dürfte auch am politischen Chaos liegen - und der andauernden Korruption in Haiti.

rb/SC (afp, epd, kna)

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