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Amerika

Haiti-Hilfe angelaufen

Drei Tage nach dem Jahrhundertbeben in Haiti sind zahlreiche Helfer auf der Insel gelandet. Aber eine nahezu vollständig zerstörte Infrastruktur und Angst vor Plünderungen erschweren die Hilfe.

US-Amerikanerin mit haitianischen Helfern in Port-au-Prince (Foto:AP)

Port-au-Prince: Hilfe setzt schleppend ein

Das schwere Erdbeben in Haiti hat eine beispiellose internationale Hilfsaktion ausgelöst. Auch aus Deutschland sind Helfer mit Hilfsgütern auf dem Flughafen von Port-au-Prince gelandet. Aber die Behörden sind mit der Abfertigung der vielen Maschinen überfordert, sodass konkrete Hilfsmaßnahmen noch nicht angelaufen sind. Am Samstag (16.01.2010) schickt das Deutsche Rote Kreuz eine mobile Klinik nach Haiti. Nach Angaben des DRK könne damit die Versorgung von 30.000 Menschen sichergestellt werden.

In der Klinik werde ein achtköpfiges Team aus Ärzten, Krankenschwestern, einer Hebamme und Technikern gemeinsam mit einheimischen Helfern arbeiten. Auch Caritas international und die Diakonie Katastrophenhilfe kündigten für Montag einen gemeinsamen Hilfsgüterflug an.

Bild vom Beladen einer Transportmaschine auf dem Flughafen von Los Angeles. (Foto:AP)

Hilfe für Haiti kommt aus der ganzen Welt. Das Los Angeles County Fire Department belädt eine Maschine mit Hilfsgütern

Leichenberge in den Straßen

Zahlreiche Berichte von internationalen Helfern und Reportern sprechen von Leichenbergen, die sich in den Straßen der Hauptstadt türmen. Überall fehle es an frischem Trinkwasser, an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Die Situation werde dadurch noch chaotischer, dass Tausende traumatisierter Menschen durch die zerstörten Straßen irrten und sich bei ihnen Frustration und Ärger breit machten. Zwischen den Ruinen der eingestürzten Häuser liegen nicht nur Leichen, sondern zahlreiche Verletzte, denen aber nicht in ausreichender Weise geholfen werden kann.

Auf den Straßen der Hauptstadt Port-au-Prince hat sich ein Verwesungsgeruch breit gemacht, gleichzeitig steigt die Sorge vor Epidemien. Überlebende haben damit begonnen, Massengräber auszuheben. Dennoch werden Leichen neben einem Krankenhaus abgelegt, wo sie außerhalb eines Leichenschauhauses der Witterung ausgesetzt sind.

Menschen stehen um eine große Anzahl von Leichen in Port-au-Prince, der Hauptstadt von Haiti. (Foto:AP)

Die Leichen werden an Krankenhäusern oder vor den Stationen der internationalen Hilfsorganisationen abgelegt.

Brutaler Kampf ums Überleben

Die ohnehin katastrophale Situation wird durch Plünderungen noch erschwert. Die Vereinten Nationen berichten von Plünderungen ihrer Lagerhäuser. Diese Depots waren schon vor dem Beben eingerichtet worden, berichtete Emilia Casella, Sprecherin des UN-Ernährungsprogramms: "Wir haben die Ernährungssituation von rund zwei Millionen Haitianern als prekär eingeschätzt." Der Kampf ums Überleben wird zunehmend brutaler. In den Straßen der Hauptstadt prügeln sich Menschen um Lebensmittelrationen. Sollte die Hilfe nicht bald zu den Menschen gelangen, dürften Gewalt und Plünderungen in den kommenden Tagen noch zunehmen.

Offizielle Totenzahlen gibt es nach wie vor nicht. Die Regierung in Port-au-Prince geht von 50.000 bis 100.000 Opfern aus. Das Rote Kreuz schätzt mindestens 50.000. Aber diese Zahlen basieren auf der Annahme, dass das Beben vor allem in der Hauptstadt zu Schäden geführt hat.

Zerstörungen gibt es auch außerhalb der Hauptstadt. Das Bild zeigt ein völlig zerstörtes kleines Dorf. (Foto:AP)

Betroffen ist nicht nur die Hauptstadt Port-au-Prince. Auch in ländlichen Regionen gibt es schwere Zerstörungen.

Hilfsbedarf auch auf dem Land

Es liegen mittlerweile auch Meldungen aus den ländlichen Regionen Haitis vor, die von schweren Zerstörungen berichten. Der Repräsentant der Deutschen Welthungerhilfe in Haiti, Michael Kühn, umriss das Gebiet: "Es gibt großen Bedarf an Hilfe in den Ortschaften Jacmal, Petit Goave und Leogane." Dort aber sei die internationale Staatengemeinschaft noch nicht "besonders engagiert". Viele Menschen haben sich wegen der Zerstörungen in ihrer Heimat auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, um Verwandte und Freunden zu suchen.

Aber auch umgekehrt hat sich ein gespenstischer Zug in Bewegung gesetzt. Der Projektleiter der Welthungerhilfe Rainer Schmid berichtet aus dem Norden des Landes, dass viele Menschen von Port-au-Prince aufgebrochen sind, "um ihre Toten in der Heimt beerdigen zu können – eine gespenstische Szenerie."

Weitere Hilfe geplant

Die Bundesregierung wird nach Worten von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) ihre Hilfsmaßnahmen aufstocken. Er sprach von etwa 800.000 Lebensmittelrationen und dem weiteren Einsatz der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Bevor weitere Hilfe erfolgen könne, müsse sicher gestellt werden, dass "die bisherigen Hilfen auch sinnvoll fließen können." Niebel sagte weiter:"Die Fehler beim Tsunami in Ostasien wollen wir nicht wiederholen, die Mittlevergabe muss effizient koordiniert werden."

Autor: Matthias von Hellfeld (dpa,kna)

Redaktion: Sabine Faber

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